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CfR Pforzheim

Auslöser des Skandals auf dem Holzhof war ein verschossener Elfmeter von CfR-Spieler Kreshnik Lushtaku (rechts, hier gegen Ilshofens Ramazan Kandazoglu).
Sichtlich benommen wird CfR-Trainer Gökhan Gökce nach der Attacke von einem seiner Spieler ins VIP-Zelt geführt. Dort erkundigt sich wenig später im Beisein von CfR-Vorstandsmitglied Wolfgang Fischer die Polizei über den Vorfall. Der Übeltäter Kushtrim Lushtaku verweilte am VIP-Eingang und wurde am Sonntag angezeigt und aus dem Verein ausgeschlossen. Becker
07.10.2018

Attacke auf Trainer? Spieler-Rauswurf nach Eklat beim CfR-Spiel

Da freuen sich die CfR-Anhänger an einem herrlichen Oktobersamstag auf ein unterhaltsames Oberliga-Spiel im Holzhofstadion – und dann das: In der Halbzeitpause verlässt Gökhan Gökce, Trainer des 1. CfR Pforzheim, mit schmerzverzerrtem Gesicht und Tränen in den Augen das Stadion durch den VIP-Ausgang.

Die Zuschauer auf der Tribüne bekommen das gar nicht mit, erst als die Spieler Joao Tardelli und Manuel Salz aus der Kabine kommend ihrem Trainer hinterherrennen, ist die Aufregung groß. Spieler, Ordner und weitere Personen können den sichtlich benommenen Trainer dazu bewegen, ins Stadion zurückzukehren. Dieser nimmt auf einem Stuhl im VIP-Zelt Platz – er hat starke Schmerzen.

Draußen wird derweil CfR-Ersatzspieler Kushtrim Lushtaku von Ordern aus dem Stadion geführt. Die Polizei ist alarmiert. Wenig später nimmt diese die Personalien des CfR-Kickers sowie von Gökce auf. Den Beginn der zweiten Hälfte verfolgt der Trainer aus dem VIP-Zelt, bis der Krankenwagen kommt. Wenig später muss der 34-Jährige mit Verdacht auf Rippenbruch ins Krankenhaus. Am späten Abend gab es Entwarnung. Gökce trug „nur“ eine starke Rippenprellung davon.

Am Sonntag reagierte der CfR auf den Vorfall und trennte sich mit sofortiger Wirkung von Kushtrim Lushtaku und erstattete Anzeige gegen den Spieler.

Bildergalerie: Attacke auf Trainer Gökce - 1. CfR Pforzheim unterliegt dem TSV Ilshofen

CfR-Trainer Gökhan Gökce nach dem Vorfall.
Was war passiert? Auslöser des Eklats war beim Stand von 1:0 für den TSV Ilshofen ein verschossener Elfmeter von CfR-Spieler Kreshnik Lushtaku, dem jüngeren Bruder von Kushtrim Lushtaku. Eigentlich wollte Johnathan Zinram den Strafstoß ausführen, doch Kreshnik Lushtaku schnappte sich den Ball. Sein Schuss – schwach, Ilshofens Keeper Jonas Wieszt war zur Stelle. Daraufhin kochten die Emotionen hoch. Erst pöbelte der älteste Bruder der Lushtakus auf der Tribüne in Richtung CfR-Coach Gökce. Dann diskutierte Zinram mit Kreshnik Lushtaku auf dem Platz, woraufhin dessen Bruder Kushtrim auf der Ersatzbank ausrastete. Laut Gökhan Gökce war dieser nicht mehr zu beruhigen und beleidigte erst Zinram, dann auch Gökce, dem er auch drohte. Der Coach blieb zunächst ruhig, irgendwann ging es ihm zu weit und er forderte ihn auf, duschen zu gehen. Kushtrim Lushtaku weigerte sich. In der Halbzeitpause knallte es dann im Kabinengang. Gökce wollte Kushtrim Lushtaku bei der Ansprache nicht mit in der Kabine haben. Woraufhin dieser den CfR-Trainer im Gesicht packte, ihn zu Boden drückte und auf ihn eintrat. So schilderte Gökce den Vorfall der PZ am Samstagabend.

Lushtaku widerspricht

Kushtrim Lushtaku widerspricht dieser Darstellung am Sonntagabend gegenüber der PZ: „Ich wollte in der Halbzeit die Kabine, der Trainer stand da und hat den Arm gehoben und ich habe ihn nur zur Seite geschubst, nicht geschlagen. Was der Trainer sagt, ist eine große Lüge. Er hat ein Problem mit mir und versucht, sich als Opfer darzustellen.“

Die Verwirrung im Holzhofstadion war groß. Auf den Rängen und auch in der Kabine. „Die Spieler waren perplex. Es herrschte Schockstarre“, berichtete ein mitgenommener Teambetreuer Alexander Freygang („ich würde am liebsten hier nicht sitzen“) bei der Pressekonferenz. Freygang coachte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit von der Seitenauslinie. Co-Trainer Fatih Ceylan hätte in der Halbzeit versucht, von dem brutalen Vorfall abzulenken. „Am liebsten wäre die Mannschaft aber gar nicht mehr auf den Platz gekommen“, so Freygang. Nach einer 30-minütigen Halbzeit pfiff der Schiri die Partie wieder an.

Kushtrim Lushtaku verfolgte noch ein paar Minuten das Spiel vom VIP-Eingang aus. Nachdem die Polizei ihn vernommen hatte, wurde der 29-jährige Kosovo-Albaner nicht mehr gesehen.

Am Sonntagvormittag reagierte der CfR und zog die Konsequenzen: „Gegen den Spieler wurde unverzüglich Anzeige erstattet und ein Stadionverbot verhängt. Selbstverständlich erfolgt darüber hinaus ein sofortiger Ausschluss aus dem Verein und der Mannschaft, der Vertrag wurde fristlos gekündigt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Weiter steht dort: „Der CfR spricht sich ausdrücklich gegen Gewalt und für Respekt im Umgang miteinander aus – auf und neben dem Platz. Deshalb kann und wird ein solches Verhalten in keinster Weise im Verein geduldet, sondern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln konsequent geahndet.“

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