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Spaß im Training und vielleicht auch bald in den Bundesliga-Spielen: (von links) die sportliche Leiterin der SG TV/CfR Pforzheim, Tina Schucker, Teammanager Christian Albrich, Sturm-Trainer Israel Teremoana und SG-Coach Fabian Broughton, der von 2009 bis 2012 bereits als Spieler beim TV Pforzheim aktiv war. Foto: Kurtz

Alter Bekannter ist neuer Rugbycoach – SG TV/CfR Pforzheim will in der Bundesliga neu durchstarten

Pforzheim. Deutscher Meister in 2016, DRV-Pokalsieger in 2017 – und 2019 im Relegationsspiel gerade noch den Abstieg aus der Rugby-Bundesliga vermieden. Erstmals nach dem Aufstieg in 2011 waren die Pforzheimer nicht unter den Top-3-Teams. Auflösungstendenzen bei der SG TV/CfR Pforzheim?

Erfolgstrainer John Willis hat sich verabschiedet, um in Neuseeland wieder als Zimmermann zu arbeiten, viele Stammspieler hat es zu anderen Clubs oder zurück in die Heimat gezogen. Letzteres ist aber typisch für das in diesem Jahrzehnt vom Erfolg verwöhnte Team und war stets die Hauptaufgabe des Pforzheimer Trainers. Das ist beim neuen SG-Coach Fabian Broughton nicht anders.

Broughton setzt auf Spielfreude

Er muss jetzt möglichst schnell aus vielen neuen Spielern eine Einheit formen. Saisonstart ist schon am kommenden Samstag beim RC Luxemburg – das Team, das im Mai erstmals die Pforzheimer mit 31:24 besiegen und sich in der Tabelle vor der SG platzieren konnte.

Broughton ist kein Unbekannter. Von 2009 bis 2012 half er als Spieler, den TV Pforzheim im Eiltempo von der Regionalliga in die Bundesliga zu führen. Jetzt will er als Spielertrainer die SG im Rugby-Oberhaus halten. Mitgebracht aus Neuseeland hat er Israel Teremoana, der dem Pforzheimer Sturm Standfestigkeit verleihen und die starken Männer trainieren soll. Die neuen Spieler kommen zumeist aus Neuseeland und Samoa.

Wie ergibt sich daraus ein mannschaftlich geschlossen auftretendes Team? „Wir wollen positiv sein, nichts Negatives auftauchen lassen, jeder soll jeden aufbauen – und daraus wollen wir eine Spielfreude entwickeln, die dann auch zu einer Routine in den Spielabläufen führt“, sagt Broughton. Den Sommer über auf dem Vereinsgelände haben die Spieler aus Simbabwe trainiert, Tafadzwa Chitokwindo, Josh Gando und Antipas Kamkwindo. Der SG treu geblieben sind Stammspieler wie Ali Sürer, Kelvin de Bruyn, Ben Bailey und Ryan Buchanan.

Gute Stimmung und Zuversicht

Das erste Saisonspiel beim RC Luxemburg wird zeigen, wie stark die SG ist. Ein oder zwei Bonuspunkte wären passabel. Eine Woche darauf beim Heimspiel gegen Meister SC Frankfurt 1880 dürfte es schwer werden, Zählbares zu ergattern.

Nationalspielerin Tina Schucker hat nach der Umstrukturierung der Vereinsaufgaben unter dem Dach der Interessengemeinschaft „Rugby Pforzheim“ die sportliche Leitung der SG übernommen. „Wir werden sehen, wie schnell sich das Team zusammenfindet. Es gibt leider nur eine kurze Trainingsphase. Wir wollen aber nicht um den Abstieg spielen“, gibt sie als Ziel aus.

Christian Albrich, verantwortlich für die Herrenteams, erklärt: „Die Stimmung im Team ist super, die Zuversicht ist da, etwas bewegen zu können.“ Ludwig Martin, bei dem alle Fäden von „Rugby Pforzheim“ zusammenlaufen, sagt dazu: „Wir wollen in Zukunft in unserem Topteam je ein Drittel Spieler aus Pforzheim, aus der weiteren Region und aus dem Ausland haben, um so unserer eigenen Jugend Perspektiven zu geben.“

Der langjährige Teammanager Jens Poff ergänzt: „Mit Fabian Broughton haben wir einen Trainer gefunden, der bereits erfolgreich Jugend- und Schularbeit in Pforzheim gemacht hat und gemeinsam mit unserem neuen Jugend-Koordinator Christian Albrich hier den nächsten Schritt gehen soll“, sagt Jens Poff.

Mit John Willis deutsche Meistertitel gesammelt

Der sportliche Erfolg des TV Pforzheim in der Rugby-Bundesliga ist eng verbunden mit dem Namen John Willis. Der 1978 geborene Neuseeländer kam 2012 als Spielertrainer zum ein Jahr zuvor in die Bundesliga aufgestiegenen TVP. Jetzt zieht es ihn zurück in seine Heimat, wo er wieder als Zimmermann arbeiten wird. In seiner Zeit als Coach kam der TVP fünf Mal ins Rugby-Finale der Deutschen Meisterschaft, wobei er 2016 den Titel gewinnen konnte. Fünf Mal wurde er mit seinem Team Vizemeister bei der 7er-Rugby-DM, wo die Pforzheimer 2012 den ersten Meistertitel holten. 2017 konnte Willis erstmals den DRV-Pokal in Händen halten. Sogar einen internationalen Titel konnte er mitnehmen: Er führte den TVP 2014 zum Titel im Nordsee-Cup. Was hat er in Pforzheim lieben gelernt? „Kristallweizen. Hoffentlich gibt es das jetzt in Neuseeland“, lacht Willis.

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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