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TVP-Spielertrainer John Willis (links) und Mannschaftskapitän Mustafa Güngör (rechts) müssen sich für kommenden Samstag etwas einfallen lassen, denn wegen eines im Viertelfinale gegen den Berliner RC erlittenen Jochbeinbruchs fällt Josh Fisiiahi für das Halbfinale gegen den Heidelberger RK aus. Fisiiahi aber hat bislang die meisten Versuche für den TVP gelegt.
TVP-Spielertrainer John Willis (links) und Mannschaftskapitän Mustafa Güngör (rechts) müssen sich für kommenden Samstag etwas einfallen lassen, denn wegen eines im Viertelfinale gegen den Berliner RC erlittenen Jochbeinbruchs fällt Josh Fisiiahi für das Halbfinale gegen den Heidelberger RK aus. Fisiiahi aber hat bislang die meisten Versuche für den TVP gelegt. © Jürgen Keller
26.05.2013

49:7-Sieg beim Berliner RC: Rugby-Spieler des TV Pforzheim im DM-Halbfinale

So kennt man das Rugby-Bundesligateam des TV Pforzheim. Gleich nach dem Anpfiff wird der Gegner überrannt. 25:0 führte der TVP zur Halbzeit im Viertelfinale der deutschen Rugbymeisterschaft beim Berliner Rugby Club. Während es zum Saisonanfang am Ende zuweilen doch nicht für einen Sieg reichte, konnten die Pforzheimer dieses wichtige Match siegreich mit 49:7 beenden.

Eine lange Anfahrt, strömender Regen am Spieltag, die Ungewissheit, wie stark sich der Berliner Rugby Club in dieser Saison verstärken und wie gut der TV Pforzheim die lange Spielpause verkraften konnte – das Viertelfinale in Berlin bot für den TVP einige Punkte zum Grübeln. Aber ein früher Versuch von Russell Ngamarama Kupa nebst erfolgreicher Erhöhung durch Kicker Jeremy te Huia zeigte nach sechs Minuten bereits an, dass die Pforzheimer alle Nervosität mit Spielbeginn abgelegt hatten.

Zwei weitere Versuche von Marlen Walker (Erhöhung te Huia) und Rob May sowie zwei verwandelte Straftritte von te Huia klärten zur Halbzeitpause die Fronten. In der vergangenen Saison waren alle Berliner Rugbyclubs in der damals noch eingleisigen Bundesliga die Punktelieferanten für die anderen Teams. Das hatte sich in dieser Saison geändert.

Der BRC wartete mit einigen Verstärkungen auf, forderte den TVP auch in einem physisch harten Spiel, konnte am Ende jedoch der mannschaftlichen Geschlossenheit und individuellen Klasse der Pforzheimer nicht viel Zählbares entgegensetzen. Die Berliner kamen nur zu einem erhöhten Versuch, während beim TVP Rob May noch zweimal das Lederei im gegnerischen Malfeld ablegte und Timo Vollenkemper einen Versuch erzielte. Dreimal konnte te Huia erhöhen und einen weiteren Straftritt in Punkte verwandeln.

Der 49:7-Sieg der Pforzheimer war letztlich zu erwarten gewesen. Mit zunehmender Spieldauer setzte sich die körperliche Stärke der TVP-Rugbyspieler durch. Ein ums andere Mal wurden die Berliner ins eigene Malfeld geschoben, so dass sich ein Pforzheimer für den Versuch nur noch auf den Ball werfen musste.

Einziger Wermutstropfen beim erfolgreichen Berlin-Ausflug: Der TVP muss im Halbfinale auf Josh Fisiiahi verzichten. Er hatte nach einer zweifelhaften Aktion – es könnte nach Aussagen von Mitspielern ein Kopfstoß oder ein Schlag gewesen sein – einen Jochbeinbruch erlitten. Keiner hat in dieser Saison so viele Versuche für den TVP gelegt wie Fisiiahi.

Jetzt muss Spielertrainer John Willis bis zum kommenden Samstag sein Team so umplanen, dass der TVP dem amtierenden deutschen Meister Heidelberger RK Paroli bieten kann. Der HRK ist in dieser Saison bislang noch ungeschlagen. Damit wird das Halbfinale 2013 (Spielbeginn: 14 Uhr) zur Wiederholung des DM-Finales von 2012, in dem der TVP in seinem ersten Bundesliga-Jahr mit 16:20 etwas unglücklich den Kürzeren zog.

Sollten die Pforzheimer mit einer Ausnahmeleistung die Sensation gegen den HRK schaffen, müssten sie im Finale gegen SC Neuenheim oder RG Heidelberg antreten, die das zweite Halbfinale am kommenden Samstag, 16 Uhr, ausspielen.

Viertelfinale der Rugby-DM

Berliner Rugby Club

7:49

TV Pforzheim

SC Neuenheim

36:10

RK 03 Berlin

Hannover 78

7:13

RG Heidelberg

Heidelberger RK

66:0

SC Frankfurt 1880

 

Halbfinale der Rugby-DM

Heidelberger RK - TV Pforzheim

Sa., 1. Juni, 14:00 Uhr

SC Neuenheim – RG Heidelberg

Sa., 1. Juni, 16:00 Uhr

Im Halbfinale um die deutsche Rugbymeisterschaft sind – fast war es zu erwarten - die Top-4 aus der Bundesliga Süd und der Meisterrunde Süd/West unter sich. Lediglich Hannover 78 aus der Bundesliga Nord stand beim 7:13 gegen die RG Heidelberg kurz davor, ins Halbfinale einzuziehen.

Im Grunde genommen spielten die anderen drei Bundesligen West, Nord und Ost keine echte Rolle im Rennen um die Meisterschaft. Zu groß ist das Leistungsgefälle, zu viele Vereine hat man in die erweiterte Bundesliga gezogen. Wenn so ein plötzlich erstklassig gewordener Verein nur noch dreistellige Klatschen gegen in allen Belangen überlegene Teams einfährt, dann ist das weder für die Moral der Spieler noch für die auf ein gutes Spiel hoffenden Fans besonders hilfreich. Und die Geschichte mit der Punkteübernahme von den vier einfach gespielten Bundesligen in die zwei, jeweils mit Hin- und Rückrunde ausgetragenen Meisterrunden ist auch nicht gerade ein Musterbeispiel für einen transparenten Erstligamodus.

Da wollte man Rugby populärer machen, das Bundesliga-Gefühl breiter streuen, und hat dann doch nur eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen. Am Ende wollte wohl kein Rugbyfan mehr noch ein weiteres 100:0 sehen. Da verwundert es nicht, dass drei Teams aus den Bundesligen Ost und Nord den echten Sportsgeist vermissen ließen und im Achtelfinale gar nicht erst angetreten sind.

Auf der anderen Seite hielten sich durch die viergeteilte Bundesliga und die zweigeteilte Meisterrunde die Fahrtkosten für die Vereine und die Zeitaufwände für die in aller Regel nebenher arbeitenden oder studierenden Spieler in Grenzen. Bei einem Mannschaftssport, der nicht vom großen Füllhorn der Fernsehvermarktung profitiert und auch sonst immer um Sponsoren kämpfen muss, mag dieses Einsparpotenzial ja in gewissem Maße hilfreich sein, für den Rugbysport im Ganzen taugt der 2012 eingeführte Modus zur Ermittlung des deutschen Meisters eher nicht.