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Auch mit 47 Jahren noch am Ball: Annette Schütz vom TSV Schömberg. Foto: Koller
Auch mit 47 Jahren noch am Ball: Annette Schütz vom TSV Schömberg. Foto: Koller
02.02.2016

Annette Schütz steht mit 47 Jahren zwischen den Pfosten des TSV Schömberg

Wenn die Frauen-Mannschaft des TSV Schömberg in der Kleinfeld-Landesliga auf dem Platz läuft, sieht es so aus, als würde eine Mutter mit ihrer Töchterschar zum Fußballspielen antreten. Denn alle Spielerinnen sind zwischen 16 und 22 Jahren jung. Nur Torhüterin Annette Schütz passt nicht ins Raster. Sie ist 47 Jahre alt.

Außergewöhnlich ist bei Annette Schütz nicht nur das Alter für eine aktive Fußballerin. Außergewöhnlich ist auch ihre sportliche Biographie. Fußballerisch ist die Schömbergerin nämlich eine Spätberufene, nachdem sie jahrelang für den TV Calmbach Handball gespielt hatte.

Unter den letzten Fünf

Dass die Fußballerin aus dem Schömberger Ortsteil Schwarzenberg aber offen für Neues ist, zeigt sich auch bei der deutschlandweiten Wahl zur Amateurspielerin des Jahres. Sie sich beworben, sie wurde vom Badischen Fußball-Verband nominiert, sie schaffte es prompt bis in die Endausscheidung der letzten Fünf. Jetzt steht sie neben vier Amateurspielerinnen aus Westfalen, Brandenburg und Südwest/Pfalz zur Wahl. Abgestimmt werden kann noch bis zum 15. Februar.

Dass Annette Schütz zum Fußball kam, verdankt sie einem Zufall. Vor fünf Jahren begleitete sie ihre beiden Söhne zu einem Turnier. Als ihr am Spielfeldrand der Ball vor die Füße rollte, spielte sie ihn gekonnt ins Feld zurück. „Du kannst ja kicken“, sagte der Trainer. „Ich bin doch zu alt“, versuchte sie den folgenden Anwerbeversuch für den TSV Schömberg abzublocken. Vergeblich.

So begann die Fußballkarriere von Annette Schütz in der Schömberger Frauen-Freizeitmannschaft. Als dann vor drei Jahren ein A-Jugendteam des Vereins den Übergang zu den Aktiven wagte, war Annette Schütz dabei. „Im Training wurde ich zuerst kritisch beäugt. Aber als die gesehen haben, dass ich die Leistung bringe, war das Thema schnell erledigt“, erinnert sich die 47-Jährige.

Und der Trainer weiß, was er an seiner „Seniorin“ hat. „Wir haben mit einem Altersdurchschnitt von 19 Jahren ein extrem junges Team. Annette sorgt – bewusst, oder unbewusst – immer für einen Ausgleich“, sagt Daniel Corak, der selbst erst 30 Jahre alt ist. Annette Schütz kennt ihn von Kindesbeinen an aus der Nachbarschaft in Schwarzenberg.

„Wenn Annette etwas was sagt, respektieren es die Mädels“, weiß Corak. Dabei ist die 47-Jährige alles andere als eine „Lautsprecherin“. Aber mit ihrem Ehrgeiz sporne sie die Mitspielerinnen an: Wenn es ihr Job als Maskenbildnerin am Stadttheater Pforzheim erlaubt, versäumt sie kein Spiel oder Training. „Sie ist immer von der ersten bis zur letzten Minute voll da“, lobt der Trainer, der seine erfahrene Spielerin schon mal als Motivationshilfe für die Jüngeren, nutzt, wenn er sagt: „Schaut mal auf die Annette. Die ist 25 Jahre älter und kann das auch noch.“

Spitznamen „Die Katze“

Was der Trainer an seiner „Seniorin“, die auch Spielführerin ist, ebenfalls schätzt: „Sie ist immer noch bereit, dazuzulernen.“ So kam es auch, dass Annette Schütz vor der Saison ihren Platz im Feld (Sechserposition oder rechte Seite) mit dem Platz zwischen den Pfosten tauschte. Ihre Handball-Erfahrung und ihr Reaktionsvermögen (Corak: „Sie ist wieselflink“) halfen ihr. Inzwischen hat sie im Team den Spitznamen „Die Katze“. Der Trainer ist überzeugt: „Im Tor hat Annette ihre wahre Berufung gefunden.“ Nur gut, dass im Kleinfeld auch auf kleinere Tore gespielt wird. Mit 1,65 Meter hat die 47-Jährige eigentlich nicht das Gardemaß für eine Torhüterin.

Noch denkt Annette Schütz nicht an den Fußball-Ruhestand. „Wenn es die Knochen zulassen, spiele ich auch noch, wenn die Fünf vorne dransteht“, verspricht sie.