nach oben
Intensiv beschäftigt sich CfR-Vorstandsvorsitzenden Markus Geiser dieser Tage wieder mit den Plänen für die Sanierung im Stadion Brötzinger Tal. Mildenberger
16.12.2016

CfR-Vorstand Geiser: „Ich kann die Sorgen der Mitglieder verstehen“

Eigentlich läuft es ziemlich gut beim 1. CfR Pforzheim. Nach der Fusion vor sechs Jahren ist der Club auf einem guten Weg. Wenn da nicht das leidige Thema Stadionausbau wäre. Das Thema zieht sich wie Kaugummi, die Mitglieder sind sauer. CfR-Vorstandsvorsitzender Markus Geiser klärt auf über den Stand der Dinge.

Bildergalerie: Die neuesten Entwürfe zum CfR-Stadionneubau

PZ: Als Architekt sind Sie beruflich auch öfter in Berlin unterwegs: Was wird eher fertig: Der Flughafen Berlin oder das Stadion Brötzinger Tal?

Markus Geiser (lacht): Eröffnungstermin in Berlin soll ja Ende 2017 sein, was aber auch angeblich wieder fraglich ist. Also Ende 2017 schaffen wir im Brötzinger Tal definitiv nicht. Wobei ich aus geschäftlichen Gründen sagen muss: Ich bin seit drei Jahren regelmäßig, zwei bis drei Mal im Monat in Berlin. Ich wäre sehr froh, wenn der Flughafen bald fertig wäre. Der alte Flughafen Tegel nervt schon richtig. Von daher kann ich meine Mitglieder in Bezug auf das Brötzinger Tal richtig gut verstehen.

PZ: Warum dauert das so lange?

Nun ja, die Leute sagen, wir sind jetzt sechs Jahre fusioniert und das Stadion ist nicht fertig. Aber man muss das auch mal realistisch sehen: Es könnte zwar manchmal etwas schneller gehen, aber wir bauen im Brötzinger Tal jetzt seit drei Jahren. Die Verträge fürs Brötzinger Tal wurden erst 2013 unterschrieben. Es gab bei der Fusion 2010 ja erst mal die lange Diskussion um den Ausbau des Holzhofes.

PZ: Nach der Verzögerung sind viele Mitglieder und Fans des CfR sauer, was auch zahlreiche Zuschriften an die PZ belegen: Wie sieht der aktuelle Stadion-Fahrplan aus Sicht des CfR aus?

Ich kann als Vorstandsvorsitzender die Sorgen und die Wut unserer Mitglieder verstehen. Man muss aber auch die finanziellen Nöte der Stadt bei der Aufstellung des Doppelhaushaltes 2017/18 verstehen. Vorstandsvorsitzender des 1. CfR zu sein ist mitunter sehr schwierig, aber Gemeinderat oder gar Bürgermeister möchte ich zurzeit in Pforzheim gewiss nicht sein. Aktueller Stand ist in Absprache mit der Stadt, dass die neu eingereichte Variante 3 (Tribüne und Funktionsgebäude getrennt, die Red.) favorisiert ist, weil diese auch im Rahmen der Kostensteuerung einfacher zu handhaben ist. Ende Februar soll der Entwurf in den Gemeinderat. Momentan gehen wir aktiv auf die Fraktionen zu, um im persönlichen Gespräch zu informieren. Die bisherigen Signale sind positiv.

PZ: Das dauert doch alles viel zu lange, oder?

Also, wenn der positive Beschluss Ende Februar kommen sollte, dann glauben viele Leute, wir fangen am nächsten Tag an zu bauen. Aber das ist nicht der Fall. Wenn das Okay da ist, kommt der Bauantrag, die Genehmigungsphase, die Werkplanung, diverse Gutachten, Prüfstatik etc. Das kann gut und gerne ein halbes Jahr gehen. Dann wären wir im Herbst 2017 und könnten anfangen zubauen. Um Zeit zu gewinnen, wollen wir schon jetzt parallel zu den Gesprächen einen Bauantrag zur Alternative 3 stellen, um die Planungsphase etwas zu verkürzen. Wenn alles gut geht, könnten wir im Sommer 2018 fertig sein.

PZ: Auch bei der abgespeckten Variante 3 fehlen zur Finanzierung noch einmal 190 000 Euro, wie kürzlich im Sportausschuss bekanntgegeben wurde. Wieso?

Das ist ein leidiges Thema. Wir arbeiten teilweise noch mit Kostenwerten von November 2011 und Januar 2013. Weil verschiedene Dezernate sehr gründlich und gewissenhaft gearbeitet haben und arbeiten, zieht sich das Projekt wie ein Kaugummi. Den Markt draußen interessiert das aber nicht. Allein von Mitte 2014 bis Mitte 2016 stiegen die Baupreise um elf Prozent. Zurzeit gibt es auch Probleme, überhaupt Handwerker zu bekommen.

PZ: Auch beim Clubhaus-Neubau liefen die Kosten aus dem Ruder. Es soll auch hier gespart werden, indem der CfR den Innenausbau in Eigenregie bewerkstelligt. Schafft ihr das?

Ja, wir haben sehr viele Handwerker im Verein, die schon ihre Bereitschaft signalisiert haben, hier zu helfen. Das ziehen wir durch. Aus dem Ruder gelaufen sind die Kosten nicht durch unser Verschulden. Das Problem beim Clubhaus war, dass vom damaligen Dezernat 2 im Rathaus Zusagen nicht eingehalten und nachträglich Brandschutzmaßnahmen definiert wurden, welche die Kosten deutlich erhöhten und das Projekt erst mal zum Stillstand gebracht haben. Da wollte man uns den Schwarzen Peter zuschieben, was mich sehr wütend gemacht hat. Aber das Thema ist abgehakt.

PZ: Wie läuft jetzt die Zusammenarbeit mit der Stadt, die ja Eigentümerin des Stadions ist?

Ziemlich gut, auch wenn das momentan viele Mitglieder vielleicht nicht verstehen – wegen der Verzögerungen. Wir haben vor allem mit dem Amt für Bildung und Sport eine hervorragende Zusammenarbeit. Vor allem seit Herr Tetting dort für unser Anliegen zuständig ist, hat die Zusammenarbeit eine andere Qualität bekommen. Wenn wir Vorstände keine Erfolgsperspektive sähen, hätten wir den Bettel doch längst hingeschmissen.

PZ: Die Vereinsführung ist ehrenamtlich tätig? Wie groß ist für Sie persönlich die zeitliche Belastung? Wie schaffen Sie das?

Der Arbeitsaufwand in der frühen Phase nach der Fusion, so 2010 bis 2012, waren bestimmt im Schnitt 25 bis 30 Stunden in der Woche. Das war eine enorme Belastung. Jetzt hat sich im Vorstand alles eingespielt. Vieles wurde optimiert, jeder hat seine Leute, die ihm zuarbeiten. Aber zehn bis 15 Stunden pro Woche sind es immer noch, die anfallen. Aber das Ehrenamt macht Spaß und hat – denke ich – auch die notwendige Qualität, die der 1. CfR Pforzheim auch benötigt. Ich behaupte mal, nicht nur die Mannschaft, auch die Vereinsführung hat mindestens Oberliganiveau.

PZ: Unabhängig vom leidigen Thema Stadion: Wie läuft es im Fusionsverein CfR, den es jetzt seit sechseinhalb Jahren gibt?

Sehr, gut. Bei der Fusion 2010 hat uns ja keiner etwas zugetraut. Sechs Jahre später haben wir die Mannschaften in der Aktivität jeweils eine Klasse höher. Unsere Sponsoring-Einnahmen haben wir verdreifacht. Wir bedienen unsere Kredite pünktlich. Wir zahlen unsere Gehälter pünktlich. Wir haben die Jugendabteilung reformiert, die aktuell sehr erfolgreiche Runden spielt. Unsere Eishockey-Abteilung war vergangene Saison Meister. Unsere Frauenmannschaft führt die Tabelle an und wir haben aktuell eine der größten, wenn nicht die größte, eigene Behindertenfußballabteilung in Deutschland. Wir haben den Verein in eine positive Richtung entwickelt, die uns keiner zugetraut hat.

PZ: Wie sind Sie mit der sportlichen Entwicklung beim CfR zufrieden?

In der laufenden Saison hatten wir nach einem super Start einen kleinen Hänger. Die Leistungsdichte in der Oberliga ist aber auch enorm. Von eins bis zwölf kann jeder jeden schlagen, behaupte ich mal. Und man muss sehen, dass wir teilweise sehr junge Spieler haben und auch – vor allem in der Viererkette – großes Verletzungspech hatten. Meine mittelfristigen persönlichen Ziele haben sich grundsätzlich nicht geändert im Verein. Ich will irgendwann in den DFB-Pokal, irgendwann in die Regionalliga aufsteigen und ich will den Verein schuldenfrei sehen.

PZ: Der Regionalliga-Aufstieg in der kommenden Saison 17/18 wäre ideal, oder?

Ein Aufstieg lässt sich ja nicht planen, man muss ihn mitnehmen, wenn es sich ergibt. Grundsätzlich ist es so, dass wir alle daran arbeiten, irgendwann einmal Regionalliga-Niveau zu erreichen – sportlich, in der Vereinsführung und in der Infrastruktur.

PZ: Würde man für den Holzhof übergangsweise eine Regionalliga-Lizenz erhalten?

Wir hatten diese ja schon in der vergangenen Saison beantragt. Sie wurde ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Wir haben dann nicht weiter nachgehakt, weil der Aufstieg später kein Thema mehr war. Ich bin aber überzeugt, wenn ich mir andere Stadien von Regionalligisten ansehe, dass es übergangsweise auch auf dem Holzhof gehen müsste.