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Anton Fink lieferte das 3:3 für den KSC.  Foto: dpa/Archiv 

Achterbahnfahrt wirkt nach: Nach 3:3 in Bochum ärgert sich der KSC über die Unparteiischen

Karlsruhe. Beim VfL Bochum könne man durchaus gewinnen, aber natürlich auch verlieren, hatte Oliver Kreuzer, der Sportdirektor des Karlsruher SC, vor dem Spiel am vergangenen Sonntag gesagt. Herausgekommen ist nach einer für beide Mannschaften emotionalen Achterbahnfahrt ein 3:3.

Nachdem der insgesamt schwache Schiedsrichter Nicolas Winter sein zweites Fußball-Zweitligaspiel abgepfiffen hatte, fühlte sich das Ergebnis für Alois Schwartz „wie ein Sieg“ an, wie der Karlsruher Cheftrainer am Morgen danach sagte. Den seit der 31. Minute mit 2:3 zurückliegenden Badenern hatte Anton Fink erst in der Nachspielzeit (90.+1) den Ausgleich beschert.

Angesichts der Widrigkeiten, die der KSC vor knapp 15.000 Zuschauern im Ruhrstadion wegstecken und überwinden musste, um zum fünften Mal hintereinander ungeschlagen zu bleiben, sprach Schwartz seinen Schützlingen, die insgesamt 78 Minuten zu zehnt spielten, umgehend „ein riesen Kompliment“ aus. Nach etwas mehr als einer halben Stunde hatte nicht mehr viel für einen Teilerfolg oder sogar mehr gesprochen.

Der KSC lag zwar durch den siebten Saisontreffer von Philipp Hofmann in Führung (8.), doch praktisch postwendend sorgte Saulo Decarli für das 1:1 (10.). Kurz darauf verhinderte bei einem weiteren Kopfball von Hofmann nur der Bochumer Außenpfosten eine erneute Führung der Gäste (11.). Nach einer Viertelstunde verstolperte Kyoung-Rok Choi eine weitere Karlsruher Chance.

„Wir waren sehr gut im Spiel, präsent, griffig und gut organisiert“, stellte Schwartz rückblickend fest. Der KSC-Trainer vermutete: „Wenn wir hätten zu elft weiter- und fertigspielen können, hätten wir – das ist natürlich hypothetisch – den Platz wahrscheinlich als Sieger verlassen.“

Bochumer Doppelschlag

Tatsächlich löste sich die Zuversicht der Blau-Weißen nach und nach in Luft auf. Dafür sorgte zunächst das Schiedsrichtergespann mit einer, so Schwartz, „unberechtigten“ Ampelkarte gegen Lukas Fröde (17.). Trotz Unterzahl ging der KSC durch Kyoung-Rok Choi (21.) aber ein zweites Mal in Führung. Der nächste Nackenschlag für die Badener kam von Video-Assistent Benjamin Brand. Er meldete eine Szene an den Unparteiischen (Schwartz: „Wenn er das sieht, dann muss er auch sehen, dass vorher zwei Bochumer einen Meter im Abseits stehen“), nach deren Sichtung Nicolas Winter Foulelfmeter für den VfL gab. Danny Blum erzielte so das 2:2 (29.). Nun war Bochum obenauf und legte durch Cristian Gamboa das 3:2 nach (31.).

Schwacher Lorenz-Elfmeter

Einen weiteren psychologischen Tiefschlag brachte sich der KSC kurz nach dem Seitenwechsel selbst bei. Marc Lorenz scheiterte mit einem schwach geschossenen Foulelfmeter an Bochums Schlussmann Manuel Riemann (49.), „und das Spiel war eigentlich gelaufen“, räumte Schwartz ein.

Da bei den Hausherren jedoch Mittelstürmer Silvère Ganvoula zwei gute Chancen nicht nutzen konnte (76. und 89.), blieb ein Zähler in Reichweite der KSCler. Deren Trainer hatte zuvor schon in der Defensive auf einen Dreierkette umgestellt und ließ schließlich praktisch nur noch zwei Mann verteidigen, weil Schwartz in der 89. Minute sein letzten Ass aus dem Ärmel zog: Anton Fink. „Toni“ kam, sah und traf.

„Das wiederum, hat natürlich Freude gemacht“, konnte der KSC-Coach dem Spielverlauf noch etwas Positives abgewinnen. Zuvor war Schwartz schier verzweifelt: „Der Schiri hat so Einfluss auf unsere Arbeit genommen – das war eine Katastrophe. Solche Entscheidungen ziehen dir alle Energie raus.“