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Vergebens reklamierten die Pforzheimer Spieler bei Schiedsrichter Willenbrock einen Handelfmeter. Eibner
19.08.2018

CfR Pforzheim schnuppert vor vollem Haus an der Pokal-Sensation

Manchmal verdichten sich große Dinge im Kleinen. Manchmal verdichten sich die 90 Minuten eines Fußballspiels in wenigen Umdrehungen des Sekundenzeigers. So wie am Samstag im altehrwürdigen Holzhof-Stadion in Pforzheim, wo sich das Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen dem gastgebenden Oberligisten 1. CfR und Europa-League-Starter Bayer 04 Leverkusen ganz gut auf die kurze Zeitspanne von der 23. bis 27. Minute verdichten lässt.

Sie beginnt mit der besten Chance der Partie für den Pforzheimer Neuzugang Stanley Ratifo und endet mit dem Elfmeter, den Leverkusens Lucas Nicolas Alario humorlos zum Tor des Tages ins Pforzheimer Tor drosch.

Pforzheim feiert CfR trotz Niederlage gegen Leverkusen

Am Ende des Tages freuten sich in Pforzheim alle über den Auftritt des Oberligisten, den die meisten der Mannschaft so nicht zugetraut hatten. Das Team hatte an der Pokal-Sensation geschnuppert. „Ich bin extrem stolz auf den Verein und extrem stolz auf die Mannschaft, wie sie sich heute gegen eine der besten Mannschaften Deutschlands präsentiert hat“, bilanzierte CfR-Coach Gökhan Gökce die Partie, an deren Ende er ein paar Tränen verdrücken musste, auch, weil seinem Team bei einer möglichen Elfmeterentscheidung zugunsten von Pforzheim das „Schiedsrichterglück“ fehlte, weil das ersehnte Tor nicht geglückt war und die durchaus mögliche Verlängerung verpasst wurde.

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Als Stanley Ratifo in zentraler Position im Strafraum frei zum Schuss kam, hatte er es in der Hand, die Grundlage für eine Pokalsensation zu legen (23.). Doch Leverkusens Torhüter Ramazan Özcan parierte mit einer Glanztat. „Mein Fehler war, dass ich überlegt habe“, schilderte Pforzheims Angreifer die vergebene Großchance.

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Fast im Gegenzug dann die Entscheidung: Pforzheims Akiyoshi Saito zog bei einer Ecke Sven Bender am Trikot zu Boden, Schiedsrichter Frank Willenborg entschied nach kurzem Zögern auf Elfmeter, Leverkusens Alario trat an und verwandelte. „Solche Zweikämpfe gab es viele. Den muss man nicht pfeifen, aber der Schiedsrichter hat so entschieden“, ärgerte sich Saito.

Die Führung war zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaft, weil die Bayer-Elf sich schwer tat und noch keine Torchance hatte. Später hatten sie durchaus ihre Chance, beim Freistoß von Kevin Volland an die Latte (37.), beim Knaller von Kai Havertz an die Unterkante der Latte (72.), bei der großen Kopfball-Gelegenheit von Isaac Kiese Thelin (82).

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Aber auch die tapferen Pforzheimer hatten Möglichkeiten, zumindest die Verlängerung zu erreichen. Erst jagte Dominik Salz bei einem Konter den Ball an den Pfosten (76.), dann reklamierten die Gastgeber zwei Minuten später vergeblich einen Handelfmeter für sich, als ein Kopfball im Strafraum an Sven Benders Körper gelandet war – ob am Arm oder an der Schulter, darüber gaben auch die Fernsehbilder keine endgültige Auskunft. „Für mich war es kein Strafstoß. Aber die Regel ist ja ein bisschen undurchsichtig. Wenn er es pfeift, ist es Elfmeter“, sagte Bender später.

Am Ende freuten sich die Leverkusener einfach darüber, dass sie weitergekommen waren. Und die Pforzheimer darüber, dass sie dem großen Gegner Paroli hatten bieten können.