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Oh je, VfB: Die Stuttgarter Spieler stellen sich nach der 1:3-Niederlage in Wolfsburg, die den Abstieg besiegelt, den mitgereisten Fans. Baumann (1), Steffen (3)
Oh je, VfB: Die Stuttgarter Spieler stellen sich nach der 1:3-Niederlage in Wolfsburg, die den Abstieg besiegelt, den mitgereisten Fans. Baumann (1), Steffen (3)
Die VfB-Anhänger fordern einen neuen Vorstand.
Die VfB-Anhänger fordern einen neuen Vorstand.
Am Boden liegt nach dem Abstieg der VfB samt Timo Baumgartl.
Am Boden liegt nach dem Abstieg der VfB samt Timo Baumgartl.
Die Enttäuschung steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Stuttgarts Filip Kostic, Trainer Jürgen Kramny, Daniel Didavi und Christian Gentner (von links).
Die Enttäuschung steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Stuttgarts Filip Kostic, Trainer Jürgen Kramny, Daniel Didavi und Christian Gentner (von links).
16.05.2016

75 Gegentore, 33 Punkte: Der VfB Stuttgart steigt in die 2. Bundesliga ab

Es war eine groteske Situation. In den Katakomben des Wolfsburger Stadions war auf den Monitoren eben noch zu sehen, wie der FC Bayern seinen vierten Meistertitel in Folge mit den obligatorischen Bierduschen feierte, als die Verantwortlichen des VfB Stuttgart mühsam nach Erklärungen für den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga und dessen Konsequenzen suchten.

Ihr da oben – wir da unten. Der VfB ist nur noch zweitklassig. Eine ganze Region trägt Trauer.

Nach der Schockstarre unmittelbar nach dem 1:3 in Wolfsburg begann einen Tag später das Großreinemachen. Präsident Bernd Wahler, zog nach einem „ganz schwarzen Tag in der Vereinsgeschichte“ die Konsequenzen und erklärte seinen Rücktritt. Kurz davor war Trainer Jürgen Kramny entlassen worden. Wahler hatte sich zuletzt für die Ausgliederung der Profiabteilung eingesetzt, über die auf der Mitgliederversammlung abgestimmt werden sollte. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Bis auf weiteres führen die Vorstände Jochen Röttgermann (Marketing) und Stefan Heim (Finanzen) die Clubgeschäfte.

Bis Ende Mai soll ein Termin für eine ordentliche Mitgliederversammlung bekanntgegeben werden, auf der ein neuer Präsident gewählt wird. Dafür wird der Vorstand den Mitgliedern ein bis zwei Kandidaten vorschlagen. Auch die Mitglieder selbst können Kandidaten aufstellen. Als möglicher Kandidat wird Aufsichtsratsmitglied Hartmut Jenner gehandelt. Möglicherweise hat auch Karl Allgöwer Chancen.

Robin Dutt darf vorerst bleiben. Medienberichten zufolge soll sich der Aufsichtsrat nicht einig sein, ob der Sportvorstand sein Amt weiter ausüben soll. Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer will angeblich an Dutt festhalten, Jenner soll sich für eine Trennung ausgesprochen haben.

An einen Rücktritt denkt Dutt jedenfalls nicht. „Das würde ich nur dann tun, wenn ich mich alleine fühle. Wenn die Sache stimmt, natürlich nicht. Ich bin ein Kämpfer“, erklärte er. Am Sonntagabend wählte Dutt die Taktik der Vorwärtsverteidigung und machte in der SWR-Sendung „Sport im Dritten“ Werbung in eigener Sache. „Der VfB ist die letzten vier, fünf Jahre immer kontinuierlich weiter an den Abgrund gekommen“, sagte er. Dutt kämpft um seinen Job in Stuttgart – wohl wissend, dass es möglicherweise seine letzte Chance im Profifußball ist. „Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen schon einige Fragen beantworten müssen. Die erste Frage wird natürlich sein, welchen Teil der Verantwortung ich habe“, kommentierte der 51-Jährige – und ergänzte: „Ich bin der einzige, der in der operativen Führung Bundesligaerfahrung hat. Da werden wir sicher überlegen müssen, ob das nicht zu wenig ist.“ Aufsichtsratschef Schäfer hat im Rahmen der Aufarbeitung des Absturzes in die Zweitklassigkeit weitere Maßnahmen angekündigt. Diese könnten letztlich auch Dutt den Job kosten.

Schnelle Entscheidungen nötig

Sollte im Aufsichtsrat der Daumen für Dutt nach unten gehen, müsste auch dessen Posten neu besetzt werden. Spekuliert wird bereits darüber, ob Horst Heldt, dessen Vertrag bei Schalke 04 nicht verlängert wurde und der mit dem VfB als Manager 2007 deutscher Meister wurde, zurückkommt. Auch die Ex-VfB-Spieler Thomas Hitzlsperger und Jens Lehmann wurden genannt. Eine Entscheidung muss bald fallen, denn die neue Saison in der 2. Bundesliga beginnt bereits am 5. August.

Diese soll – muss – besser werden als die abgelaufene Erstligarunde. 75 Gegentore sprechen eine deutliche Sprache. Die Abwehr war die Achillesferse der Stuttgarter. Der Abgang von Antonio Rüdiger vor der Saison spülte zwar viel Geld in die Kasse, die sportliche Qualität jedoch litt. Egal, welches Personal Alexander Zorniger oder sein Nachfolger Jürgen Kramny in der Abwehrzentrale aufboten, irgendeiner patzte immer.

Kramny, der die Mannschaft im November vergangenen Jahres übernommen hatte, wurde am Sonntagvormittag entlassen. Ab 30. Juni greift wieder sein Vertrag für die zweite Mannschaft, die in die Regionalliga abgestiegen ist. Ob der 44-Jährige dies in Anspruch nehmen wird, ist ungewiss. Als Nachfolger waren bereits vor dem Saisonfinale Alois Schwartz vom SV Sandhausen und Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim gehandelt worden. Auch der ehemalige Hoffenheimer Coach Markus Gisdol ist im Gespräch.