nach oben
20130126osnabrueckkscM 017.jpg
KSC vor Osnabrück
26.01.2013

Chaos-Spiel: KSC besiegt Osnabrück

In einem nervenaufreibenden Spiel besiegte der KSC am Samstagnachtmittag den Drittliga-Tabellenführer VfL Osnabrück mit 2:3 (0:2). Der sportliche Aspekt stand dabei jedoch erst am Ende im Mittelpunkt: Nach chaotischen Szenen auf dem Platz und Schneeballwürfe von den Rängen musste das Spiel in der ersten Halbzeit für über zehn Minuten unterbrochen werden. Nach einer Drei-Tore-Führung machte der KSC das Spiel gegen Ende zudem nocheinmal unnötig spannend.

Bildergalerie: KSC gewinnt im Spitzenspiel gegen Osnabrück

KSC-Trainer Markus Kauczinski setzte als Ersatz für den verletzten Kempe auf Kevin Akpoguma. Zudem verdrängte Blum über den Winter Alibaz als linken offensiven Mittelfeldmann. Ansonsten setzte der Cheftrainer auf dieselbe Elf, die zuletzt neun Ligasiege in Folge erkämpfte.

Mit einem Fernschuss setzte Hakan Calhanoglu in der siebten Minute den ersten Akzent in einer anfangs zerfahrenen Partei. Der neuverpflichtete Osnabrück-Keeper Rickert konnte den Ball jedoch im Nachfassen parieren. Neumann für Osnabrück und Hennings auf der Gegenseite sorgten nach einer Viertelstunde für weitere Gefahr von der Strafraumkante.

Als die Partie gerade zu verflachen drohte, sorgte Torwart Rickert in der 24. Minute mit einem Blackout für den Beginn einer unfassbaren Aufregung. Nach einer verpatzten Annahme eines Rückpasses kam der Ball über Hennings zu van der Biezen. An der Seitenlinie sah der Keeper den Holländer nun aufs leere Tor zulaufen – und brachte ihn dann aufs rustikalste zu Fall. Schiedsrichter Winkmann zückte Rot. Hart, aber vertretbar.

Zumbeel kam ins Osnabrücker Tor, Feldspieler Nagy verließ dafür den Platz. Doch das aufgebrachte Osnabrücker bekam nach fünfminütiger Unterbrechung gleich den nächsten Aufreger. Der fällige Freistoß nach dem Rickert-Foul kam zu Gordon. Sein Schuss wurde im Strafraum von Beermann aus kürzester Distanz mit dem Oberarm geblockt: Elfmeter. Den ersten Bildern nach eine zweifelhafte Entscheidung.

Während einige VfL-Fans die Fassung verloren, blieb Hakan Calhanoglu wie gewohnt eiskalt. Ins linke Eck platziert hatte Zumbeel keinerlei Chance, obwohl er die Ecke ahnte. Eine bei aller Aufregung nicht unverdiente Führung für die Badener. Winkmann verwies zudem „Rumpelstilzchen“ Wollitz auf die Tribüne, der zuvor zu energisch reklamiert hatte.

Ein weiteres Tor des Karlsruher-Supertalents ließ einige Osnabrücker dann jegliche Manieren vergessen. Van der Biezen hatte einen langen Ball von der Grundlinie zurückgelegt. Calhanoglu guckte sich dieses Mal das rechte Toreck aus und düpierte per Innenrist den unglücklichen Zumbeel erneut: 2:0.

Nachdem nun dutzende Schneebälle auf Karlsruher Spieler, Betreuer und den Schiedsrichter-Assistenten flogen und die Situation zu eskalieren drohte, unterbach Winkmann nach dem Tor das Spiel für über zehn Minuten. Die wahrscheinlich beste Entscheidung in dieser Lage, die dem Unparteiischen spätestens nach dem Elfmeter entglitten war.

Ein Lattentreffer von Pisot blieb das einzige Highlight nach Wiederbeginn. Weit über eine Stunde nach eigentlichem Anpfiff, nach acht Minuten Nachspielzeit und unzähligen Aufregern ging so eine denkwürdige Halbzeit beim Stand von 2:0 aus Sicht der Karlsruher in die Pause. Das Sportliche blieb dabei jedoch die meiste Zeit nur Nebensache.

Nach der Halbzeit entwickelte sich erstmals ein wirklich temporeiches und dem Prädikat „Spitzenspiel“ sportlich angemessenes Spiel. Kevin Akpoguma bewies in der 52. Minute , dass ihn Horst Hrubesch in der U-19-Nationalmannschaft nicht umsonst im Sturm aufbietet. Von der linken Seiten zog das Defensivtalent nach innen, schloss mit rechts ab und erzielte so per Flachschuss das 3:0.

Hrubeschs Positionsspiele bestätigte der umworbene Deutsch-Nigerianer knapp zehn Minuten später erneut. Dieses Mal allerdings in einem eher negativen Sinne: Geatano Manno profitierte von einem Stellungsfehler des Verteidigers. Nach einem Sololauf konnte der Osnabrücker Orlishausen zum 1:3 überwinden und brachte somit wieder Spannung in die Partie. Auf den Rängen waren die Osnabrücker Fans derweil ohnehin wild entschlossen, ihr Team doch noch zum Erfolg zu peitschen. Die zahlreichen Karlsruher Anhänger standen dem allerdings in nichts nach – und verhielten sich zudem tadellos.

Osnabrück fraß sich in der Karlsruher Hälfte fest, gerade die linke Defensivseite mit Akpoguma und dem eingwechselten Krebs wurden hierbei immer wieder attackiert. Außer Halbchancen sprang bei den zunehmend müde wirkenden Gastgebern jedoch wenig heraus.

Der eingewechselte Patrick Dulleck hätte den Sack in der 79. zumachen müssen. Vor dem leeren Tor, nachdem er Zumbeel bereits umkurvt hatte setzte das Eigengewächs den Ball nur ans Außennetz. David Pisot rächte diesen Leichtsinn mit einem Traumfreistoß aus zwanzig Metern. Der Anschlusstreffer in der 82. Minute.

Der KSC wackelte jetzt natürlich, während Osnabrück alles in die Waagschlage warf. Doch alles Rennen der Gastgeber, die eine unfassbare Moral bewiesen sollte nichts nutzen. Eine letzte Unsicherheit von Orlishausen, ein Schuss von Manno aufs verwaiste Tor: Doch mit einem Reflex konnte der Keeper seinen Fehler noch ausbügeln. Der Schlusspunkt eines unglaublichen Spiels.

Fernab allen Chaos stellt der Karlsruher SC damit einen neuen Rekord in der Dritten Liga auf: 10 Siege in Serie, das gab es noch nie. Nur ein Punkt fehlt noch auf den besiegten Tabellenführer Osnabrück. Ein großer Erfolg, der jedoch im Schatten eines der turbulentesten KSC-Spiele der letzten Jahre steht. Nächste Woche folgt bereits das nächste Spitzenspiel im Wildpark gegen Arminia Bielefeld.