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Verlässt den FCP und hinterlässt traurige Fans: Trainer Stefan Sartori.
sartori © PZ-Archiv
18.03.2008

„Aufstieg wäre eine tolle Sache“

Am Saisonende wird Stefan Sartori den 1. FC Pforzheim verlassen. Es ist keine Trennung im Unfrieden. Vielmehr hat der Trainer aus Karlsruhe die Möglichkeit, ab dem Sommer die elfmonatige Ausbildung zum Fußball-Lehrer in Köln zu absolvieren. PZ-Redakteur Udo Koller sprach mit Sartori.

Pforzheimer Zeitung: Herr Sartori, wie hat die Mannschaft auf die Nachricht von Ihrem Abschied reagiert?
Stefan Sartori: Die Spieler hatten Verständnis für meine Entscheidung. Schließlich ist es für mich eine einmalige Gelegenheit. Von den 230 Bewerbern für die Ausbildung in Köln wurden nur 20 angenommen.

PZ: Der Aufstieg zum Abschied – das wäre doch was, oder?
Sartori: Der Aufstieg wäre eine tolle Sache. Das habe ich mir zusammen mit der Mannschaft auch vorgenommen.

PZ: Haben Sie keine Angst, dass Ihre Autorität als scheidender Trainer leiden könnte?
Sartori: Nein, definitiv nicht. Wer mich kennt, weiß wie ich arbeite. Ich gebe immer 100 Prozent, bis zuletzt. Und die Mannschaft will wie ich den Aufstieg.

PZ: Wären Sie in Pforzheim geblieben, wenn Sie den Ausbildungsplatz in Köln nicht bekommen hätten?
Sartori: Die Tendenz ging dahin. Der Vorstand wollte es und ich wäre gerne ein viertes Jahr geblieben, auch wenn ich mir Gedanken darüber gemacht habe, ob drei Jahre nicht genug sind. Schließlich ist es lange her, dass zuletzt ein Trainer drei Jahre am Stück beim FCP war.

PZ: Welche Spiele mit dem FCP bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?
Sartori: Wir hatten oft sehr interessante Spiele gegen Weinheim mit Toren in der letzten Minute, so wie beim 2:2 in der Hinrunde. Dann ist da natürlich noch das letzte Verbandsligaspiel vor dem Aufstieg in Schefflenz. Und der Oberliga-Heimsieg gegen Waldhof Mannheim mit allem Drum und Dran.

PZ: Die Ausbildung zum Fußball-Lehrer bedeutet sicher, dass Sie auch im Profi-Fußball arbeiten wollen.
Sartori: Natürlich. Die Ausbildung kostet ja auch eine Menge Geld. Es gibt ja auch nicht so viele lizenzierte Fußball-Lehrer in Deutschland.

PZ: Wie muss man sich diese Ausbildung vorstellen?
Sartori: Die ganze Ausbildung wurde neu überarbeitet, dauert jetzt elf statt bisher sechs Monate. Das neue Konzept beinhaltet auch neue Inhalte. Und es gehören auch Praktika dazu. Wir hospitieren zum Beispiel insgesamt neun Wochen bei Profivereinen im In- und Ausland. Außerdem werden wir vom Deutschen Fußball-Bund bei der Europameisterschaft zwei Wochen als Spielebeobachter eingesetzt.

PZ: Bei welchem Verein würden Sie denn gerne hospitieren?
Sartori: Da geht es mehr um die Trainer und ihre Philosophie als um die Vereine. Christoph Daum ist sehr interessiert. Als ich meine Trainer-A-Lizenz in Hennef gemacht habe, hat er teilweise zeitgleich mit dem 1. FC Köln an der dortigen Sportschule trainiert. Die Spielformen und Trainingsinhalte haben mich sehr beeindruckt. Aber auch andere Trainer wie Jürgen Klopp, Hans Meyer und Ralf Rangnick finde ich sehr interessant.

PZ: Der FCP muss nun einen Nachfolger für Sie finden. Können Sie dem Verein da jemanden empfehlen?
Sartori: Ich denke, ich kann den einen oder anderen Vorschlag machen. Es wäre vielleicht nicht verkehrt, wieder einen unbekannteren Trainer zu holen, der bereit ist, mit jungen, hungrigen Spielern zu arbeiten.

PZ: Wie wird die Entwicklung beim FCP nach Ihrer Meinung weitergehen?
Sartori: Das hängt zunächst davon ab, was wir in dieser Saison sportlich noch erreichen. Dass es auch in Zukunft nicht einfach wird, ist bekannt. Schließlich soll der Etat auch bei einem Aufstieg nicht erhöht werden. Aber das Präsidium hat in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet und die neue Vereinsführung wird sicherlich auch etwas bewegen.

Der FCP sucht einen neuen Trainer

So ganz überrascht wurde der 1. FC Pforzheim vom Abgang seines Trainers nicht. „Wir wussten, dass er nach Köln will“, sagt Marco Nabinger, der Sprecher des Präsidiums. Weil aber nicht klar war, ob Stefan Sartori tatsächlich die Zusage für die Fußball-Lehrer-Ausbildung bekommt, hat der Verein noch keinen Nachfolger gesucht. „Stefan war unser erster Ansprechpartner. Anderweitige Verhandlungen wären nicht optimal gewesen“, sagt Nabinger.

Natürlich hat man im Brötzinger Tal aber schon über mögliche Kandidaten nachgedacht. Und wie sieht das Profil für den Neuen aus? „Wir werden sicherlich keinen Startrainer holen“, sagt Marco Nabinger. Das ist auch mit Blick auf die Vereinsfinanzen auszuschließen. Offen ist aber, ob sich der Verein erneut – wie im Falle Sartori – für einen jungen und unbekannten Trainer ausspricht, oder ob es ein etwas erfahrenerer Mann sein soll. Das könnte vor allem im Falle eines Aufstiegs in die Oberliga von Vorteil sein. „Der Unterschied zwischen Verbands- und Oberliga ist schon gewaltig“, stellt Nabinger klar. Letztlich wird es darauf hinauslaufen, einen Kandidaten zu finden, der beides kann. Denn in welcher Liga der FCP künftig spielt, entscheidet sich wohl erst spät in der Saison. Ok

Die Laufbahn von Stefan Sartori

Seine Karriere als Fußballer hatte er wegen Knieproblemen früh beenden müssen. So begann Stefan Sartori in jungen Jahren seine Laufbahn als Trainer, zunächst beim Landesligisten FV Neuthard. Seit knapp drei Jahren arbeitet der zweifache Vater beim 1. FC Pforzheim, stieg mit der Mannschaft nach nur einem Jahr 2006 in die Oberliga auf. Wieder nur ein Jahr später ging es in die Verbandsliga zurück. Jetzt will der 33-Jährige mit dem „Club“ zum zweiten Mal aufsteigen.

Der aus dem südbadischen Breisach stammende Sartori war in jungen Jahren Profi beim Zweitligisten SC Freiburg, spielte dann ein Jahr in Gaggenau, ehe er von 1995 bis 1999 das FCP-Trikot trug, wegen seiner Knieprobleme aber nur selten spielte. ok