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Basketball-Training der PSG Pforzheim, hier in der Sporthalle der Waldorfschule. Weil Hallen-Kapazitäten fehlen, kann der Verein nicht alle Kinder, die Lust auf Basketball haben, aufnehmen. Foto: Meyer
Basketball-Training der PSG Pforzheim, hier in der Sporthalle der Waldorfschule. Weil Hallen-Kapazitäten fehlen, kann der Verein nicht alle Kinder, die Lust auf Basketball haben, aufnehmen. Foto: Meyer
Wolfgang Taafel. Foto: Privat
Wolfgang Taafel. Foto: Privat
13.04.2018

Basketballer schlagen Alarm: Sporthallen-Notstand in Pforzheim

Pforzheim. Es ist ein Hilferuf. Die Basketball-Abteilung der PSG Pforzheim hat im Jugendbereich einen Aufnahmestopp verhängt. Der Grund: „Aktuell gibt es in Pforzheim keine freien Hallenzeiten“, klagt Stefan Erhardt, Abteilungsleiter Basketball bei der PSG, gegenüber der PZ. Die sehr gute Entwicklung im Jugendbereich der Basketball-Abteilung der PSG (derzeit 200 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren) würde durch den Mangel an Hallenzeiten im Winterhalbjahr jäh gestoppt, so Erhardt. Mehrfach schon habe die PSG bei der Stadt interveniert.

Voll ausgelastet

Dort ist das Problem bekannt. Man hat auf dem Rathaus geprüft, ob Hallen-Kapazitäten zur Verfügung stehen. Allerdings seien die in Frage kommenden Hallen gerade in den Wintermonaten voll ausgelastet, heißt es auf Anfrage der PZ. Aufgrund der PSG-Zielgruppe (Jugendliche) sind aber vor allem Zeiten zwischen 18.00 und 20.00 Uhr begehrt. Und da geht so gut wie nichts.

Probleme mit einem Mangel an Hallenstunden beklagen nicht nur die jungen Basketballer der PSG. Und das, obwohl mit der Einweihung der Bertha-Benz-Sporthalle vor drei Jahren eine sehr große Sportstätte hinzu kam.

Die Pforzheimer Zeitung hat Sportvereine befragt, wie sie aktuell mit den Hallenzeiten klar kommen.

„Wir hatten in der Vergangenheit nicht ausreichend Hallenstunden für den Bereich unserer Gymnastik- und Reha-Sportgruppen. Auch beim Kinderturnen gibt es eine angespannte Situation. Diese Probleme hängen auch mit dem Wegfall der Sporthallen in der Nordstadtschule zusammen“, sagt Wolfgang Taafel von der Vereinsführung der TGS Pforzheim.

Im Bereich Handball hat die TGS aktuell weniger Probleme mit den Hallenzeiten – durch gute Organisation, Koordination und Zusammenlegung von Einheiten. Das würde sich grundlegend ändern, sollte die TGS tatsächlich, wie in Pforzheim immer wieder diskutiert und gewünscht, einen ernsthaften Anlauf Richtung 2. Bundesliga machen. „Dazu müsste man zumindest teilweise Hallenstunden während der Schulsportzeit zur Verfügung gestellt bekommen, da es sich spätestens ab dieser Klasse überwiegend um Profisport handelt und man sich bezüglich der Trainingspläne und Trainingszeiten komplett neu aufstellen müsste“, gibt Taafel zu bedenken.

Wasser durchs Hallendach

Ein großes Problem sieht der Handball-Abteilungsleiter der TGS in der Instandhaltung der existierenden Sporthallen. „Dies sollte vorrangig thematisiert werden, bevor man neue Hallen fordert“, so Taafel. Der in der Tat marode Zustand vieler Pforzheimer Sporthallen wurde im Februar 2012 der SG Pforzheim zum Verhängnis, als ein Heimspiel in der Konrad-Adenauer-Sporthalle abgebrochen werden musste, weil Wasser durch das Hallendach eindrang.

Die SG Pforzheim/Eutingen könnte vor allem im Abendbereich gut vier Hallenstunden im Jugend- und zwei Stunden im Erwachsenenbereich mehr brauchen, sagt Alexander Lipps, der sich hauptberuflich um die sportlichen Belange des Vereines kümmert. „Wir haben keinen Aufnahmestopp, aber wir haben gerade im E- und D-Jugendbereich einen enormen Zulauf. Da müssen wir viel improvisieren“, so Lipps. Im Sommer sei es etwas einfacher, weil dann Sportarten wie Fußball oder Leichtathletik die Hallen weniger beanspruchten.

Gerade die Belegung in den Wintermonaten sei ein großes Problem, sagt auch Martin Engel, der Präsident des Judo-Clubs Pforzheim. Nach dem Abriss der Tribüne im Stadion Brötzinger Tal war sein Verein lange auf der Suche nach einer neuen sportlichen Heimat – einem neuen Dojo – wie man in Kampfsport-Kreisen sagt. „Die Stadt konnte uns nichts Passendes anbieten“, so Engel. Fündig geworden ist man dann in der Schanzschule, als Untermieter der Judo-Abteilung der PSG. Außerdem ist man, wie auch vorher, auf viele Sportstätten in der Stadt verteilt untergebracht. „Wir haben aber keine eigene Übungsstätte mehr, wo wir uns uneingeschränkt aufhalten können“, beklagt Engel.

Ausnahme Volleyball

Es gibt auch Sportarten, die solche Probleme aktuell nicht kennen. Volleyball ist – nicht nur in Pforzheim – auf dem Rückzug. Es gibt immer weniger Mannschaften und Aktive. „Im Moment haben wir keine Probleme“, verkündet deshalb Diana Cierniak, die Volleyball-Abteilungsleiterin beim TV Brötzingen.

Für die Vergabe der Sporthallen-Stunden ist übrigens nicht die Stadt Pforzheim zuständig, sondern die Sporthallenkommission, die sich aus Vertretern der Vereine und des Sportkreises zusammensetzt. „Keine leichte Aufgabe. Da geht es immer heiß her, wenn die Zeiten neu vergeben werden“, sagt ein Insider.