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Die Stuttgarter Kickers müssen den Gang in die Regionalliga antreten.
Die Stuttgarter Kickers müssen den Gang in die Regionalliga antreten. © jor
15.05.2016

Brutales Saisonende für die Stuttgarter Kickers: Wie geht es nun weiter?

Nach dem Abstieg aus der 3. Fußball-Liga stehen die Stuttgarter Kickers vor dem Nichts. Mit großen Ambitionen – intern ging die Richtung klar in Liga 2 – erlebte die Mannschaft am Ende den Totalabsturz. «Im Prinzip haben uns drei Monate komplett ruiniert», sagt Sportdirektor Michael Zeyer mit Blick auf die Serie von 15 Spielen ohne Sieg zwischen September und Januar. Bereits im November hatte der Verein sich deshalb vom lange umjubelten Trainer Horst Steffen getrennt.

Doch unter Neu-Trainer Tomislav Stipic wurde schnell klar, dass die Probleme tiefer liegen. Erst nach radikalen, umstrittenen Einschnitten – der Verkauf von Elia Soriano, der jetzt die Würzburger Kickers in die Relegation schoss, oder die nie richtig aufgeklärte Suspendierung der Führungsspieler Gerrit Müller und Enzo Marchese – stimmte im neuen Jahr die Punktebilanz. Doch alle hinter sich brachte der kantige Trainer nie. Und die Aufholjagd kam zu spät, wie das bittere Abschlusszeugnis zeigt.

Durch das 0:1 gegen den Chemnitzer FC am Samstag und den Last-Minute-Treffer Wehen Wiesbadens gegen den bereits abgestiegenen VfB II ist es den Kickers wegen eines einzigen Tores nicht gelungen, nach einer Horrorsaison mit dem Schrecken davonzukommen.

Es ist unwahrscheinlich, dass es mit Stipic in der Regionalliga weitergehen wird. Der Rückhalt in der Mannschaft dürfte durch das Scheitern weiter bröckeln. Wobei: Welche Mannschaft? Denn nicht nur was den Trainer, sondern das gesamte Personal angeht, stehen die Kickers vor vielen ungeklärten Fragen. Ebenso wie Stipics Kontrakt gelten die der Spieler nur für Liga 3. Die kommenden Tage werden zeigen, welche Akteure der Verein halten kann oder überhaupt will. Treuebekenntnisse hatte es bisher keine gegeben.

Ebenso dürfte es für den mittlerweile auch intern umstrittenen Sportdirektor Zeyer eng werden. «Wie es jetzt weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Aber klar ist, dass wir Verantwortung übernehmen müssen», betonte der ehemalige Profi.

Doch so hart wie 2009 trifft der Abstieg die Kickers laut Präsident Rainer Lorz nicht: «Jetzt ist alles in geordneten Bahnen, das war es damals nicht», versichert er trotz Schulden in Höhe von rund 2 Millionen Euro und des Investors Quattrex, der die Kickers mit der Rückforderung seiner Darlehen möglicherweise in die Insolvenz treiben könnte. Das wird aber kaum geschehen, da das Unternehmen dem Verein verbunden ist. Zudem wäre die Investitionssumme dann wohl verloren.

Auch viele andere Partner könnten den Gang mitmachen. Mit Hauptsponsor MHP ist man seit einige Wochen in guten Gesprächen. Ob das Gesamtpaket direkt reichen würde, um vorne mitzumischen, vermag aber noch keiner zu sagen.