Reinhard Rauball (l) und Christian Seifert sprechen sich für einen hauptamtlichen DFB-Präsidenten aus. Foto: Arne Dedert
Reinhard Rauball (l) und Christian Seifert sprechen sich für einen hauptamtlichen DFB-Präsidenten aus. Foto: Arne Dedert/dpa

Rauball und Seifert für hauptamtlichen DFB-Chef

Der Vorstandschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters forderte eine Rückkehr zu einer aus seiner Sicht sinnhaften Balance zwischen den Interessen von Profis und Amateuren und machte Interimschef Rainer Koch und den Spitzen der Landesverbände nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel schwere Vorwürfe.

Unter dem früheren Verbandschef Wolfgang Niersbach habe man ein «Superverhältnis» zwischen Profi- und Amateur-Vertretern gehabt. «Mit dem Duo Reinhard Grindel und Rainer Koch ist da Gift reingeflossen, das ist nicht von Reinhard Grindel passiert», sagte Rummenigge in der TV-Sendung «Wontorra» bei Sky.

Zu viel sei unter dem gescheiterten Grindel und seinem Stellvertreter Koch zugunsten der Amateur-Fraktion verändert worden. Das Problem des DFB sei nicht nur Grindel gewesen. «Gewählt haben den Präsidenten immer die Vorsitzenden der Landesverbände. Da ist viel Unsittliches passiert in den letzten Jahren», sagte Rummenigge ohne Details zu nennen und zu erwähnen, dass Grindel auch von den Profi-Clubs zum Verbandschef gekürt worden war.

Die Suche nach einem Grindel-Nachfolger bleibt für die Interims-Crew eine komplizierte Angelegenheit. Christoph Metzelder sagt immerhin nicht - wie viele andere Kandidaten - kategorisch nein. Im Poker um neue Strukturen und Entscheidungsprozesse preschen nun die Vertreter des Profifußballs nach vorne und sprechen sich als Kern einer notwendigen großangelegten Reform für einen künftig hauptamtlich engagierten Verbandschef aus.

«Es zeigt sich, dass es ganz schwierig ist, einen Verband wie den DFB mit einer Drittelmilliarde Umsatz so ehrenamtlich zu führen, wie das seit Jahr und Tag der Fall ist», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball am Samstag der ARD-Sportschau. Ein hauptamtlicher DFB-Präsident sei «eine Überlegung, die wir anstellen», versicherte Rauball, der gemeinsam mit Koch als Boss der Amateur-Fraktion die Interims-Führung übernommen hat.

Auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert spricht sich als weiterer Top-Vertreter des Profi-Lagers für eine adäquate Bezahlung und vor allem klare Vergütungsregeln für den nächsten DFB-Präsidenten aus. «Vor allem sollte man der Amateurbasis nicht das Gefühl geben, dass man sie besser verstünde, weil man ja weniger Geld dafür bekommt», sagte Seifert dem ZDF. Der DFL-Topmann puscht damit seine Interessen, denn bislang sorgte die Prämisse des Ehrenamtes dafür, dass an der Spitze des DFB ein dem Amateurlager gewogener Chef stand.

«Weil wenn sie so rangehen, dann sind diese Ämter künftig nur noch reserviert für Menschen, deren Altersvorsorge schon geregelt ist. Und das sind dann entweder ehemalige Beamte oder ehemalige Politiker. Und das würde, glaube ich, das Suchfeld ein bisschen einschränken», sagte Seifert, der als Chef des operativen Geschäfts der Deutschen Fußball Liga auch dem DFB-Präsidium angehört.

Absagen prominenter Fußball-Fachkräfte, die nach einer erfolgreichen Karriere auch ökonomisch nicht auf einen Verbandsjob angewiesen wären, gab es von Philip Lahm über Matthias Sammer bis Rudi Völler schon reichlich. Der ebenfalls gehandelte Ex-Nationalspieler Metzelder zeigte als Sky-Experte verbales Geschick und hielt sich als bislang Einziger alle Optionen offen.

«Ich bin total geschmeichelt. Es ist eine Ehre, damit in Verbindung gebracht zu werden. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich auch schon in meiner Zeit als Profi nie zu Spekulationen geäußert habe. Deswegen möchte ich das nicht kommentieren», sagte der 38-Jährige, der zuletzt auch als möglicher Schalke-Sportdirektor genannt wurde.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke räumte der Amateur-Abteilung das Recht ein, auch künftig «richtig repräsentiert zu sein». Die operative Führung des Verbandes müsse aber durch einen hauptamtlichen Geschäftsführer erfolgen, der durch einen Aufsichtsrat kontrolliert werde.

In einem solchen Konstrukt der stärkeren Separierung würde auch noch Platz für einen starken Amateur-Anführer sein, weshalb auch deren Spitzenfunktionär Koch nicht opponiert. Laut «Bild am Sonntag» soll ein Entwurf bis Anfang Mai beim DFB und DFL vorgestellt werden, die bahnbrechenden Entscheidungen mit Satzungsänderung und Kür von Mr. X als Chef am 27. September beim DFB-Bundestag erfolgen.

Watzke stellte die Frage, wie «die Verwaltung des DFB aufgestellt» sei und ob dort «nicht mehr im Argen» liege. Ohne den Namen von DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius zu nennen, stellte Watzke damit dessen Arbeit als bislang wichtigsten hauptamtlich angestellten DFB-Repräsentanten infrage. Eine Diskussion im Stile «Deutschland sucht den DFB-Präsidenten», bezeichnete Watzke als «peinlich».