760_0900_112426_urn_newsml_dpa_com_20090101_200229_90_01.jpg
Ein Bild des Jammers: Die Stuttgarter Elf um Mittelfeldspieler Daniel Didavi (links) hat sich die erste Punktspielniederlage seit Jahresbeginn selbst zuzuschreiben.  Foto: dpa 

Aufstiegsaspirant VfB Stuttgart weckt bei Pleite düstere Erinnerungen

Stuttgart. Die Erfolgsserie unter dem neuen Stuttgarter Trainer Pellegrino Matarazzo ist gerissen. Die Art und Weise der Niederlage macht das 0:2 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth besonders ärgerlich. Matarazzo haderte erst einmal mit der schlechten Chancenverwertung seiner Fußballer. Während VfB-Sportdirektor Sven Mislintat das Ergebnis des Samstagsspiels nicht gerecht fand, räumte der Stuttgarter Trainer Unzulänglichkeiten der Mannschaft unumwunden ein. „Fürth ist immer mehr gewachsen im Laufe des Spiels und wir einen Tick kleiner geworden“, sagte Matarazzo.

In Franken erlebte er die erste Zweitliga-Niederlage als Coach – nach vier Siegen und einem Unentschieden. Verloren hatte der VfB unter ihm zuvor nur im DFB-Pokal-Achtelfinale – auswärts gegen Europa-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen.

Die Pleite in Fürth schmerzt, das räumte Mislintat ein. „Es ist natürlich auch angenehmer, als jetzt mit einem HSV-Sieg auf die Tabelle zu gucken“, sagte er aber auch. Die Hamburger hätten gleichziehen können, leisteten sich aber zeitgleich ein 0:3 bei Erzgebirge Aue. Von daher ärgerten die Stuttgarter, dass sie den Vorsprung auf den langjährigen Bundesliga-Rivalen aus der Hansestadt nicht auf sechs verdoppelt oder wenigstens auf vier Punkte vergrößert hatten.

Vor dem Topspiel am Montag, 9. März, zuhause gegen Spitzenreiter Arminia Bielefeld machte der VfB einen Rückschritt. Der erinnerte an die schon fast vergessene Zeit unter Matarazzos Vorgänger Tim Walter.

Daniel Didavi (9. Minute), Silas Wamangituka (17.) und Hamadi Al Ghaddioui (31.) haben hochkarätige Torchancen vergeben, ehe sich die gesamte VfB-Elf dann nach der Pause den Schneid abkaufen ließ. In der zuvor nach nur einem Gegentor in fünf Ligaspielen gelobten Defensive waren Unsicherheiten zu verzeichnen. „In der Summe tat es heute weh, denn wir haben es schon deutlich effektiver in den letzten Spielen hinbekommen“, sagte Mislintat.

Mangelnden Biss sahen er und Matarazzo nicht als Ursache der Niederlage. „Wenn man fünf, sechs Chancen in der ersten Halbzeit nicht nutzt, dann passiert meistens etwas in den Köpfen der Spieler“, erklärte der Coach. Und meinte damit: nichts Gutes.

So brachte der Ex-Stuttgarter Marco Caligiuri (48.) Fürth in Führung, Sebastian Ernst sorgte für das 2:0 (76.). „Wir müssen daraus lernen, dass wir heute über Phasen nicht dominant waren“, sagte VfB-Verteidiger Pascal Stenzel.

Bei nur noch zehn ausstehenden Spielen bis Saisonende dürften die nächsten Partien gegen Bielefeld, beim SV Wehen Wiesbaden (Sonntag, 15. März) und in Kiel (Samstag, 21. März) sowie zu Hause gegen den HSV (Montag, 6. April) richtungsweisend sein. Da Stuttgart im Sturmzentrum nun keinen Simon Terodde hat, der in der auf Platz eins abgeschlossenen Zweitliga-Saison 2016/2017 mit 25 Toren geglänzt hatte, hoffen Mislintat und Matarazzo darauf, dass das VfB-Team schon gegen Bielefeld insgesamt wieder treffsicherer wird. Die interne Torjägerliste führen Al Ghaddioui, Didavi und Nicolás González mit jeweils gerade mal sechs Treffern an.

González wieder dabei

Immerhin feierte Offensivspieler González in der Schlussphase sein Comeback, auch Verteidiger Holger Badstuber stand in Fürth zum Kader. Beide hatten zuletzt wegen Muskelfaserrissen gefehlt. Zumindest darüber konnten sich die VfB-Verantwortlichen freuen.

Dagegen sorgte an einem vom Fehlverhalten von Fußball-Anhängern gekennzeichneten Wochenende auch ein Teil der VfB-Fans für Negatives: Anhänger der Stuttgarter und des Drittligisten Halleschen FC, der bei der SG Sonnenhof Großaspach spielte (0:1) sind am Samstagnachmittag am Bahnhof Crailsheim aufeinander losgegangen. Wie die Polizei mitteilte, waren rund 120 VfB-Fans und etwa 50 aus Sachsen-Anhalt an der Auseinandersetzung beteiligt. Bierflaschen flogen durch die Luft, da sich die Kontrahenten auch im Gleisbett prügelten, wurde zudem der Bahnverkehr kurzzeitig unterbrochen. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot im Einsatz. Über Verletzte wurde zunächst nicht bekannt.