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So hört sich ein Sieg an: Fußballfans auf den Straßen und ein Autokorso durch die City. © Ketterl
26.06.2014

6000 Fans im Enzauenpark, 200 Autos im Korso um die City

Wie weiß man, wie ein Spiel bei der Fußball-WM ausgegangen ist? Man schaut Fernsehen oder verfolgt den Live-Ticker auf PZ-news. Oder man wohnt in der Innenstadt und öffnet ein Fenster. Man muss dabei nicht einmal etwas sehen können, es genügt schon ein gutes Gehör. Und bei dieser WM war schnell herauszuhören, dass etliche europäische Teams vorzeitig die Segel streichen mussten. Für diesen Ergebnis-Erkenntnis-Trick gibt es ein Zauberwort.

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"Korso" heißt der Schlüssel zum Ergebnis-Hören. Die Portugiesen zum Beispiel erkennt man am Trommeln. Der Trommelzug nähert sich langsam der City, wird immer lauter. Vorausgesetzt, Portugal gewinnt. Bei dieser WM blieben die Trommeln stumm. Beispiel Spanien: Bei der letzten WM ging es richtig rund. Da müssen gefühlte Hunderte von Autos ihren Tank beim Umrunden der Innenstadt leer gefahren haben. Jetzt machten die Tankstellen kein Geschäft mit den spanischen Autofahrern. Gleiches gilt für die Italiener, die bei der Fußball-EM noch munter „Italia, Italia“ skandierten und jetzt früh verstummten.

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Das heißt: Ist zum Beispiel ein Italien-Spiel angesagt, ohne dass es ein Massenkonzert von Fiat- und Lancia-Hupen gibt, hat die Elf um Superstar Pirlo das Spiel verloren. Spielt Portugal nur 2:2 gegen die USA und muss schon mit dem Ausscheiden rechnen, bleibt das Trommeln aus und allenfalls vereinzelt wagt ein untypisch am Fußball interessierter Ami mal ganz vorsichtig das Signalhorn seines Automatikschlittens zu betätigen.

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Ähnlich funktionierte es auch mit Kroatien und Russland. Verlieren beide Teams, hört man auf den Straßen allenfalls ein aggressives Gasgeben aus tiefergelegten Kisten. Statt im Kreis zu fahren scheint jeder die Flucht aus der Innenstadt zu suchen. Irgendwo jenseits der City wartet wohl ein Slibowitz oder ein Wodka zum Trösten.

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Als es mal etwas lauter wurde, war klar: Die Griechen sind eine Runde weiter. Ob es nach dem Achtelfinalspiel gegen Costa Rica noch einmal etwas lauter wird? Gewinnen die Mittelamerikaner dürfte es wieder ruhig in der Innenstadt bleiben.

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Bosnien-Herzegowina – das war nur ein bisschen laut, wobei einzelne Huper zu später Stunde manchmal nervtötender sind als ein Dutzend Dauerhuper mit einem permanentem Geräuschpegel. Engländer hatten keinen Grund, auf die Hupe zu drücken. Franzosen und Niederländer durften dagegen laut werden, aber in Pforzheim bilden sie eher eine exotische und daher kaum zu höende Minderheit. So richtig leise war es auch, weil die Türken nicht bei der WM mitspielen durften. Das schont die Ohren und fördert die Nachtruhe.

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Laut wurde es dagegen bei Spielen der deutschen Fußballnationalmannschaft, wobei früher der Autokorso länger zu fahren schien. So richtig rund aber geht es nach wie vor bei den Public-Viewings. Nach Polizeiangaben haben rund 6000 Fußball-Fans den mageren 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA live im Enzauenpark verfolgt. Während es in der ersten Halbzeit verhalten zuging, war die Stimmung nach dem Schlusspfiff ausgelassen. Gut besucht war auch das Public-Viewing an der Hochschule Pforzheim.

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Und spätestens als die hupende Fan-Karawane mit zeitweise 200 Autos durch die Innenstadt rollte, konnte jeder Innenstadtbewohner heraushören, dass Deutschland im Achtelfinale der Fußball-WM ist.

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