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Erich Hägele
Erich Hägele
Nach 54 Jahren Mitgliedschaft hofft Erich Hägele nun darauf, als Mitglied im VfB-Beirat die Rolle eines Kreativspielers übernehmen zu können.
Nach 54 Jahren Mitgliedschaft hofft Erich Hägele nun darauf, als Mitglied im VfB-Beirat die Rolle eines Kreativspielers übernehmen zu können.
01.12.2017

73-jähriger Erich Hägele will Platz im neuen Beirat des VfB Stuttgart.

Beim VfB Stuttgart ist die Erneuerung in vollem Gang – im Hintergrund genauso wie auf dem Rasen. Nachdem vor gut einem Jahr Wolfgang Dietrich zum Präsidenten gewählt worden ist und die Mitglieder am 1. Juni Grünes Licht für die Ausgliederung der Profi-Abteilung gegeben haben, ist nun am Sonntag eine ruhige ordentliche Mitgliederversammlung zu erwarten.

Allerdings geht der Fußball-Bundesligist dann die im Sommer ebenfalls beschlossene Modernisierung seiner Gremien an. Um einen von insgesamt neun Plätzen im neuen Vereinsbeirat bewirbt sich Erich Hägele, der Vorsitzende des Instituts für Sportgeschichte Baden-Württemberg in Maulbronn. „Beim VfB ist das für mich die erste demokratischen Wahl“, sagt Hägele gar. Der Hintergrund: Die alten Strukturen hatten den Mitgliedern nur die Chance gegeben, Personalfragen abzunicken.

Sein Leben lang hat der inzwischen 73-jährige Hägele den VfB begleitet – und insbesondere seit dem überraschenden Gewinn der deutschen Meisterschaft 2007 oft kein Blatt vor den Mund genommen. Aufgrund seiner kritischen Haltung wolle er nun Verantwortung übernehmen – nach einer Amtszeit von vier Jahren aber einem Jüngeren Platz machen.

Der VfB als Leuchtturm der Region, das ist Hägeles Vision. Nicht nur auf dem Rasen soll sein Herzensverein eine bedeutende Rolle spielen. „Mir geht es darum, dass der VfB gesellschaftlich noch mehr Anerkennung findet.“ Zugriff auf die Profis hat der neue Beirat, der Aufsichts- und Ehrenrat ablösen wird, ohnehin nicht.

Borussia Dortmund als gut aufgestellten und sportlich über die Jahre recht erfolgreichen Club im strukturschwachen Ruhrgebiet dürfe sich der VfB zum Vorbild nehmen, meint Hägele. Wichtig wäre ihm, dass Mitglieder künftig Anteile erwerben können – der BVB bietet diese Möglichkeit schon. Imponierend findet Hägele auch, dass die Borussia ein Frauen-Team in der Handball-Bundesliga hat. Bei seinem VfB vermisst er eine Frauenfußball-Abteilung sehr. Und geht es nach ihm, wird dem Beirat eine Frau angehören. Diese Quoten-Erwägung ist bemerkenswert, da Hägele im Bereich „Mitglieder und Fans“ für einen von drei Plätzen kandidiert und von fünf Konkurrenten immerhin zwei weiblich sind.

Der frühere Direktionsbeauftragte einer Bausparkasse trägt nicht nur einen schwäbischen Namen, sondern ist Lokalpatriot, aber einer, der über den Tellerrand schaut, und beseelt ist von der Idee, immer wieder Neues anzustoßen. Als Tüftler sieht er sich weniger, „eher als Cleverle“.

Bekenntnis zur Historie gefragt

Überzeugt ist Hägele davon, dass ein VfB-Museum überfällig ist. Nur einen Steinwurf entfernt von der Arena zeigt das Beispiel Mercedes-Museum, wie viel Zugkraft die Tradition einer Marke hat. Hägele hat gehört, dass ein Teil dieser Ausstellungsstätte 2018 dem VfB zur Verfügung steht, der dann sein 125-jähriges Bestehen feiert. Für das vielfältig engagierte CDU-Mitglied aus Ludwigsburg wäre dies aber nur der erste Schritt. Langfristig müsse auch beim VfB ein Museum im Stadion her – was der Meister FC Bayern und viele andere deutsche und internationale Clubs längst haben. „Das rechnet sich“, betont Hägele.

Er kann als Hansdampf in allen Gassen gelten, nicht erst seit er eine Katalanin geheiratet und eine Dauerkarte des FC Barcelona erhalten hat. Ein Champions-League-Comeback der Schwaben fände Hägele toll. Für einen Träumer möchte er nicht gehalten werden, doch er glaubt, an eine neue Titelchance des VfB. Wenn im Positiven alles zusammenkomme, werde Stuttgart gar innerhalb der nächsten vier Jahre zum sechsten Mal Meister, meint Hägele.