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Bayern-Angreifer Mario Mandzukic (l) spielt ganz vorne im offensiven Zentrum. Foto: Andreas Gebert
Bayern-Angreifer Mario Mandzukic (l) spielt ganz vorne im offensiven Zentrum. Foto: Andreas Gebert
09.04.2014

Bayern stürmt mit Kraftakt ins Halbfinale - 3:1 gegen ManUnited

München (dpa) - Nach einem Gegentor als Weckruf ist der FC Bayern München doch noch souverän in das Halbfinale der Champions League gestürmt. Der schon gekürte deutsche Fußball-Meister setzte sich am Mittwochabend im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester United dank einer fulminanten Leistungssteigerung nach der Pause mit 3:1 (0:0) durch.

Damit hat die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola weiter alle Chancen auf die historische Titelverteidigung und den erneuten Gewinn des Triples. Patrice Evra (57. Minute) hatte vor 67 300 Zuschauern in der Münchner Arena mit dem 0:1 für einen kurzen Schockmoment gesorgt.

 

Doch Mario Mandzukic (59.), Thomas Müller (68.) und Arjen Robben (76.) schossen die Bayern zum achten Mal insgesamt und zum dritten Mal nacheinander in das Halbfinale der Champions League. Gespannt blicken die Münchner nun auf die Auslosung an diesem Freitag in Nyon, wo ein Gegner aus Spanien oder England ermittelt wird. Nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit ohne jegliche Torchance wirkte der Gegentreffer wie ein Adrenalinstoß für die lange Zeit ratlosen Bayern und schien eine Blockade in den Köpfen der Profis gelöst zu haben.

 

Lange und intensiv hatte Guardiola gegrübelt und getüftelt, mit welcher taktischen Ausrichtung er die Manchester-Defensive knacken könnte. Er entschied sich für eine extrem offensive Startelf mit Mittelstürmer Mandzukic und im Mittelfeld Robben, Müller, Mario Götze, Franck Ribéry und Toni Kroos.

 

Tatsächlich entwickelte sich vom Anpfiff weg das erwartete Geduldsspiel. Die Bayern gaben vor den Augen ihres ehemaligen Präsidenten Uli Hoeneß anfangs Tempo und Rhythmus vor. Manchester agierte etwas mutiger als im Hinspiel, diszipliniert in der Abwehr und mit Kontern Richtung Bayern-Tor. Nach acht Minuten tauchte Wayne Rooney gefährlich vor Manuel Neuer auf, zögerte aber zu lange mit dem Abschluss. Der Angreifer stand nach seiner Zehenverletzung wie von Guardiola prophezeit in der ersten Elf, setzte aber kaum Akzente.

 

Die Bayern versuchten es über die Außenbahnen mit Robben und Ribéry. Doch meist waren die Räume zu eng, weil die Engländer mit zehn Mann verteidigten. Ribéry probierte es mal aus der Distanz, sein Schuss streifte das Außennetz (27.). Ansonsten aber waren die ersten 45 Minuten ein Genuss für Taktikfreunde, aber kein Fußballfest für die Zuschauer. Die Guardiola-Elf wirkte zunehmend ratlos.

 

«Der letzte Pass kommt nicht an, es fehlt ein bisschen an Konzentration», sagte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer zur Pause im TV-Sender Sky. Bis zum Wechsel waren beide Torhüter praktisch beschäftigungslos. Das Geschehen spielte sich zwischen den Strafräumen ab, Torchancen gab es keine zu sehen.

 

Dabei waren die Fans vor dem Anpfiff noch so euphorisch - trotz des Fehlens der gesperrten Leistungsträger Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez. Mit einer beeindruckenden Choreographie in der Südkurve («Kings of the Cup») stimmten sich die FCB-Anhänger auf das «Tod-oder-Leben-Spiel» (Guardiola) ein. Weil ein Teil der Tribüne wegen eines homophoben Banners aus dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Arsenal geschlossen bleiben musste, durften nur 67 300 Zuschauer in die Arena. Und diese sahen nach dem Wiederanpfiff endlich Tore.

 

Zunächst rettete Neuer gegen den ehemaligen Dortmunder Bundesliga-Profi Shinji Kagawa (55.). Dann aber setzte sich Antonio Valencia auf der rechten Seite durch und flankte in die Mitte zu Evra. Der französische Abwehrspieler ließ Neuer mit seinem wuchtigen Schuss an die Unterkante der Latte keine Abwehrchance. Was fast 60 Minuten lang vermisst wurde, ereignete sich nun innerhalb von 69 Sekunden. Nach Hereingabe von Ribéry köpfte Mandzukic zum 1:1 ein - sein insgesamt sechstes Champions-League-Tor und das vierte per Kopf.

 

Der Gegentreffer schien die Bayern regelrecht belebt und ihre Blockade im Kopf gelöst zu haben. Endlich strahlten sie Offensivfreude und Torgefahr aus. Müller erhöhte nach Robben-Zuspiel im Stile eines Torjägers aus kurzer Distanz zum 2:1. Nur wenig später war es der Niederländer selber, der drei Gegenspieler stehenließ und für das beruhigende dritte Tor sorgte.