Paderborns Sven Michel (r) behauptet den Ball vor Wolfsburgs John Anthony Brooks (l). Foto: Peter Steffen
Paderborns Sven Michel (r) behauptet den Ball vor Wolfsburgs John Anthony Brooks (l). Foto: Peter Steffen

Schlager-Verletzung überlagert Wolfsburg-Spiel

Alles bei den «Wölfen» wurde von der schweren Verletzung ihres 15-Millionen-Euro-Einkaufs Xaver Schlager überlagert, der schon nach zehn Minuten vom Platz getragen werden musste und bei dem dann noch während des Spiels festgestellt wurde: Er hat sich den Knöchel gebrochen und wird mehrere Monate fehlen.

«Das ist sehr bitter für ihn und für uns», sagte Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner hinterher. «Heute bin ich sehr traurig, weil ich sehr ungern einen wichtigen Spieler durch eine schwere Verletzung verliere. Ich habe mit dem Arzt gesprochen. Er muss operiert werden und ich denke, dass der Herbst für ihn gelaufen ist.»

Der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler aus Österreich war erst in der Sommerpause für rund 15 Millionen Euro von Red Bull Salzburg nach Wolfsburg gewechselt. Wie wichtig Schlager mit seiner Dynamik und seiner Laufstärke bereits nach wenigen Wochen für das Spiel der Niedersachsen geworden ist, zeigte sich auch an diesem Samstag.

Denn in der Anfangsphase schienen die «Wölfe» den bislang so mutigen Aufsteiger geradezu auffressen zu wollen. Wolfsburg begann mit viel Tempo und Druck - bis Schlager in der achten Minute bei einem Angriff im Strafraum im Rasen hängen blieb. Der Österreicher musste erst behandelt und dann ausgewechselt werden. Gleich mit dem ersten Angriff danach fiel das 0:1 durch Cauly Oliveira Souza (12.). Der VfL brauchte mehr als 40 Minuten, um sich von diesem «Doppelschock» (Glasner) zu erholen. In der 56. Minute rettete Josip Brekalo dem Favoriten mit seinem Tor zum 1:1 wenigstens noch einen Punkt.

«Wir waren sehr, sehr gut im Spiel - und auf einmal haben wir eine schwere Verletzung und liegen 0:1 hinten», sagte Glasner. «Für uns war es ein extrem schwieriges Spiel.»

Dabei hatten die Niedersachsen nach ihren Siegen gegen den 1. FC Köln und Hertha BSC die große Chance, aus einem sehr guten einen historischen Saisonstart zumachen. Drei Auftaktsiege hat der VfL in seiner Bundesliga-Geschichte noch nie geschafft, nicht einmal zu Zeiten so erfolgreicher Trainer wie Felix Magath, Wolfgang Wolf oder Bruno Labbadia. «Wir können auch mit sieben Punkten aus drei Spielen gut leben. Die Richtung stimmt», sagte der neue Coach Glasner.

Und auch einen Ersatz für Schlager glaubt er bis zum Ende der Transferfrist nicht unbedingt verpflichten zu müssen - obwohl sein österreichischer Landsmann im zentralen Mittelfeld bereits der zweite langfristige Ausfall nach dem Spanier Ignacio Camacho ist. «Im Prinzip ist der Kader groß genug und gut genug aufgestellt», sagte Glasner. «Prinzipiell haben wir im Mittelfeld genügend Alternativen.»

Aufsteiger Paderborn trauerte in Wolfsburg wie schon nach den beiden ersten Spielen gegen Leverkusen (2:3) und Freiburg (1:3) vielen vergebenen Chancen hinterher - freute sich am Ende aber noch mehr über den ersten und verdienten Punktgewinn dieser Saison.

«Wir sind in der Bundesliga richtig angekommen», sagte der Sport-Geschäftsführer Martin Przondziono. «Aber ich bin ganz ehrlich: Eigentlich müssen wir das Spiel hier gewinnen.» Przondziono zielte dabei vor allem auf zwei Großchancen von Sven Michel ab, der nach dem Wolfsburger Ausgleich noch zweimal allein auf den VfL-Torwart Koen Casteels zulief (59./75.). Paderborn machte wieder ein gutes Spiel, Paderborn holte wieder etwas zu wenig heraus - und hatte diesmal auch noch den einzigen Lacher dieses Nachmittags auf seiner Seite: Denn Verteidiger Mohamed Dräger kam zu Beginn der zweiten Halbzeit versehentlich im Trikot seines Teamkollegen Ben Zolinski auf das Spielfeld zurück. Er zog sich aber schnell wieder um.