760_0900_107744_urn_newsml_dpa_com_20090101_191109_90_01.jpg
Geht es auf Dauer abwärts? Die Niederlage der Stuttgarter mit Pascal Stenzel lässt nichts Gutes erwarten (in Blau der Osnabrücker David Blacha).  Foto: dpa 

Bauchlandung des VfB Stuttgart trotz erneuter Überlegenheit

Stuttgart. Ein Spiel im Stadion Bremer Brücke, das traditionsbeladen in der Innenstadt Osnabrück liegt, ist wie die Rückkehr in die guten alten Zeiten des deutschen Profifußballs. Im Presseraum erinnern zahlreiche Devotionalien in zahlreichen Schaukästen an die glorreichen Zeiten des VfL Osnabrück, an die er gerne anknüpfen will. Am Samstag gegen den VfB Stuttgart hat sich die Mannschaft schon einmal richtungsweisend positioniert. Osnabrück gewann gegen einen der Wiederaufstiegsfavoriten mit 1:0 (1:0).

Daniel Thioune, der Ex-Profi und ambitionierte Fußballlehrer, nannte den Sieg „nachvollziehbar verdient, obwohl wir mit dem VfB eigentlich nicht konkurrieren können. Wir wollten den Gegner unter Stress setzen und das ist uns in weiten Phasen des Spieles auch gelungen.“ Vor dem Anpfiff hatte der VfL-Trainer von einem „Pokalspiel“ gesprochen. Beim Spiel um Alles oder Nichts entschied sich Osnabrück für Alles.

Erklärungen überzeugen nicht

Tim Walter musste erklären, was er immer zu erklären versucht. Das gelingt dem VfB-Trainer zusehends weniger überzeugend, weil es nicht nur Pech ist, dass seine Mannschaft nicht trifft. Vier der letzten fünf Punktspiele verlor der VfB Stuttgart, die mitgereisten 1400 Fans schonten die Profis am Samstag am Ende nicht. Gonzalo Castro sagte: „Sie haben den weiten Weg nach Osnabrück angetreten, um einen Sieg von uns zu erleben, den Gefallen haben wir ihnen nicht getan.“

Dass seine Mannschaft wieder zahlreiche Hundertprozent-Chancen vergab, muss VfB-Trainer Walter eigentlich bedenklich stimmen. „Ich habe, offen gesagt, keine Erklärung“, sagte Walter nach den 90 Minuten. Wieder geht der VfB mit einer Niederlage in eine lange Länderspielpause. „Das ist nicht schön, ich verstehe es auch nicht. Im Training treffen meine Spieler aus allen Lagen.“ Aber eben nicht, wenn es um Punkte geht.

Die Art und Weise, wie Nicolas Gonzalez, von dem der Trainer angeblich immer noch viel hält, Chancen vergibt, kann man eigentlich nur noch peinlich nennen. Und Mario Gomez, der in Walters Planungen offenbar keine Rolle mehr spielt, wird immer erst dann eingewechselt, wenn nichts mehr zu holen ist. Auch Hamadi Al Ghaddioui kam zu spät.

Außenseiter zeigt, wie es geht

Effektivität Fehlanzeige. Ganz anders Osnabrück. Der frühe Führungstreffer durch Torjäger Marcos Alvarez (4. Minute) – Kapitän Marc-Oliver Kempfs Abwehrversuch nach einer Kopfballvorlage von Niklas Schmidt kam zu spät, er fälschte den Ball unhaltbar ab – lähmte den VfB, der kaum Gefahr ausstrahlte. Eine Chance von Philipp Klement in der 18. Minute blieb ebenso folgenlos wie hundertprozentige Möglichkeiten von Santiago Ascacibar (29.) nach einem Pass von Philipp Förster und Gonzalez (41.), der freistehend das Tor nicht traf.

Wenig zielführend, was die Mannschaft von Walter im ersten Durchgang zustande brachte. Atakan Karazor war erneut nicht die erwünschte Schaltzentrale, Walter merkte erstmals kritisch an: „Das war nichts.“ Viel zu langsam, ohne Esprit, keine Spielgestaltung, aber schon nach 26 Minuten die Gelbe Karte.

Im zweiten Durchgang das gleiche Bild. Der VfB spielte überlegen, die Anzahl der Chancen potenzierte sich, aber kein einziger Ball fand sein Ziel. „Immerhin ist es gut, dass wir Chancen haben. Es werden immer mehr“, sagte Walter. Erstmals sagte er auch, es sei keine Frage des Systems, ein Spiel wie das an der Bremer Brücke zu gewinnen. Das kann man so sehen, muss man aber nicht, zumal manche Stuttgarter Akteure über das Spielfeld turnen als hätten sie immer noch nicht so recht verstanden, was der Trainer ihnen für Aufgaben zugedacht hat. Das machten die Aufsteiger aus Osnabrück besser, klare Struktur, schnörkellos, hohe Einsatzbereitschaft, Zweikampfstärke. Dazu hatten sie mit Philipp Kühn einen Torwart in absoluter Bundesligaform.

Im Strafraum geht nichts

Das Spiel des VfB lief immer nur bis zur Strafraumgrenze, in der Box tun sich die Stuttgarter schwer. Auch wenn Sportdirektor Sven Mislintat zutreffend anmerkte, dass sich der Osnabrücker Strafraum immer ziemlich vielbeinig präsentierte. Aber wenn das so ist, muss man ein Offensivspiel auch einmal umstellen können. Das zählt aber offenbar nicht zum Repertoire des Trainers.