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Die Blau-Weiß-Boxer in den 60er-Jahren; hinten von links: Günter „Bomber“ Dietz, Hans Korhummel, Werner Schmiedel, Peter Landgraf, Günther Bauer, Lothar Witt, Eugen Eisele, Trainer Heinz Weishaar und Engelbert Gayer. Vorne von links: Reinhold Braig, Walter Körper, Hardy Ansorge, Anton Mickel und Thomas Dresner.  Foto: Privat
Die Blau-Weiß-Boxer in den 60er-Jahren; hinten von links: Günter „Bomber“ Dietz, Hans Korhummel, Werner Schmiedel, Peter Landgraf, Günther Bauer, Lothar Witt, Eugen Eisele, Trainer Heinz Weishaar und Engelbert Gayer. Vorne von links: Reinhold Braig, Walter Körper, Hardy Ansorge, Anton Mickel und Thomas Dresner. Foto: Privat
Viele ehemalige Sportler des Boxrings Blau-Weiß Pforzheim trafen sich zum Kameradschaftsnachmittag im Vereinslokal „Benckiserhof“, um über alte Zeiten zu sprechen. Von links: Hubert Jakob, Manfred Dillmann, Dieter Müller, Salvatore Asara (hinten), Manfred Perplies, Heinz Weishaar, Herbert Morlock, Günther Bauer, Walter Körper, Jürgen Kolb, Werner Haug, Hardy Ansorge, Hans Korhummel (hinten), Otto Heim, Manfred Räffle und Bernd Eisele. Foto: Hepfer
Viele ehemalige Sportler des Boxrings Blau-Weiß Pforzheim trafen sich zum Kameradschaftsnachmittag im Vereinslokal „Benckiserhof“, um über alte Zeiten zu sprechen. Von links: Hubert Jakob, Manfred Dillmann, Dieter Müller, Salvatore Asara (hinten), Manfred Perplies, Heinz Weishaar, Herbert Morlock, Günther Bauer, Walter Körper, Jürgen Kolb, Werner Haug, Hardy Ansorge, Hans Korhummel (hinten), Otto Heim, Manfred Räffle und Bernd Eisele. Foto: Hepfer
24.11.2015

Box-Veteranentreff von Blau-Weiß: Mit Uhu die Kampf-Wunden verklebt

Die gute alte Zeit im deutschen Box-Sport ist längst vorüber. Das weiß man auch beim Boxring Blau-Weiß Pforzheim. Doch die Erinnerung an die großen Faustkämpfer aus der Goldstadt und ihre Auftritte in den 1950er- bis in die 1980er-Jahre kann den früheren Aktiven keiner nehmen. „Vor 50 Jahren war die Jahnhalle öfter mal mit bis zu 1300 Zuschauern pickepacke voll“, erzählt Hardy Ansorge. Der 77-jährige, ehemalige Blau-Weiß-Boxer und Ringrichter hat ein Veteranen-Treffen seiner damaligen Kameraden organisiert. Und im Vereinslokal „Benckiserhof“ machte so manche herzhafte Geschichte von früher die Runde.

Geradezu legendär in den 60er-Jahren, und das betonen alle Ehemaligen, seien die Qualitäten von Trainer Heinz „Ulsch“ Weishaar als Sanitäter in der Ringecke gewesen. „Er hat uns die Cuts und kleinen Wunden am Kopf immer mit Uhu verklebt. Dann ging es weiter“, erzählt Hardy Ansorge, gleichzeitig Schwager von Weishaar. „Weil ich meistens viele Verletzungen hatte, war ich quasi sein Hauptopfer“, ergänzt Manfred Perplies und grinst.

Der dreimalige deutsche Polizeimeister stammt aus Ostpreußen, ist aber in der Goldstadt groß geworden. „Besonders harte Kämpfe haben mich immer angespornt, es beim nächsten Mal noch besser zu machen“, sagt er. Eine „irre Kameradschaft“ habe man in der Mannschaft gehabt, betont Günther Bauer, der einst als boxender Bürgermeister für Furore sorgte. „Das Boxen hat mich fürs Leben geprägt“, bekennt er. „Egal, ob blaue Flecken, geschwollene Lippen oder ob ich nach einem Leberhaken auf dem Hintern gelandet bin – das war wie ein Sucht.“

Ähnlich ging es Hans Korhummel, der erst vor Kurzem seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, und immer noch als Ringrichter im Seilgeviert steht. Fünfmal vom Weltergewicht bis zum Mittelgewicht war Korhummel badischer Meister bei den Junioren und Senioren. Hinzu kam eine Bronzemedaille bei deutschen Juniorenmeisterschaften. „Ich habe beim Boxen und bei Blau-Weiß viele nette Stunden erlebt und kann diesen Sport nur weiterempfehlen“, meint Korhummel. Boxen sei gut für die körperliche Entwicklung. Außerdem werde das Durchhaltevermögen geschult. Das war beim ehemaligen deutschen Meister Walter Körper (83) besonders ausgeprägt. Denn der Pforzheimer musste im Fliegengewicht ständig gegen den Olympiazweiten von Helsinki, Edgar Basel aus Mannheim, in den Ring. „Ich habe ihm das Leben so schwer wir möglich gemacht, aber nie gewonnen“, berichtet Körper, der 1968 für die Olympischen Spiele in Mexiko City nominiert wurde. „Ich habe aber abgesagt, weil mir mein Geschäft wichtiger war. Das habe ich nie bereut“, versichert der Schrotthändler.

Beim Blau-Weiß-Club musste für Körper oft Manfred Räffle als Ringpartner herhalten. Der Birkenfelder Gemeinderat und Gärtnermeister ist nach einem Unfall zum Sport gekommen. „Wegen meines Spitzfußes hat der Arzt nur gesagt, Boxen oder Ballett. Da war die Wahl nicht schwer.“

Pure Leidenschaft ist der Faustkampf auch für Salvatore Asara (72). In den 60er-Jahren ist der gebürtige Sarde nach Pforzheim gekommen und hat sich in der Region vor allem einen Namen als Fußball-Schiedsrichter gemacht. „Ich hatte noch nie Probleme auf dem Platz“, bekennt Asara. Und wer auf den Umfang seines Bizeps schaut, weiß ganz genau warum.