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Die Entdeckung beim VfB Stuttgart: Adam Hlousek (rechts), der aufs Abstellgleis zu geraten schien, brilliert plötzlich als Innenverteidiger. Foto: dpa
Die Entdeckung beim VfB Stuttgart: Adam Hlousek (rechts), der aufs Abstellgleis zu geraten schien, brilliert plötzlich als Innenverteidiger. Foto: dpa
03.08.2015

Adam Hlousek nutzt seine neue Chance beim VfB Stuttgart

„Seit acht Wochen suche ich ganz Europa nach Innenverteidigern ab“, sagt Robin Dutt. „Wenn ich so einen gefunden hätte, hätte ich ihn geholt.“ Der Sportvorstand des VfB Stuttgart spricht nach dem bemerkenswerten 4:2-Testspielsieg des Fußball-Bundesligisten gegen Manchester City über Adam Hlousek. Der 26-Jährige, den einige Fans schon gerne und allzu naheliegend als „Luschek“ bezeichneten, ist bei den Stuttgartern die Entdeckung der Vorbereitung.

Der gelernte Außenverteidiger gab gegen ManCity einen hervorragenden Innenverteidiger. Eine Position, die er „wahrscheinlich zuletzt als Kind auf einem Bolzplatz in Tschechien gespielt hat“, wie Dutt gut gelaunt anmerkt.

Hlousek bestätigt, dass er Neuland betritt: „Bis ich 18 Jahre alt war, habe ich Stürmer gespielt. Ich bin dann immer weiter nach hinten gewandert, aber als Innenverteidiger war das mein viertes Spiel.“ Allesamt in der Vorbereitung auf die am Samstag mit dem DFB-Pokal-Auftritt bei Holstein Kiel beginnende neue Saison. Und als ob er es selbst noch nicht recht glauben kann, fügt Hlousek mit einem schiefen Grinsen und einem leichten Kopfschütteln hinzu: „Jetzt bin ich Innenverteidiger.“

Der Hüne mit den geschorenen Haaren war bei seinen Aussagen deutlich weniger fröhlich als der Sportvorstand. Die Erfahrungen des vergangenen halben Jahres haben ihn Demut gelehrt: Im wichtigen Abstiegsduell gegen den SC Freiburg Ende April (2:2) unterliefen ihm zwei Fehler – erst verschuldete er einen Strafstoß, dann sah er Gelb-Rot. „Danach habe ich nicht mehr gespielt. Es war klar, dass die Fans auf mich sauer waren“, berichtet er. „So schnell geht es im Fußballgeschäft.“

Im Sommer wechselte zwar Gotoku Sakai zum Hamburger SV , doch es kamen auch zwei Innenverteidiger: Emiliano Insua und Philip Heise. So war Hlousek auf seiner angestammten Position plötzlich nur noch die Nummer drei. „Wenn neue Spieler kommen, haben sie einen Vorteil. Es war eine schwere Zeit“, erklärt er.

Gleichzeitig aber hatte der neue Trainer Alexander Zorniger in der Innenverteidigung ein Problem: Antonio Rüdiger war erst auf dem Sprung, dann verletzt, von Georg Niedermeier und Daniel Schwaab war er nicht richtig überzeugt. Blieb nur noch der 19-jährige Timo Baumgartl. Und Hlousek, der als Reaktion auf seine schwierige Situation im Heimaturlaub Extraschichten schob und sich anschließend im Training reinhängte. „Der Mann hat eine unglaubliche Berufsauffassung“, sagt Zorniger. Und: „Das ist ein brutales Zeichen an die Mannschaft: Wer bei mir Gas gibt, spielt.“ Zumal, wenn er es so gut macht. „Er hat kein Sprintduell verloren und sein linker Fuß ist im Aufbauspiel nicht unwichtig“, lobt Zorniger. Tatsächlich war der Tscheche – gegen eine der besten Mannschaften Europas – sehr lauf- und zweikampfstark und hatte ein für einen Neuling auf dieser Position erstaunlich gutes Stellungsspiel. Dutt hat die Suche nach einem weiteren Innenverteidiger noch nicht eingestellt, aber sucht nur noch mit halber Kraft.

Hlousek ist nun erst einmal froh, dass er wieder einen Platz im Team gefunden hat. „Ich spiele da, wo ich der Mannschaft helfen kann“, sagt er bescheiden. Obwohl er durchaus Gefallen an der Zentrale gefunden hat: „Da hat man das Spiel mehr vor sich.“ Aber weil er weiß, wie schnell es im Fußball gehen kann, fügt er noch hinzu: „Jetzt liegt die ganze Saison vor uns. Das ist für mich noch kein Sieg.“