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Lang ist`s her: 1996 zog der Karlsruher SC mit Sergej Kirjakow (links) durch ein 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf ins DFB-Pokalfinale ein. Foto: DPA-Archiv
Lang ist`s her: 1996 zog der Karlsruher SC mit Sergej Kirjakow (links) durch ein 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf ins DFB-Pokalfinale ein. Foto: DPA-Archiv
Beim Besuch in der alten Heimat traf Sergej Kirjakow (rechts) Bekannte wie Viktor Göhring. Foto: Putzing
Beim Besuch in der alten Heimat traf Sergej Kirjakow (rechts) Bekannte wie Viktor Göhring. Foto: Putzing
22.06.2017

Als wäre „Kiki“ nie weggewesen: Kirjakow-Visite in Karlsruhe

Nach etlichen Jahren hat Sergej „Kiki“ Kirjakow, einstiger Liebling der KSC-Fans, Karlsruhe wieder einmal besucht. Der 47 Jahre alte, ehemalige russische Nationalspieler, der den KSC nach dem Bundesliga-Abstieg 1998 verließ, schlenderte dieser Tage mit seiner Ehefrau Lena durch die Fächerstadt. Sie sahen das Schloss, den Ludwigsplatz, die Pyramide. Dann führte der Weg des Dribbelkönigs zum Fanshop in die Kaiserpassage: „Ich wollte für Slava, meinen ältesten Sohn, ein Trikot kaufen. Der ist absoluter KSC Fan.“ Kirjakow-Trikots sind allerdings nicht mehr zu haben.

Sohn Slava spielt in der Jugend von Zenit St. Petersburg. Der 17-Jährige wurde schon zwei Mal zum besten Mittelfeldspieler seines Jahrganges gewählt. „Er macht zwischendurch verrückte, tolle Dinge“, sagt „Kiki“ lächelnd und denkt dabei wohl an seine verrückten Dribbeleinlagen, die die Fußballfans immer wieder mit der Zunge schnalzen ließen. Ist sogar ein Wechsel von Kirjakow junior in den Wildpark möglich? „Na ja, abwarten“, meint sein Vater zurückhaltend. Zusammen mit Lena, die als Model immer wieder die Titelseiten russischer Zeitschriften ziert, hat er auch noch eine Tochter.

Beim Spaziergang durch Karlsruhe blieb der einstige filigrane Fußballtechniker nicht unerkannt. Er wurde um Selfies und Autogramme gebeten: „Das hat Spaß gemacht.“ Familie Kirjakow lebt er in St. Petersburg, „Aber ich bin oft in Deutschland. Wenn ich will, setze ich mich in den Flieger und nach zwei Stunden bin ich da. Ich habe noch eine Wohnung in Berlin.“ Für den KSC hatte er es in 185 Einsätzen auf 36 Treffer gebracht und 20 Tore vorbereitet. In Deutschland spielte er dann auch noch für den Hamburger SV und für Tennis Borussia Berlin und erwarb dann noch B- und A-Trainerschein, ehe er in Russland die Ausbildung zum Fußballlehrer absolvierte.

Derzeit Trainer ohne Team

Zunächst trainierte er Russlands U 21, Ende 2016 übernahm er den Erstligisten Arsenal Tula, rettete das Team vor dem Abstieg – und kündige. „Ich wollte nicht noch einmal gegen den Abstieg spielen, ich will mehr erreichen. Dazu wollte ich Verstärkungen haben. Das wurde mir nicht zugesagt, also habe ich die Konsequenzen gezogen“, erklärt Kirjakow. Prompt meldeten sich einige Clubs bei ihm. Auch aus Deutschland? „Ich bin für alles offen“, sagt er und lächelt verschmitzt.

Über den deutschen Fußball ist er informiert. „So weit es geht, verfolge ich die Bundesliga. Aber ich muss auch zugeben: Wenn man als Trainer in der Verantwortung steht, dann denkt man Tag und Nacht nur an das eigene Team. Dann arbeitet man viel, hat kaum Zeit, sich um anderes zu kümmern.“

Viel gearbeitet hatte er als Spieler eher selten. Kirjakow galt als „schlampiges Genie“, war nicht immer auf den Fußball fokussiert. Als Trainer ist er anders. „Ich arbeite sehr, sehr viel. Ich habe vor meinem ersten Engagement als Trainer nicht gedacht, dass dieser Job so schwer ist. Der Druck ist groß, ich schlafe manchmal nur drei, vier Stunden, weil ich immer an die Mannschaft denke, daran das Team zu verbessern.“ Als Spieler sei ihm einiges zugeflogen, „jetzt muss ich mir vieles hart erarbeiten.“

Zum Confed-Cup meint er, dass das Interesse in Russland groß ist. Den Deutschen traut er Einiges zu: „Deutschland hat mit jeder Mannschaft eine Siegchance. Im Kader stehen Stammspieler aus der Bundesliga. das ist dann logischerweise eine starke Mannschaft.“ Portugal sehe er vorne. Den Russen traue er auch etwas zu, aber sie müssten ihre Abwehrprobleme in den Griff bekommen.