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07.03.2011

Bayern-Trainer van Gaal muss im Sommer gehen

MÜNCHEN. Louis van Gaal darf Trainer beim FC Bayern München bleiben - spätestens am Saisonende aber wird er doch zum «Fliegenden Holländer». Der entthronte deutsche Fußball-Meister spielt im Kampf um einen Champions-League-Platz hohes Risiko: Die Bosse um Karl-Heinz Rummenigge entschieden sich trotz einer dramatischen Talfahrt in der Bundesliga gegen einen sofortigen Rauswurf des 59-Jährigen, die vorzeitige Trennung folgt erst am Saisonende.

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«Alle Beteiligten sind sich einig darüber, dass in der derzeit schwierigen Situation gemeinsam sämtliche Kräfte eingesetzt werden, um die sportlichen Mindestziele dieser Saison noch zu erreichen», hieß es am Montag in einer vom Münchner Vorstand und dem Trainer gemeinsam unterzeichneten Presseerklärung.

Bildergalerie: Louis van Gaal: Im Sommer ist Schluss bei Bayern München

 Das Ende der kurzen und vom Double-Gewinn 2010 gekrönten Ära van Gaals in München wurde darin ebenfalls terminiert: Die Vereinsführung einigte sich mit ihrem eigenwilligen Chefcoach in einem mehrstündigen Krisengespräch «in beiderseitigem Einvernehmen» auf eine vorzeitige Trennung im Sommer. Der erst im vergangenen Herbst bis zum 30. Juni 2012 verlängerte Vertrag wird dann aufgelöst - van Gaal wird so zu einer «lahmen Ente» mit fragwürdigem Rückhalt. «Grund für die Auflösung des Vertrages ist die unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Clubs», hieß es vielsagend.

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Ein noch unbekannter Nachfolger wird im Juli das Zepter beim prominentesten deutschen Club übernehmen. Namhafte Kandidaten werden bereits gehandelt, angefangen bei Jupp Heynckes, der schon zweimal in München tätig war und seinen auslaufenden Vertrag bei Bayer Leverkusen bislang nicht verlängert hat. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer gilt als weitere prominente nationale Lösung. Der Ex-Nationalspieler, 2002 Meistertrainer in Dortmund, fuhr bereits am Montagnachmittag überraschend an der Säbener Straße vor, aber wohl nur, um seinen beim FC Bayern spielenden Sohn abzusetzen.

Als internationales Schwergewicht kommt der Bayern-intern seit Jahren hoch geschätzte Niederländer Guus Hiddink ins Spiel, derzeit Coach der türkischen Nationalmannschaft. Auch der ehemalige Bayern-Profi und frühere HSV-Trainer Martin Jol könnte seinem Landsmann van Gaal nachfolgen.

Aktuell richtet sich der Fokus aber noch auf van Gaal und die Bewältigung der Münchner Krisensituation. Das Festhalten an dem Niederländer kam unerwartet und ist mutig - zu bedrohlich erschien die Lage nach dem «absoluten Tiefpunkt der Saison», wie Rummenigge nach dem Desaster in Hannover bilanzierte.

Sieben Punkte ist Leverkusen als Tabellenzweiter voraus, fünf Zähler Hannover auf Rang drei, der zumindest noch zu zwei Qualifikationsspielen für die Champions League berechtigt. «Nicht nur der Zustand der Mannschaft ist kritisch. Es ist eine kritische Situation für den gesamten Verein», sagte Kapitän Philipp Lahm. Die Chemie zwischen Trainer und Spielern soll insgesamt weiter stimmen.

Der Druck auf van Gaal, die Profis und die Bosse ist megagroß: Am Samstag muss im Heimspiel gegen den Hamburger SV ein Befreiungsschlag in der Liga gelingen, um drei Tage später mit neuem Selbstvertrauen ins Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand gehen zu können; die Champions League ist Bayerns letzte Titelchance.

Van Gaal zog den Kopf kurzfristig wohl auch deswegen aus der Schlinge, weil die Bayern-Bosse keine Interimslösung fanden, die ihren einmütigen Zuspruch erhielt. Auch ein Wechsel hätte Risiken gehabt: Als die Bayern im Januar 2007 Felix Magath feuerten, konnte selbst der hochdekorierte Rückkehrer Ottmar Hitzfeld das Ruder nicht abrupt herumreißen - die Bayern verpassten in einer titellosen Saison sogar als Tabellenvierter die Teilnahme an der Champions League.

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bezeichnete die Augen-zu-und-durch-Lösung mit van Gaal in der «Bild» (Montag) darum auch als «sinnvoll». Der Holländer habe «sicher Fehler gemacht», aber in der Vergangenheit auch bewiesen, dass er «ein hervorragender Trainer» sei. «Da ist er mir allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung», sagte Beckenbauer. Jetzt soll es van Gaal als Trainer auf Abruf richten.