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Hofft beim VfB Stuttgart auf mehr Kontinuität: Aufsichtsratschef Martin Schäfer. Foto: Heer
Hofft beim VfB Stuttgart auf mehr Kontinuität: Aufsichtsratschef Martin Schäfer. Foto: Heer
07.10.2016

Aufsichtsrat im Kreuzfeuer der Mitglieder des VfB Stuttgart

Man könnte meinen, dass der VfB Stuttgart Martin Schäfer um den Schlaf bringt. Das gilt jedoch nicht für den ganz normalen Tagesablauf des Würth-Managers: Aufstehen um 4.30 Uhr in seinem Wohnort in der Nähe von Reutlingen, kurz vor 6 Uhr Abfahrt, um kurz nach 7 Uhr sitzt er in Künzelsau-Gaisbach am Schreibtisch. So kann sich Schäfer schon früh am Morgen Gedanken machen. Und die kreisen beim Aufsichtsratschef des Fußball-Zweitligisten vor der Hauptversammlung am Sonntag natürlich hauptsächlich um den VfB.

„Es ist schon eine besondere Situation“, sagt Schäfer. Er weiß: Es geht nicht nur um sein Aufsichtsrats-Mandat, sondern um die Zukunft des Clubs. Aufsichtsrat und Vorstand werden in Stuttgart seit Jahren für nahezu alles verantwortlich gemacht. Wahrscheinlich sogar für den Maßpreis auf dem Wasen. Das Volksfest endet am Sonntag. Einen Steinwurf weiter soll die Amtszeit des Aufsichtsrates enden. Zumindest fordern das zahlreiche Fanclub-Mitglieder.

Martin Schäfer steht in der Schleyer-Halle im Mittelpunkt – und das in einer ungewohnten Rolle. Dass man den umtriebigen Chef von mehr als 4500 Würth-Außendienstmitarbeitern beim VfB in eine Schublade steckt, in die er seiner Meinung nach nicht gehört, ärgert Schäfer am meisten. Der Würth-Vertriebsvorstand ist ein erfolgreicher Macher, der im Job Klartext spricht. Der Härte zeigen kann, auch mal verbal hart zur Sache geht, wenn ihm etwas nicht passt. Mal hemdsärmlig, mal mit Streicheleinheiten. Bei der Mitgliederversammlung muss er am Rednerpult diplomatisch sein – es wird eine besondere Premiere. „Ich weiß ja nicht, was mich erwartet. Wie die Reaktion der Mitglieder ist, wie viele kommen. Aber ich laufe nicht davon, dazu gibt es auch keinen Anlass. Und ich werde mich nicht verbiegen.“

Nach Korrekturen auf Kurs

Bei seiner Bilanz will Schäfer Fakten sprechen lassen. „Wir liegen voll im Plan. Sportlich, wirtschaftlich. Dazu haben wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Aufsichtsrat. Wir haben einen kompletten Neuanfang gestartet. Das war nicht einfach. Wir mussten uns vom Manager, Trainer und Präsidenten trennen. Zwölf Spieler weg, zwölf neue geholt. Dennoch 4000 neue Mitglieder, 25.000 Dauerkarten, die Lizenz ohne Auflage. Wir sind auf Kurs. Das Ziel ist und bleibt undiskutierbar der Aufstieg“, sagt Schäfer, ein früherer Bezirksliga-Torhüter.

Die Verpflichtung des im September zurückgetretenen Jos Luhukay bezeichnet der Aufsichtsratschef im Nachhinein als „Fehler“. Die Entwicklung sei jedoch nicht voraussehbar gewesen. „Vielleicht war es auch zu etwas gut: Denn gerade zu diesem Zeitpunkt haben wir dann mit Hannes Wolf einen Trainer gefunden, der uns in die Zukunft führen wird.“ Schäfer will den VfB für die Zukunft fit machen. Offenheit, Ehrlichkeit, Demut, Berechenbarkeit und Bescheidenheit sollen Einzug halten. Nach Jahren des dauernden Wechsels in allen Führungspositionen ist da die Hoffnung auf mehr Kontinuität.

Doch erst muss der Aufsichtsrat den Sonntag überstehen – zur Abwahl wäre eine Drei-Viertel-Mehrheit nötig. Erklären müssen Schäfer und Co. den Fans mit Sicherheit, warum Wolfgang Dietrich der einzige, vom Aufsichtsrat nominierte Kandidat fürs Amt des Präsidenten ist. „Was er in diesem Wahlkampf an Anfeindungen aushalten musste, das ist extrem. Aber er hat mit Argumenten überzeugt“, sagt Schäfer.