nach oben

VfB Stuttgart

VfB-Fans befestigten beim Trainingsauftakt ein Transparent an den Zaun. Foto: dpa
VfB-Fans befestigten beim Trainingsauftakt ein Transparent an den Zaun. Foto: dpa
In der Kritik: Wolfgang Dietrich. Foto: dpa
In der Kritik: Wolfgang Dietrich. Foto: dpa
12.07.2019

Am Sonntag stimmen Mitglieder des VfB Stuttgart über Zukunft von Präsident Dietrich ab

Stuttgart. Er weiß nicht, was am Sonntag passieren wird. Wolfgang Dietrich zuckt mit den Schultern. Er hat zwar eine Zahl von Menschen im Kopf, die seine Gegner mobilisieren könnten, aber er will diese Zahl nicht verraten. Er könne nur hoffen, sagt der Präsident des VfB Stuttgart, dass ein relativ breites Spektrum an Menschen abstimmen werde. „Es kann ja nicht sein, dass nur die Lauten bestimmen, was die Ausrichtung des Vereins betrifft“, sagt Dietrich. „Die Lauten“, das sind seiner Beschreibung nach diejenigen, die ihn lieber heute als morgen von der Clubspitze entfernen würden.

Seit Monaten protestierten sie im und vor dem Stadion gegen den 70-Jährigen, sie hängten „Dietrich-Raus!“-Plakate in der Stadt auf. Es gebe sogar „eine Vielzahl von Todesdrohungen“, teilt der Verein mit. Der VfB hat daher Anzeige erstattet, die Kriminalpolizei ermittelt.

Die Kritik spitzte sich so weit zu, dass auf der Mitgliederversammlung über Dietrichs Zukunft abgestimmt wird. Ein entsprechender Antrag auf Abwahl des Präsidenten wurde auf die Tagesordnung genommen. Natürlich beschäftigt ihn das Thema Abwahl wie kein anderes in diesen Tagen, sagt er. Nach Dietrichs Rechnung wird es darauf ankommen, wie viele der fast 70.000 Mitglieder ins Stadion kommen. Mindestens 75 Prozent der anwesenden Stimmberechtigten müssten für eine Abwahl stimmen.

Seine Gegner haben viele Argumente. „Die Liste, die zumindest uns voller Überzeugung den Rücktritt von Wolfgang Dietrich fordern lässt, ist lang“, schreibt eine Ultragruppierung in einem Statement. Dazu zählen etwa die Verpflichtung des im Februar abberufenen Michael Reschke als Sportvorstand oder Dietrichs Vergangenheit als Investor. Dietrich war lange am Unternehmen Quattrex beteiligt, das Fußballclubs Kredite gewährt. Ein Teil des Kreditzinssatzes ist variabel und hängt von den TV-Einnahmen der jeweiligen Clubs ab. Je erfolgreicher der Verein, desto mehr TV-Einnahmen und desto mehr Geld fließt zurück.

Vor seiner Wahl zum VfB-Chef im Oktober 2016 hatte Dietrich seine offiziellen Funktionen bei Quattrex niedergelegt sowie den VfB-Gremien und der Deutschen Fußball Liga (DFL) seine weiter bestehenden Beteiligungen offengelegt. Gremien und DFL sahen anschließend keinen Interessenskonflikt und gaben grünes Licht für seine Wahl. Aber einige Mitglieder dürfte Dietrich am vergangenen Dienstag mit der Aussage überrascht haben, dass er noch bis Ende 2017 von Einnahmen aus Verträgen profitiert habe, die „Quattrex vor meiner Zeit als Präsident abgeschlossen“ hat. Dietrich hielt bis zum 31.12.2017 entsprechende Quattrex-Aktien.

Das Brisante: Quattrex hatte laut „kicker“ unter anderem Union Berlin und dem FC Heidenheim Kredite gewährt – beide Clubs waren in der Saison 2016/17 Gegner des VfB in der 2. Liga. Dietrich selbst bestätigte die Namen der Clubs zwar nie, räumt aber ein: „Wenn diese Clubs, mit denen die Quattrex vor meiner VfB-Zeit zusammengearbeitet hat, erfolgreich gewesen wären, dann hätte ich bis zum 31.12.2017 an deren Erträgen partizipiert.“ Dass Dietrich vom sportlichen Erfolg direkter Gegner hätte profitieren können, sehen einige VfB-Mitglieder als Interessenskonflikt.