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Alles reingeworfen und doch verloren haben die „Rhinos“ (weiß-grüne Trikots) von Rugby Pforzheim gegen den RK Heusenstamm.  Foto: J. Keller 

Bundesligist Rugby Pforzheim muss in Last-Minute-Drama den Sieg abgeben

Pforzheim. Das war nichts für schwache Nerven. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebten die Zuschauer am vergangenen Samstag im Kellerduell der Rugby-Bundesliga Süd/West zwischen Rugby Pforzheim und RK Heusenstamm. Wechselnde Führungen, Aufholjagden und als dann die Fans der „Rhinos“ bereits den lange erhofften Heimsieg vor Augen hatten, legte der RKH einen erhöhten Last-Minute-Versuch zum 31:31. Ein Straftritt in der Nachspielzeit besiegelte die 31:34-Niederlage von Rugby Pforzheim.

Gleich nach dem Anpfiff waren die „Rhinos“ mit 7:0 in Führung gegangen, lagen aber 12:19 zur Halbzeitpause im Rückstand. Doch die Pforzheimer kämpften sich mit viel Begeisterung zehn Minuten vor Schluss auf eine 31:19-Führung an den nahen Sieg heran. Antipas Kamkwindo legte zwei Versuche, je einmal legten Greg Hierse, Andrew Reintges und Kelvin de Bruyn das Lederei im gegnerischen Malfeld ab. Alexander Onyeahasi verwandelte drei von fünf Erhöhungskicks. Selbst der Anschlussversuch der Heusenstammer fünf Minuten vor Abpfiff zum 31:24 schien eigentlich noch zu verschmerzen sein.

Zwei Bonuspunkte mildern den Schmerz

Doch so groß die Enttäuschung über die in letzter Minute unglücklich entgangenen fünf Siegpunkte zunächst auch gewesen sein mag, am mutigen und alle Reserven fordernden Spiel der Pforzheimer gab es nach dem harten Kampf im SüdwestEnergie-Stadion in Pforzheim-Eutingen nicht wirklich etwas zu bemängeln. „Wir sind für die Revanche bereit und werden alles geben“, hatte Rugby-Pforzheim-Sprecher Robin Häberle vor dem Spiel erklärt. Bis eine Minute vor dem regulären Spielende sah es auch nach einer glücklichen Revanche für die 13:18-Hinspielniederlage aus.

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So blieb es immerhin bei zwei Bonuspunkten, weil die „Rhinos“ fünf Versuche legten und weniger als sieben Spielpunkte Differenz aufwiesen. Weil der direkte Abstiegskonkurrent und vor dem 12. Spieltag punktgleiche RC Luxemburg beim Heidelberger RK mit 39:24 und ohne Bonuspunkt verloren hat, weist nun Rugby Pforzheim auf dem siebten Tabellenplatz zwei Punkte mehr als der Tabellenletzte RCL auf. Aber wegen des HRK-Siegs hat Rugby Pforzheim nur noch rein rechnerisch Chancen auf den sechsten Tabellenplatz, den der HRK jetzt mit 19 Punkten einnimmt. Am Saisonende könnten die „Rhinos“ den siebten Platz halten und damit ein Relegationsspiel gegen ein Zweitligateam erzwingen.

Nächste Siegchance im nächsten Heimspiel

Die nächste Chance auf einen Heimsieg gibt es bereits am 14. Mai gegen den Heidelberger RK, gegen den Rugby Pforzheim im Hinspiel nur ganz knapp mit 20:23 verloren hatte. Sollte am gleichen Tag den Luxemburgern in ihrem Heimspiel gegen die RG Heidelberg (4. Platz) kein Überraschungssieg gelingen, wären Pforzheimer Bonuspunkte gegen den HRK vielleicht schon die Rettung im Kampf gegen den direkten Abstieg.

Das Kuriose daran: In den 2010er-Jahren wäre diese Partie das Top-Spiel in der Rugby-Bundesliga Süd/West gewesen. Nach sechs deutschen Meisterschaften in Folge konnte der TV Pforzheim als Vorläufer von Rugby Pforzheim den HRK 2016 im Finale schlagen und sich selbst den Meisterpokal sichern. Danach wurde der HRK noch zweimal deutscher Meister, während sich der TVP in den 2010er-Jahten mehrere Vizemeisterschaften erkämpfte, einen Meistertitel im 7er-Rugby, einen DRV-Pokalsieg und den Titel im europäischen Nordsee-Cuo holte. Der Glanz dieses Jahrzehnts ist bei beiden Teams inzwischen verblasst. Dafür konnte Rugby Pforzheim inzwischen in der Jugendarbeit neue Akzente setzen und die Frauenmannschaft scheint auf einem guten Weg zu sein.