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CfR Pforzheim

Frustrierende Momente am Spielfeldrand: Gökhan Gökce. Foto: Hennrich
Frustrierende Momente am Spielfeldrand: Gökhan Gökce. Foto: Hennrich
11.04.2019

1. CfR Pforzheim: Emotionaler Überfluss und spielerische Defizite

Pforzheim. Beim 1. CfR Pforzheim läuft es momentan wahrlich nicht rund. Mit dem 0:2 (0:1) im Derby gegen den FC Nöttingen am Mittwoch ging auch noch der letzte Trumpf verloren, den das Team zu bieten hatte: Die Heimstärke. Oder sollte man besser sagen: die vermeintliche Heimstärke? Auswärts waren die Pforzheimer im neuen Jahr bei drei Niederlagen nur Punktelieferant. Das macht nicht gerade Mut für das Spiel am Samstag (15.30 Uhr) beim TSV Ilshofen.

Richtig ist, dass die Pforzheimer mehr als sieben Monate im Holzhofstadion ungeschlagen geblieben waren. Doch schon beim 0:0 am vergangenen Wochenende gegen den designierten Absteiger FC Friedrichstal wurde offensichtlich, dass die Mannschaft vor allem im spielerischen Bereich Defizite hat.

Nach dem 0:2 gegen Nöttingen fiel die Ansprache von Gökhan Gökce in der Pressekonferenz sehr emotional aus. Dabei vergaloppierte sich der CfR-Coach, als es um die Zuschauer ging. Kritische Zurufe und die Aufforderung zum Spielerwechsel während der Partie tadelte er, vermisste die lautstarke Unterstützung von den Rängen. „Ich hätte gewünscht, dass die Zuschauer uns anfeuern und Nöttingen so verunsichern“, ereiferte sich Gökce.

Doch der Blick ins weite Stadionrund war ernüchternd. Nur 770 Zuschauer verloren sich auf dem Holzhof – Derby-Minusrekord. Warum das so ist? Woher die Frustration? Die Antwort: Für Siege gibt es keinen Ersatz. So, wie der CfR in den vergangenen Wochen aufgetreten ist, hat er keine Werbung für das Derby gemacht. Und so, wie der CfR am Mittwoch gespielt hat, konnte er die Zuschauer nicht mitreißen. Der Einsatz ist da, keine Frage. Die Spieler rennen und kämpfen. Es fehlt auch bisweilen das Spielglück. Doch spielerisch bleiben viele Wünsche offen. Es fehlt zu allererst ein Mann, der im Mittelfeld die Fäden zieht. Der das Spiel ordnet, den Rhythmus bestimmt. Der mit dafür sorgt, dass der Ball zielgerichtet von der Abwehr in den Angriff befördert wird, und nicht vorrangig mit langen Bällen, die meist beim Gegner landen.

Womöglich wäre Julian Grupp der Mann für mehr Spielkultur im Mittelfeld. Doch der Routinier spielte zuletzt in der Innenverteidigung. Dort erachtete ihn Gökce auch gegen Nöttingen für wertvoller, das hat er auf Nachfrage in der Pressekonferenz klar gemacht. Dafür spielte Dominique Jourdan, eigentlich für die Innenverteidigung geholt, im Mittelfeld, hat aber bei weitem nicht Ballfertigkeit und Dynamik seines Kollegen.

Zu wenig Torgefahr

Julian Grupp gibt sich diszipliniert. Er habe schon viele Positionen gespielt. Und er spiele da, wo der Trainer ihn aufstelle. Sein Gesichtsausdruck nach der Niederlage gegen Nöttingen verriet aber, dass es in ihm brodelte: „Wir flanken gefühlt hundert mal in den gegnerischen Strafraum, aber ich verstehe nicht, warum wir es nicht schaffen, gefährlich zu werden“, ärgerte sich der 27-Jährige.

Der CfR muss nun schleunigst die Kurve kriegen. Die Abstiegsplätze scheinen noch in weiter Entfernung. Aber fünf Absteiger sind möglich. Ilshofen, der Gastgeber am Samstag, belegt den sechstletzten Platz – und kann bei einem Sieg nach Punkten mit Pforzheim gleichziehen.