nach oben
Große Sprünge macht der 1. FC Calmbach II (rechts) in dieser Saison keine. Die Mannschaft um Luca Vester, der auch schon als Torhüter aushalf, ist mit null Punkten Tabellenletzter in der Kreisklasse B2; links Florian Stauß von der Spvgg Dillweißenstein. Foto: Hennrich
Große Sprünge macht der 1. FC Calmbach II (rechts) in dieser Saison keine. Die Mannschaft um Luca Vester, der auch schon als Torhüter aushalf, ist mit null Punkten Tabellenletzter in der Kreisklasse B2; links Florian Stauß von der Spvgg Dillweißenstein. Foto: Hennrich
Oft zum Abwinken ist die Leistung des 1. FC Calmbach II; für Trainer Stephan Anderle kein Problem. Foto: Hennrich
Oft zum Abwinken ist die Leistung des 1. FC Calmbach II; für Trainer Stephan Anderle kein Problem. Foto: Hennrich
07.11.2017

Auf Ballhöhe: Die einen haben keine Punkte, die anderen kein Clubhaus

Fußball, das sind nicht nur die Millionarios von Bayern München und Borussia Dortmund, das sind auch Clubs aus der Region, die nach elf Spieltagen immer noch null Punkte oder kein Clubhaus und keine Umkleide haben. Aber gerade das macht den Fußball aus. „Auf Ballhöhe“ zeigt zwei Beispiele.

Klassenerhalt mit null Punkten?

Das muss doch deprimierend sein: jedes Wochenende eine Niederlage, teils haushoch unterlegen. 1:12, 0:9, 2:8. Da vergeht doch jedem Fußballer, die Lust am Kicken.

Die Mannschaft ist die schlechteste im Fußballkreis Pforzheim. Nach elf Spieltagen in der Kreisklasse B2 hat das Team von Trainer Stefan Anderle noch immer null Punkte auf dem Konto. Mit 12:53 Toren ist das Schlusslicht zudem die Schießbude der Liga.

Woran liegt’s, dass der Absteiger aus der A-Klasse so weit gesunken ist?

„Wir hatten vor der Saison rund 17 Abgänge in der ersten Mannschaft, viele sind nach Wildbad oder Coschwa gegangen. Somit musste ich fast alle Spieler von der Zweiten an die Erste abgeben. Doch wir wollten die zweite Mannschaft nicht abmelden, weil in der nächsten Saison zehn A-Jugendspieler rauskommen. Also haben wir die Reserve mit sechs Spielern aufgefüllt, die bisher noch nie Punktspiele bestritten haben“, erklärt Stephan Anderle, der seit dreieinhalb Jahren Coach der Calmbacher Zweiten ist. Mit ihr stieg er in die A-Klasse auf, ein Jahr später wieder ab und befindet sich nun im Tal der Tränen. Oder doch nicht?

„Nach den Spielen ist die Enttäuschung natürlich riesengroß, doch nach zwei Kisten Bier ist die Stimmung in der Kabine wieder sensationell“, berichtet Anderle. Auch ins Training würden die Spieler trotz der erdrückenden Niederlagenserie gerne kommen. Mehr als nur ein lockeres Trainingsspielchen sei aber nicht drin. „Es fehlt einigen Jungs einfach an Qualität, um intensiv an Technik und Taktik zu arbeiten“, gibt Anderle offen zu. Improvisation ist oft auch an den Spieltagen gefragt. So steht hin und wieder mal ein Feldspieler im Tor, weil eben kein Keeper zur Verfügung steht. Auch wird der Kader öfters mal mit AH-Spielern aufgefüllt, was sich dann in den Ergebmissen sogar positiv niederschlägt. „Wir verlieren dann nur knapp“, sagt Anderle.

Die Spieler nehmen die Situation, so wie sie ist. Und auf Anderle halten sie große Stücke. „Wenn du aufhörst, hören wir auch auf“, hätten sie ihrem Coach schon mitgeteilt. Doch der Übungsleiter denkt nicht ans Aufhören. Schon gar nicht ans Aufgeben. Und auch der Verein weiß, mit der sportlichen Misere umzugehen. Die Saison wollen sie durchziehen. Ohne Wenn und Aber. In den Spielen gegen den Vorletzten TuS Ellmendingen II und Drittletzten Spvgg Coschwa II hofft man auf die ersten Punkte in der Saison. Gleichzeitig hat man aber auch noch im Hinterkopf, dass Phönix Würm nach der Auflösung der Spielgemeinschaft mit dem SV Hohenwart als erster Absteiger in der B2 feststeht.

Das würde heißen, dass Calmbach als derzeit Tabellen-13. das Abstiegsspiel in die C-Klasse bestreiten müsste. Sprich: null Punkte könnten am Ende zum Klassenerhalt reichen. „Das gab’s wohl auch noch nie“, grinst Stephan Anderle.

Schwitzen schon vor dem Anpfiff

Gegner des Türkischen SV Mühlacker fahren ungern zu den Auswärtsspielen in die Senderstadt. Zum einen, weil sie wissen, dass es dort schwierig ist, drei Punkte zu holen. Zum anderen, weil man schon vor dem Anpfiff kräftig ins Schwitzen kommt. Der Rasenplatz hat kein Clubhaus und demnach auch keine Umkleide. Die Spieler müssen sich in der Käppele-Turnhalle (neben dem Sportplatz von 08 Mühlacker) umziehen und dann rund einen Kilometer zum Sportplatz laufen. Ein Umstand, den der Türkische SV Pforzheim nun schon länger anprangert und jetzt auch Thema im Mühlacker Rathaus ist.

Spielabsage wegen Steinen

Was den Türkischen SV außerdem ärgert. Der Rasenplatz wird derzeit von der Stadt Mühlacker saniert. Erst im März, so der zweite Vereinsvorsitzende Recep Coskun, könne man wieder auf den Rasenplatz. Bis dahin müssen die Türken ihre Heimspiele auf dem Hartplatz austragen. „Wir sind vermutlich der einzige Verein im Kreis, der noch einen Hartplatz hat“, ärgert sich Coskun. Und dieser sei auch noch in einem schlechten Zustand. Vor zwei Wochen pfiff der Schiedsrichter das Spiel gegen Niefern II wegen Unbespielbarkeit des Platzes nicht an. Zu viele Steine, so Coskun, sollen noch auf dem Hartplatz gelegen habe, der während der Landesgartenschau als Parkplatz diente. Die Stadt Mühlacker wollte den Hartplatz für die Partie aber herrichten.

Wie sieht es nun aus? Wird die Partie gegen Niefern II am Donnerstag, 16. November, um 19 Uhr über die Bühne gehen können? „Kann gut sein, dass der Schiedsrichter die Partie wieder nicht anpfeift“, sagt Coskun, verweist aber darauf, dass die zweite Mannschaft am Wochenende darauf spielte.

Ärger mit dem Platz, Ärger mit den Umkleiden – vielleicht gibt es ja in absehbarer Zeit doch noch eine Lösung: ein Neubau-Projekt (Sportplatz und Clubhaus) steht laut Coskun zur Debatte. Die Stadt Mühlacker muss entscheiden.