nach oben
Die 84. Minute: Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels (oben) will den Ball nach einer Flanke klären und trifft mit seinem Knie VfB-Kapitän Christian Gentner (rechts) im Gesicht. Foto: Pressefoto Baumann
Die 84. Minute: Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels (oben) will den Ball nach einer Flanke klären und trifft mit seinem Knie VfB-Kapitän Christian Gentner (rechts) im Gesicht. Foto: Pressefoto Baumann
Schrecksekunde: Casteels erkennt den Ernst der Lage und winkt sofort die Betreuer des VfB aufs Feld. Foto: Pressefoto Baumann
Schrecksekunde: Casteels erkennt den Ernst der Lage und winkt sofort die Betreuer des VfB aufs Feld. Foto: Pressefoto Baumann
Mannschaftsarzt Dr. Raymond Best (links) und Physiotherapeut Gerhard Wörn (rechts) leisten Erste Hilfe und verhindern Schlimmeres: Gentner hatte seine Zunge verschluckt. Foto: Pressefoto Baumann
Mannschaftsarzt Dr. Raymond Best (links) und Physiotherapeut Gerhard Wörn (rechts) leisten Erste Hilfe und verhindern Schlimmeres: Gentner hatte seine Zunge verschluckt. Foto: Pressefoto Baumann
17.09.2017

Bange Minuten auf dem VfB-Rasen - Schwere Verletzung von Gentner überschattet 1:0-Sieg

Stuttgart. Die im Angesicht der dramatischen Szene gute Nachricht verkündete Trainer Hannes Wolf in der Pressekonferenz: „Die Ärzte sagen, er wird wieder komplett okay.“ Die schwere Gesichtsverletzung von Christian Gentner überschattete beim Bundesligisten VfB Stuttgart am Wochenende alles. Der Kapitän hatte in der Schlussphase des Spiels gegen den VfL Wolfsburg mit voller Wucht das Knie von VfL-Torhüter Koen Casteels ins Gesicht bekommen. Die Diagnose lautete später: schwere Gehirnerschütterung sowie Brüche des seitlichen Augenhöhlenbodens, des Nasenbeins und des Oberkiefers. Der 32-Jährige wird in den kommenden Tagen operiert.

Die Zeit des Wartens zwischen der Szene im Wolfsburger Strafraum und Gentners Abtransport mit dem Krankenwagen steckte den Beteiligten noch lange in den Knochen. „Wenn man die Minuten danach erlebt hat, war das nicht klar“, sagte der sichtlich schockierte Wolf über die spätere Diagnose. „Wir hatten riesige Angst, dass das bleibende Schäden hinterlässt.“

Sowohl Casteels als auch Stuttgarts Mannschaftsarzt Raymond Best und Physiotherapeut Gerhard Wörn reagierten nach der Szene in der 84. Spielminute sofort. Casteels winkte die Betreuer mit einer eindeutigen Geste aufs Feld, während das Spiel noch lief. Best handelte sofort, da Gentner seine Zunge verschluckt hatte, und leistete Erste Hilfe.

„Christian bekommt alle Zeit von uns, um vollständig fit zu werden. Anschließend freuen wir uns darauf, wenn wir unseren Kapitän wieder an Bord haben werden“, erklärte VfB-Sportvorstand Michael Reschke gestern. Die Stuttgarter Mannschaft postete auf Facebook ein Foto mit Genesungswünschen und auch die Wolfsburger wünschten ihrem früheren Spieler alles Gute. Auf der Geschäftsstelle des VfB gingen viele Wünsche von Fans für den Kapitän ein.

Noch am Samstagabend begann eine Diskussion darüber, ob Schiedsrichter Guido Winkmann mit Unterstützung des Video-Referees Deniz Aytekin auf Elfmeter und Rote Karte gegen Casteels hätte entscheiden müssen (Meinungsbeitrag zum Videobeweis im „Nachschuss“ auf Seite 8). Wolf reagierte in der Pressekonferenz nach dem Spiel darauf angesprochen beinahe empört. „Das wollte er ganz sicher nicht“, sagte der Stuttgarter Trainer. Auch Verteidiger Timo Baumgartl meinte: „Man kann dem Torwart überhaupt keinen Vorwurf machen.“

Casteels war bei der Situation nach einer Flanke in den Wolfsburger Strafraum mit dem Knie voraus in die Höhe gesprungen, um den Ball zu klären, und hatte Gentner getroffen. „99 Prozent aller Torhüter gehen so zum Ball. Das bekommt man in der Jugend so beigebracht. Um das zu ändern, müsste man die gesamte Torhüterdiskussion umstellen“, erklärte Casteels später und betonte: „Ich hoffe, dass Christian bald wieder gesund wird.“

Stuttgarts Torwarttrainer Marco Langner kommentierte Casteels’ Aussage gestern so: „Ich schule das so nicht. Aber es ist ein natürlicher Bewegungsablauf, wenn man hochspringt. Man kann ihm keinen Vorwurf machen, aber Winkmann hätte sofort unterbrechen müssen. Es war ein Foul.“

Diskussion unter Referees

In Schiedsrichterkreisen wurde die Aktion unterschiedlich bewertet. Freude über das 1:0 über Wolfsburg, dass die Mannschaft am Ende zu zehnt verteidigte, war beim VfB sehr verhalten. Dennoch erklärte Baumgartl: „Wir haben für Gente gewonnen. Wenn das ein winziges Bisschen zur Genesung beiträgt, freut es uns.“