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Luc Walterspacher beim Training daheim am Pauschenpferd.  Foto: Ralf Kiefer 

Corona macht es nötig: Ungewöhnliches Hometraining der Remchinger Kunstturner

Remchingen. Die Mehrkämpfer, die alle sechs olympischen Geräte turnen, benötigen in der Regel sechs bis acht Wochen Vorbereitungszeit, um sich in der letzten Phase der Saisonvorbereitung fit zu machen. Der Liga-Beauftragte des Badischen Turner-Bundes Manuel Gäng nennt einen Saisonstart für den 12. Juni als frühestes Datum, obwohl sich die Liga dann mit vielen anderen geplanten Wettkämpfen überschneidet.

Dem Trainerteam Walterspacher, Guigas und Marco Ruf, der sich speziell um den Nachwuchs kümmert, steht die Riege nahezu unverändert zur Verfügung. Lediglich Jonas Becker fällt aufgrund eines Auslandsaufenthalts aus. Die „jungen Wilden“ Ramino Bolz, Jakob Ruppert, Niklas Walch und Luc Walterspacher bilden zusammen mit den Mehrkämpfern Jörg Planner, Heinz-Werner Haas und Marvin Hammer den Kern des Teams. Die erfahrenen Gerätespezialisten Heiko Waeldin und Gregor Graf sowie „Turn-Dino“ Harry Seiter gehen bei Bedarf an die Geräte. „Aufgrund Corona hatte ich ja keine Chance auf meinen endgültigen Rücktritt“, zeigt der 62-jährige Seiter Humor.

Sechskämpfer Jörg Planner schickt Bilder aus dem Home- training aus den eigenen vier Wänden. Anstatt Turnmatten dient der Teppich als Unterlage zum Handstand-Stemmen, die Klimmzüge zur Kräftigung der Oberarm-Muskulatur absolviert Jörg Planner im Türrahmen. „Der wenige Platz auf dem engen Raum macht ein sinnvolles Training nahezu unmöglich“, erklärt der Turner, der seit Kindestagen an beim TV Nöttingen aktiv ist.

Glücklich mag sich der Athlet schätzten, der zu Hause eigene Geräte stehen hat, so wie Trainersohn Luc Walterspacher. „Als ich damals das alte Pauschenpferd aus der Turnhalle meines Heimatvereins TV Oberdorf vor der Entsorgung mit nach Hause genommen habe, hat keiner damit gerechnet, dass dies nochmals so zum Einsatz kommen wird“, so Walterspacher Senior. Schließlich hat das Turngerät in der Zwischenzeit 50 bis 60 Jahre auf dem Buckel. Nun dreht der zwölfjährige Nachwuchsturner Luc in Zeiten der Pandemie seine Kreisflanken auf dem Pferd, das seinen neuen Platz in der Wohnung gefunden hat. Auch ein nicht mehr benötigter Barren dient dem Sportler als Trainingsgerät. „Der steht aber im Garten, da ist es gerade etwas kalt“, stellt Walterspacher Junior verschmitzt fest.

„Ob wir gegen unsere Gegner Hettingen, Hanauerland, Iffezheim, Obergrombach oder Sasbach/Renchtal gewinnen oder verlieren ist unbedeutend. Wir würden einfach mal so gerne wieder in einer Sporthalle sein“, sagt Übungsleiter Walterspacher. Die Fakten bestätigen ihn, der letzte ausgetragene Wettkampf vor der Annullierung der Saison datiert vom 7. März vergangenen Jahres. So wünschen sich die Turner der WKG Wilferdingen/Nöttingen, dass der Trainingsbetrieb bald wieder startet.