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Mitkommen, mitfeiern: Nöttingens Timo Brenner (links) und Reinhard Schenker (Mitte) nehmen die Verfolgung des Torschützen Niklas Hecht-Zirpel auf. Im Hintergrund ärgert sich Grunbachs Torwart Mathias Dörrich über das 0:1. Foto: Gössele, PZ-Archiv
08.04.2013

Bei Niklas Hecht-Zirpel vom FC Nöttingen stehen Abiturprüfungen an

Engelsbrand-Grunbach. Noch keine zehn Minuten waren nach dem Derby in der Fußball-Oberliga vergangen, als der Spieler des Spiels schon wieder an eine andere, mindestens genauso nervenaufreibende Aufgabe dachte: „Jetzt mache ich erstmal mein Abi“, berichtete Niklas Hecht-Zirpel noch auf dem Spielfeld.

Bildergalerie: FC Nöttingen gewinnt Derby in Grunbach

Mit zwei Toren hatte der 19-Jährige den FC Nöttingen zum 2:1 (1:0)-Erfolg beim TSV Grunbach geschossen und geköpft. Mit dem Doppelpack im Rücken fielen ihm sowohl der Blick in die Vergangenheit als auch der in die Zukunft ziemlich leicht: „Ich war acht Wochen verletzt und selbst überrascht, dass mich der Trainer heute reinwirft“, sagte Hecht-Zirpel, der erst unmittelbar vor dem Lokalduell von seinem ersten Startelf-Einsatz seit der Schambeinentzündung erfahren hatte.

In der letzten Woche hatte Trainer Michael Wittwer die Ersatzspieler noch kritisiert: „Wir haben einen großen Kader. Nach der Niederlage gegen Bissingen habe ich den Einwechselspielern gesagt, dass sie sich mehr aufdrängen müssen“, so der FCN-Coach. Bei Hecht-Zirpel hatten die Worte offenbar den erhofften Effekt: „Da musste ich heute natürlich mal ein Zeichen setzen“, meinte der Abiturient, nachdem er seine Stärken eindrucksvoll auf den kleinen Platz im Grunbacher Eichbergstadion gebracht hatte.

War es beim 2:0 der richtige Riecher gewesen, mit dem er ein Missverständnis in der TSV-Defensive ausnutzte, hatte das Nöttinger Eigengewächs beim 1:0 seine Qualitäten auf engstem Raum unter Beweis gestellt: Nachdem Grunbachs Schlussmann Mathias Dörrich seinen ersten Schuss noch abgewehrt hatte, sprang der Ball erneut zu Hecht-Zirpel. Der tanzte Dzenis Skrijelj auf dem Radius eines Bierdeckels aus und Sebastian Rutz wie auch Moritz Bischoff kamen zu spät, um noch helfen zu können. Ein Blick gen Tor, ein Schuss – schon zappelte der Ball links unten im Netz.

Ruppiges Lokalduell

Auf das Tänzchen mit den Gegnern folgte ein Tänzchen mit den Mitspielern: „Derbysieger, Derbysieger“, schallte es nach Spielende aus der Nöttinger Kabine. Mittendrin war da auch Hecht-Zirpel – der zuvor aber auch nicht vergessen hatte, seinen Coach für die richtige Einstellung der Elf zu loben: „Der Trainer hatte uns schon darauf eingestellt, dass man hier kein Fußball spielen kann, sondern Fußball kämpfen muss. Ich finde, das haben wir gut umgesetzt.“ Dass es dabei auch mal ruppiger zuging, konnte der Youngster verkraften: „Es ist Fußball, es ist ein Derby, da muss es so zur Sache gehen“, sagte er grinsend.

Auf das Vergnügen des Oberliga-Derbys folgt für ihn nun die Last der Prüfungen: Friedrich Dürrenmatt statt Skrijelj, Heinrich von Kleist statt Rutz, Franz Kafka statt Bischoff – das sind die „Gegner“, aus denen Hecht-Zirpel morgen wohl auswählen darf. Wie an allen Schulen im Land folgt auch für ihn an der Pforzheimer Waldorfschule am Donnerstag die Mathe-Prüfung, ehe Anfang nächster Woche der Schlussspurt eingeleitet wird. Deshalb hat der Nöttinger, der als A-Jugendlicher Angebote aus Hoffenheim und Karlsruhe ausgeschlagen hatte, am Montag und Dienstag trainingsfrei. Und am Freitag, also zur Halbzeit seiner vier Abi-Prüfungen? Auch da hat Hecht-Zirpel schon was vor: „Da möchte ich wieder knipsen“, kündigte er mit Blick auf das Heimspiel gegen Spielberg an.