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Wer legt wen aufs Kreuz? In der Premierensaison der DRL behielt der KSV Ispringen mit Igor Besleaga die Oberhand. Wie der Streit mit den Ringerverbänden vor Gericht ausgeht, ist offen.  Foto: PZ-Archiv/Ripberger 

Bei den Ringern geht der Streit um die neue Liga unvermindert weiter

ispringen. Ihre Premierensaison hat die Deutsche Ringerliga auf dem sportlichen Parkett weitgehend reibungslos absolviert. Meister wurde der KSV Ispringen. Hinter den Kulissen rumort es aber. Der Streit zwischen den in der DRL zusammengeschlossenen fünf deutschen Spitzenclubs auf der einen, sowie dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) und dem Weltverband UWW auf der anderen Seite geht weiter. Auf Biegen und Brechen. Bis zuletzt hatten die beiden Spitzenverbände versucht, den Wettkampfbetrieb der neuen Ringerliga zu stören.

Wie geht es nun weiter – sowohl auf der Matte als auch auf dem juristischen Parkett? Die PZ versucht, die wichtigsten Fragen zu beantworten.

Wie ist der Stand der juristischen Auseinandersetzung?

Schon zu Beginn der Saison hatte der in der Schweiz ansässige Weltverband versucht, mit der Androhung von Sperren und Geldstrafen die Ringer von der DRL fernzuhalten. Damals war die Ringerliga mit ihrem Antrag auf Einstweilige Verfügung vor einem Schweizer Gericht schnell erfolgreich. Pünktlich zu den Finals hatte sich der UWW erneut gemeldet, wieder mit einem juristischen Vorstoß. Alle Athleten, die in der DRL gerungen haben, wurden für ein Jahr gesperrt, die nationalen Verbände sollen pro Ringer bis zu 2500 Euro Geldstrafe bezahlen. Den Deutschen Ringer-Bund würde es mit 20.000 Euro betreffen. Laut Medienberichten hat DRB-Präsident Manfred Werner angekündigt, das Geld zu bezahlen. Danach will er versuchen, die fünf Rebellen-Vereinen zur Kasse zu bitten.

Wie stehen die Chancen des Weltverbandes und des Deutschen Ringer-Bundes?

Vermutlich schlecht. Europas Gerichte betrachten alle Monopole – auch die von Sportverbänden – aus kartellrechtlichen Gründen mit großer Skepsis. Nimmt man die bisherige Rechtsprechung zum Maßstab, sollte die DRL Recht bekommen. „Es gibt genügend Urteile, die zeigen, dass das Kartellrecht über dem Verbandsrecht von Sportverbänden steht“, sagt DRL-Geschäftsführer Markus Scheu. So unterlag der Internationale Schlittschuhverband ISU vor Gericht mit dem Versuch, niederländischen Eissschnellläufern die Teilnahme an einer privat organisierten Veranstaltung zu verbieten. Ähnliches war in Belgien dem Reiterverband passiert. Und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Richter bei den Ringern anders urteilen könnten. „Ich bin sicher, dass wir Recht bekommen“, sagt Markus Scheu.

Wie will die DRL reagieren?

„Wir möchten die Sache endgültig vor einem deutschen Gericht klären lassen. Jetzt, wo die Saison vorbei ist, haben wir auch die Zeit dafür“, sagt Markus Scheu. Das Problem: Die DRL-Rechtsanwälte wüssten teilweise nicht, gegen was sie klagen sollen, weil Strafen und Sperren zwar oft angedroht, aber eigentlich nie umgesetzt würden. „Da werden einfach die Sportler in die Mangel genommen. Das ist nicht richtig“, sagt Werner Koch. Der Ispringer Unternehmer ist großer Förderer des ersten Ligameisters Ispringen und zugleich Präsident der DRL. Sein Geschäftsführer Scheu weiß aber, dass dem Deutschen Ringer-Bund auch anderweitig Druckmittel bleiben. So könne er deutsche Ringer, die in der DRL starten, einfach nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen. Scheu sieht da auch die Athleten, die die neue und eigenständige Liga befürworten, in der Pflicht: „Da müssen die Ringer auch mal Kante zeigen.“

Was plant die DRL für die kommende Saison?

Die fünf Vereine, die dieses Jahr in der DRL gerungen haben, wollen weitermachen. Ob der KSV Ispringen, der VfK Schifferstadt, der ASV Nendingen, Germania Weingarten und der KAV Eisleben Gesellschaft erhalten, bleibt abzuwarten. „Wir stehen in guten Verhandlungen. Ich denke, dass wir mindestens einen sechsten Verein dazubekommen“, sagt Markus Scheu. Sein Präsident Werner Koch ist ebenfalls optimistisch, rechnet mit zwei Neuzugängen. Dann könnte sich auch das Prozedere der Saison verändern. Bisher rangen die fünf Clubs jeweils dreimal gegen jeden Konkurrenten, die beiden besten Teams bestritten das Finale. Künftig könnte die Saison klassisch mit Hin- und Rückrunde ablaufen und die vier besten Teams dann Play-offs bestreiten. Mit dem Fernsehsender Sport1 will man die Kooperation fortsetzen. 40.000 bis 70.000 Zuschauer verfolgten die Zusammenfassungen, die der TV-Sender am Tag nach den Wettkämpfen ausstrahlte. Das klingt zunächst nicht viel, aber die TV-Macher waren nach Auskunft von Werner Koch sehr zufrieden. Schließlich sei es schwierig, abseits des Fußballs Zuschauer zu gewinnen. So würden Übertragungen populärer Eishockeyclubs aus der DEL oft nur 150.000 Zuschauer vor den Bildschirm locken.

Wie geht es beim Meister KSV Ispringen weiter?

Werner Koch plant auch die kommende Saison mit seinem Erfolgstrainer Alexander Leipold („Er ist sehr erfahren. Er weiß immer, was zu tun ist“) und will auch versuchen, die erfolgreiche Riege zumindest in Teilen beisammen zu halten.