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Dem jungen Hoffnungsträger Timo Werner hat Alexander Zorniger (rechts) viel zu sagen. Doch wie es scheint, trifft der VfB-Trainer nicht immer den richtigen Ton.   Baumann
Dem jungen Hoffnungsträger Timo Werner hat Alexander Zorniger (rechts) viel zu sagen. Doch wie es scheint, trifft der VfB-Trainer nicht immer den richtigen Ton. Baumann
06.10.2015

Beim VfB wird die Außen- und Innenwirkung des Coachs zum Problem

Platz 18 sieht überhaupt nicht gut aus. Aber ein 2:2 im Landesderby bei 1899 Hoffenheim sollte eigentlich dafür taugen, mit zumindest etwas Ruhe in die Länderspielpause zu gehen. Ruhe herrscht beim Bundesligisten VfB Stuttgart dieser Tage aber überhaupt nicht. Die Mitgliederversammlung am Sonntag dürfte turbulent werden.

Für Trainer Alexander Zorniger ist es die erste beim VfB. Und dass es rund um den Verein unruhig ist, liegt nicht nur an der Ausbeute von nur vier Punkten in acht Spielen, sondern auch daran, dass der Coach im Verlauf der Runde statt weniger immer mehr aneckt.

Während der Vorbereitung und nach den ersten Saisonspielen hörte man bei VfB-Profis wie Martin Harnik und Daniel Ginczek gewisse Zweifel an Zornigers offensivem Spielsystem heraus. Diese Stimmen sind leiser geworden – trotz der Ergebnisse. Nun rückt Zorniger mit unglücklichen öffentlichen Aussagen über einzelne Fußballer in den Blickpunkt. Erst traf es Georg Niedermeier, den der Coach öffentlich schlecht redete. Dann Daniel Didavi, dessen sportliche Entwicklung er angesichts der „deutlichen Problematik im Kniegelenk“ skeptisch beurteilte. Dann traf es zum wiederholten Male den 19-jährigen Timo Werner, dem Zorniger indirekt mangelnde Reife zusprach. Nach dem Abpfiff in Sinsheim traf es in der Kabine das gesamte Team.

Der langgediente VfB-Profi Niedermeier hat es als zurzeit nicht berücksichtigter Spieler schwer genug. Motivation geht da anders. Didavi hält seit Wochen trotz Schmerzen durch und zieht die Fäden im VfB-Spiel. Das hätte ein Lob verdient. Werner erzielte in Hoffenheim das späte 2:2 – vergab anschließend jedoch die Chance zu Sieg. „Den konnte Timo gar nicht reinmachen. Er war noch so mit Küsschen verteilen nach dem 2:2 beschäftigt, dass sein Fokus noch nicht darauf lag, ihn reinzumachen“, schimpfte Zorniger. Das Zitat taucht im kommenden Frühling wohl in der Liste der prägenden Aussagen der Saison auf.

Robin Dutt ist gefordert

Zorniger will eine Mannschaft, die seit Jahren nicht in die Hufe kommt, aufrütteln. Im Moment aber verunsichert er sie. Die regionalen Medien schießen sich immer mehr auf ihn ein, die nationalen machen sich eher lustig. Aus dem fernen Berlin ätzt Stuttgarts Ex-Sportvorstand Fredi Bobic und attestiert dem Coach in einer Internet-Kolumne, dem „brutalen Bundesligageschäft mit all seinen Nebenkriegsschauplätzen nicht gewachsen zu sein“. Zuhause versucht Bobics Nachfolger Robin Dutt, die Wogen zu glätten. In der Mannschaft herrscht Unmut über den Trainer. Dutt kennt das Risiko: Aus kleinen Rissen kann schnell ein tiefer Graben werden.

Didavi erklärte sichtlich angefressen: „Der Trainer hat etwas gesagt. Ob ich das so sehe oder nicht, ist zweitrangig. Ich kann nur sagen: Mir geht’s gut.“ Werner sagt nichts. Niedermeier lässt seinen Berater sprechen. Und Zorniger sagt: „Ich gebe durch meine Aussagen vielleicht zu viele Angriffsflächen. Aber das wird sich nicht ändern, hundertprozentig.“