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18.03.2010

Amateurkicker immer brutaler: Vor allem Jugend betroffen

Die Fußballverbände sorgen sich um den Ruf ihres Sports. „Es gibt eine Art von Gewalt, die wir bisher nicht gekannt haben“, sagte der Präsident des Württembergischen Fußballverbands (WFV), Herbert Rösch, am Donnerstag. Zwar sei die Zahl gewalttätiger Übergriffe nicht gestiegen, wohl aber deren Intensität, erklärte Rösch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Badischen und Südbadischen Fußballverband (BFV und SBFV) in Stuttgart. „Es sind seltene Erscheinungen. Sie beschädigen aber das Bild des Sports.“

Bildergalerie: Immer mehr Ausschreitungen im Amateurfußball

Im Kreis Pforzheim macht vor allem der Nachwuchsbereich Sorgen. Auch bei den Erwachsenen gibt es immer wieder Vorfälle, die für Aufsehen sorgen. So wie die Waldhof-Fans, die im Herbst 2006 fast für einen Spielabbruch beim 1. FC Pforzheim gesorgt hätte. 2008 wurden Spieler des SC Pforzheim auf dem Platz untereinander handgreiflich. In Göbrichen wurden Ordner nach einer Schlägerei im Mai 2009 beim B-Liga-Spiel gegen Hellas Mühlacker verletzt. Und in Weiler wurde ein Spieler von einem Zuschauer mit einer Flasche niedergeschlagen.

„Aber insgesamt gibt es keine Steigerung der Vorfälle. Die Zahl blieb in den vergangenen Jahren relativ stabil“, sagt der Spruchkammer-Vorsitzende Peter Zoller aus Kieselbronn.

Sein Kollege von der Jugendspruchkammer macht da gerade ganz andere Erfahrungen: „Früher hatten wir in einer Saison vielleicht 100 Vergehen. Jetzt sind wir schon im Februar bei mehr als 170“, berichtet Karl-Heinz Blaich.

Der Königsbacher findet es erschreckend, in welchem Maße die Brutalität zunimmt. Alleine in der Vorrunde gab es vier Spielabbrüche. Oft sind es nicht nur die jungen Spieler verwickelt sind. Immer häufiger sind auch Zuschauer beteiligt. So wie beim Abbruch eines C-Jugendspiels im Herbst in Pforzheim. Zuschauer waren auf den Platz gestürmt und hatten auf die jungen Akteure eingeschlagen. Ein Mädchen musste ins Krankenhaus gebracht werden. Zur Erinnerung: In der C-Jugend sind die Spielerinnen und Spieler 12 bis 14 Jahre alt.

Selbst der Hallenfußball ist keine Insel der Seligen mehr. Im Winter stürmte im Kreis Pforzheim ein Zuschauer aufs Spielfeld und besprühte junge Kicker mit Pfefferspray.

Auch die Schiedsrichter würden immer aggressiver angegangen und hätten Glück, wenn sie „nur“ beleidigt werden. „Es kann aber nicht sein, dass nach gemeldeten Vorfällen 90 Prozent der Vereine behaupten, nichts getan zu haben“, sieht Blaich jetzt vor allem die Trainer und Funktionäre in ihrer Vorbildfunktion gefordert.

Um dem entgegenzuwirken, sollen Clubs künftig vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden, falls sie sich nach „Gewaltexzessen“ nicht zu Schulungen in Konfliktvermeidung bereiterklärten. Zudem sollten sich Spieler vor dem Anpfiff als Zeichen des Respekts die Hand geben. Ein Handschlag gegen die Gewalt sozusagen.

In der laufenden Saison gab es nach Angaben der Verbände in Württemberg 50 Spielabbrüche, in Nordbaden 30 und in Südbaden 14. BFV-Präsident Ronny Zimmermann betonte, dass es aber keine bestimmte Struktur der Gewalt gebe. Einmal würden die Eltern von E-Jugendlichen aggressiv, dann komme es zu Schlägereien bei den Aktiven.