In Shanghai lediglich Dritter: Sebastian Vettel. Foto: Andy Wong/AP
In Shanghai lediglich Dritter: Sebastian Vettel. Foto: Andy Wong/AP

Vettel trotz Teamorder nur Dritter - Hamilton mit Jubiläumssieg

Die triumphale Spazierfahrt von Lewis Hamilton zum Sieg im 1000. Formel-1-Rennen konnte der deutsche Scuderia-Star nicht mal annähernd verhindern. «Ich bin glücklich, auf dem Podium zu sein. Es war aber hart. Wir haben versucht dranzubleiben, aber es ging einfach nicht», sagte Vettel nach dem Großen Preis von China.

Auf dem Shanghai International Circuit, auf dem er bisher nur einmal und das vor zehn Jahren gewinnen konnte, musste er auch noch Valtteri Bottas im zweiten Mercedes den Vortritt lassen. Nicht mal eine Teamorder gegen den aufstrebenden Charles Leclerc im zweiten Ferrari während des Rennens brachte Vettel den nötigen Schub, um den dritten Doppelerfolg der Silberpfeile im dritten Saisonrennen zu verhindern.

«Ich dachte, ich könnte schneller fahren. Dann war es allerdings schwer für mich, den Rhythmus zu finden. Ich hatte dann ein paar Probleme und den Vorteil, den ich hatte, wieder verspielt», sagte Vettel zur Anweisung von der Box. Leclerc wurde hinter Max Verstappen im Red Bull sogar nur Fünfter.

Hamilton betonte nach Sieg und Platz zwei für Mercedes im großen Jubiläumsrennen: «Das ist etwas Besonderes.» Kaum aus dem Auto, herzte er jeden einzelnen, auch Daimler-Chef Dieter Zetsche bekam einen Knuddler ab. Besonders angestrengt wirkte Hamilton nach diesem Rennen nicht. Der Brite liegt nun sechs Zähler vor Bottas im WM-Klassement und schon 31 vor Vettel. Nico Hülkenberg musste wie schon in Bahrain seinen Renault wegen eines technischen Defekts vorzeitig abstellen.

Der Auftakt in das Jubiläumsrennen war packend. Noch vor der ersten Kurve schob sich Hamilton an Bottas vorbei, der sich in der Qualifikation seine siebte Pole geholt hatte. Vettel wollte von Position drei aus den schwachen Start des Finnen ebenfalls ausnutzen, fand jedoch keinen Platz zum Vorbeiziehen. Stattdessen musste er seinen Stallrivalen Leclerc passieren lassen, der in Bahrain wegen eines Defekts um seinen fast schon sicheren ersten Grand-Prix-Sieg gebracht wurde.

Weiter hinten krachte es gleich mal. Daniil Kwjat im Toro Rosso touchierte die McLaren von Lando Norris und Carlos Sainz. Norris musste an seinem erheblich beschädigten Wagen eine neue Front installieren lassen. Der Russe Kwjat wurde für seine Aktion mit einer Durchfahrtstrafe belegt.

Vettels Plan, an den beiden Mercedes-Piloten dranzubleiben und dank seines leistungsstarken Ferrari-Antriebs auf den Geraden Zeit gutzumachen, ging schon nach den ersten drei Runden nicht auf. Der Rückstand von Leclerc auf Bottas lag bei fast zwei Sekunden, Vettel war 2,5 Sekunden zurück. Die Spannung in der Führungsgruppe nahm also bereits nach den ersten Kilometern ab.

Die Scuderia wollte den Abstand zu den Silberpfeilen verkürzen. So forderte der Kommandostand Leclerc auf, mehr Tempo zu machen, sonst müsse er Vettel überholen lassen. In der elften Runde bekam der Monegasse die unmissverständliche Anweisung: «Lass Sebastian vorbei, lass Sebastian vorbei.» Leclerc gehorchte, Vettel war nun Dritter.

Der von Ferrari als schneller eingeschätzte viermalige Weltmeister kam jedoch vorne einfach nicht ran. «Und was jetzt?», fragte der drängende Leclerc süffisant über den Boxenfunk. «Ich verliere ziemlich viel Zeit.» Vettel verbremste sich und wurde seinerseits angewiesen, mehr Druck zu machen. Hamilton war indes pro Runde ungefähr eine halbe Sekunde schneller als die beiden Ferrari-Fahrer.

Vettel kam in der 18. Runde als erster Pilot aus dem führenden Quartett an die Box und musste danach in einem Rad-an-Rad-Duell Verstappen in Schach halten. Ein Duell mit Vorgeschichte alleine in China: Im vergangenen Jahr hatte ihn der Niederländer gerammt, in der Qualifikation in diesem Jahr schimpfte der 21-Jährige über den Deutschen, da er sich unter anderem vom Ferrari-Star um den letzten Versuch einer schnellen Runde gebracht fühlte. Das Duell in Shanghai schauten sich die Stewards nochmal genau an, ahndeten es aber nicht.

Vettel kam in Runde 36 zum zweiten Mal an die Box, um sich frische Reifen zu holen. Einen Umlauf später holte Mercedes gleich beide seiner Fahrer in die Garage. Innerhalb von nur 6,2 Sekunden erledigten die Mechaniker diesen Doppeljob. An der Spitze lief es für das Silberpfeil-Duo dann ebenfalls weiter reibungslos. Hamilton und Bottas ließen Vettel, Verstappen und Leclerc einfach nicht herankommen.