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Manuel Mönch (am Ball) und seine Teamkollegen der SG Pforzheim/Eutingen würden gern wieder auf Torejagd gehen.  Foto: PZ-Archiv, Becker 

Corona-Krise im Sport: Oberliga-Fußballer sorgen sich um Existenz - Handballer sehen Lage nicht ganz so schwarz

Pforzheim. Bis Ostern haben die Handball- und Fußballverbände den Spielbetrieb eingestellt. Aber was kommt danach? Im Idealfall wird die Saison zu Ende gespielt. Doch was, wenn man bis zum 19./20. April die Ausbreitung des Coronavirus nicht in den Griff bekommt? Soll man dann die Saison abbrechen – wie es inzwischen die 1. und 2. Handball-Bundesliga der Frauen getan hat?  Wie soll die Runde dann gewertet werden? Und was bedeutet ein vorzeitiges Rundenende wirtschaftlich? Die PZ hat bei den höherklassigen Vereinen in der Region nachgefragt.

FUSSBALL

1. CfR Pforzheim

Man müsse aus dieser Krise das Positive herausziehen, findet Torsten Heinemann. Der Vorstand Sport der Pforzheimer Oberliga-Kicker  (aktuell Platz 14 und damit einen Rang vor der Abstiegszone) glaubt nicht dran, dass die Runde noch weiter geht. „Meiner Meinung nach ist das nicht mehr möglich, weil uns die Zeit davonläuft“, sagt er. Sein Vorschlag: „Niemanden absteigen lassen und der, der auf Platz eins steht, darf aufsteigen.“ 

Wirtschaftlich tut sich der CfR derzeit allerdings schwer positiv zu denken. „Die Situation ist alles andere als lustig“, sagt der Vorstandsvorsitzende Markus Geiser. Neben laufenden Gehältern für Spieler und Angestellte haben die Pforzheimer auch noch laufende Kosten wegen des Stadionumbaus im Brötzinger Tal, den der CfR anteilig mitfinanziert. Wenn nun die restlichen 13. Saisonspiele (davon sechs Heimspiele) ausfallen und damit eingeplante Einnahmen wegfallen, könnten die Handwerker nicht mehr bezahlt werden. Schmerzlich wäre vor allem das Wegfallen des Derbys gegen Nöttingen, das in der Rückrunde in Pforzheim stattfinden sollte. „Für uns ist die Situation existenzbedrohend“, so Geiser, der auf Solidarität zwischen Profi- und Amateurvereinen hofft. „Das ist eine schwere Zeit für das ganze System wie es jetzt gerade ist.“ Man prüfe gerade, ob man Kurzarbeit anmelden könne, so Geiser. 

FC Nöttingen

Für „völlig ausgeschlossen“, hält FCN-Vorstand Dirk Steidl die Fortsetzung der Saison. Steidl geht davon aus, dass die Tabelle so wie sie aktuell aussieht, gewertet wird – allerdings ohne Absteiger und Relegationsspiele, aber mit dem Tabellenführer als Aufsteiger. Ein vorzeitiger Saisonabbruch sei eine „Katastrophe“, sagt Steidl. „Für uns ist das existenzbedrohend“, sagt der Vorstand des Oberliga-Zwölften. Sechs Heimspiele wären für Nöttingen noch angestanden, den Verlust pro Spiel schätzt Steidl auf 5000 Euro. Sponsoren könne man derzeit kaum um Hilfe bitten. „Die haben ja selbst ihre Probleme, keiner weiß wie es weiter geht.“

HANDBALL

TGS Pforzheim

Abteilungsleiter Wolfgang Taafel würde die Drittligasaison gern zu Ende spielen. Auch Geisterspiele würden ihn nicht stören, obwohl dem Verein dadurch pro Heimspiel 2000 bis 3000 Euro an Gewinn fehlen würden. Taafel glaubt allerdings nicht, dass die Runde noch zu Ende gespielt werden kann. Die aktuelle Tabelle bei einem Abbruch zu werten, hält er für kritisch. „In der Nord-West-Staffel gibt es Mannschaften, die drei, vier Spiele weniger haben als der Rest“, gibt Taafel zu bedenken. Denen gegenüber sei diese Variante nicht fair. „Aber egal welche Entscheidung man trifft, es werden nie alle zufrieden sein“. Die Hinrundentabelle zu werten, sei „eine Möglichkeit, aber natürlich auch unbefriedigend“, so Taafel, der dabei an Mannschaften denkt, die sich erst in der Rückrunde auf einen Aufstiegsplatz oder Nichtabstiegsplatz vorgearbeitet haben. „Für uns ist es eigentlich egal, wie die Entscheidung ausfällt, wir sind sowieso im Niemandsland.“ Die TGS ist derzeit Zehnter der 3. Liga Süd.

Die Einbußen für den Gesamtverein schätzt Taafel auf rund 20.000 Euro, sofern das Virus bis in den Sommer hinein das öffentliche Leben einschränkt. Denn auch Einnahmen aus Bewirtungen außerhalb des Handball-Spielbetriebs würden dann wegbrechen. Taafel hofft daher, dass die Stadt ihnen zumindest die Hallenmiete für die nicht beanspruchten Zeiten bei den Erwachsenen erstattet (für Jugendmannschaften fällt in Pforzheim keine Miete an). Kurzarbeit sei bei der TGS nicht möglich, da kein Spieler hauptberuflich Handballer wäre.

TG 88 Pforzheim

Gabi Kubik, Co-Trainerin der Drittliga-Frauen, präferiert bei einer Absage eine Wertung, bei der es keine Absteiger gibt. „Es ist eine schwierige Situation, der Verband muss das entscheiden“, sagt sie. Es werde  schwer die verbleibenden Partien noch sportlich auszuspielen, weiß Kubik. Um fehlende Einnahmen durch wegbrechende Heimspiele macht Kubik sich keinen großen Kopf. „Das Zuschaueraufkommen in der 3. Liga der Frauen ist überschaubar“, sagt sie. Dennoch tue jeder Euro, der fehlt, natürlich weh, so die Co-Trainerin des Tabellenneunten der 3. Liga Süd.

SG Pforzheim/Eutingen

„Für uns wäre es der Supergau, wenn man so täte, als ob die Runde nie gespielt wurde“, sagt der Sportliche Leiter Wolfgang Lipps. Die SG spielte bisher eine überragende Oberliga-Saison mit 18 Siegen aus 23 Spielen und ist Tabellenführer. Ein Abbruch ohne Wertung würde die gewünschte Rückkehr in die 3. Liga erstmal verhindern. Sollte der aktuelle Stand oder nur die Hinrunde gewertet werden, könnte das Oberliga-Team aus der Goldstadt damit sicher leben, denn in beiden Fällen wäre die SG Meister. Am liebsten wäre es Wolfgang Lipps, wenn die Saison irgendwie zu Ende gespielt werden könnte.  „Entscheidungen am Grünen Tisch sind mit Sicherheit so, das nicht jeder zufrieden sein kann“, so Lipps. Die Einnahmen pro Heimspiel schätzt der Sportliche Leiter der SG übrigens auf 3000 bis 4000 Euro. Wenn die drei noch verbleibenden Heimspiele ausfallen würden, wäre das sicher ein Verlust, so Lipps, „aber nicht existenzbedrohend.“

HC Neuenbürg

Rainer Sorg, erster Vorsitzender des Oberliga-Aufsteigers, glaubt nicht daran, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. „Das wird eng und niemand kann sagen, wie sich das Ganze entwickelt“, sagt Sorg. Man müsse nun eben abwarten. Sollte es zu einem vorzeitigen Saisonende kommen, sollte man nach der Vorrunde einen Strich ziehen. „Das wäre am fairsten, jeder hätte dann zumindest einmal gegen alle anderen gespielt“. Würde man den jetzigen Stand werten, müssten auch Teams absteigen, „die es nicht verdient haben, die sich normalerweise noch hätten retten können, weil die vermeintlich leichten Gegner noch gekommen wären“, so Sorg.

Wirtschaftlich sieht der HCN-Vorstand ein verfrühtes Saisonende nicht als kritisch an, zumal der Oberliga-Zehnte nur noch drei Heimspiele gehabt hätte. Viel mehr schmerzt da, dass die geplante Ü30-Party im Mai wohl ausfallen muss. „Das ist immer ein großes Fest, wenn die Einnahmen davon wegfallen, tut das schon weh“, sagt Sorg. Man hoffe aber, die Party in den Herbst verlegen zu können.

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Anna Wittmershaus

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