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Schalkes Trainer Jens Keller hat sich über den FC Nöttingen informiert. Foto: Schmidt
Schalkes Trainer Jens Keller hat sich über den FC Nöttingen informiert. Foto: Schmidt
01.08.2013

DFB-Pokal: Schalkes Trainer Keller nimmt Nöttingen ernst

Nicht auf die leichte Schulter nehmen wird der FC Schalke 04 den FC Nöttingen in der ersten Runde des DFB-Pokals am kommenden Montag im Karlsruher Wildparkstadion (18.30 Uhr, live auf Sky) – sagt jedenfalls Trainer Jens Keller.

„Wir werden das Spiel sehr seriös und sehr ernsthaft angehen“, versichert der 42-Jährige. Eine Pokalpleite wäre sicher nicht der erwünschte Saisonauftakt für das hochkarätig besetzte Team der Königsblauen.

PZ: Was haben Sie spontan gedacht, als Sie hörten, dass der FC Schalke in Runde eins gegen den FC Nöttingen spielt?

Jens Keller: Ich habe natürlich schon gedacht, dass das ein Los ist, bei dem wir haushoher Favorit sind und dieser Rolle möchten wir gerecht werden .

PZ: Sie wussten also vorher gar nichts über den FC Nöttingen?

Jens Keller: Das ist richtig.

PZ: Haben Sie Nöttingen inzwischen beobachtet, beobachten lassen, oder halten Sie das nicht für erforderlich?

Jens Keller: Ja, natürlich haben wir sie einmal beobachten lassen. Ich erhalte auch noch aus einer anderen Quelle in dieser Woche Informationen. Wir bereiten uns gewissenhaft auf das Pokalspiel vor.

PZ: Haben Sie Sorge, dass ihre Mannschaft Nöttingen unterschätzt?

Jens Keller: Nein, die Sorge habe ich nicht.

PZ: Beim FC Nöttingen träumt man von einer Pokal-Sensation. Darüber können Sie doch nur milde lächeln, oder?

Jens Keller: Nun ja, im Pokal hat man schon viel erlebt, es gab einige Sensationen. Deshalb werden wir das Spiel sehr seriös und sehr ernsthaft angehen. Wir wollen unbedingt gewinnen und fahren nicht dorthin, um das Spiel locker anzugehen.

PZ: Werden die Nöttinger Fans in Karlsruhe alle Schalker Stars wie Draxler, Huntelaar, Jones, Hildebrand oder Höwedes sehen? Oder werden einige geschont?

Jens Keller: Das ist der DFB-Pokal. Da gibt es keinen Grund, irgendjemanden zu schonen. Das ist schließlich kein Freundschaftsspiel. Es geht um einen wichtigen Wettbewerb, in dem wir sehr weit kommen wollen. Deshalb werden wir am Montag mit der Mannschaft antreten, von der ich zu dem Zeitpunkt glaube, dass sie die beste ist.

PZ: Haben Sie in ihrer Karriere als Spieler oder Trainer schon selbst Pokal-Sensationen hautnah miterlebt?

Jens Keller (denkt lange nach): Schwere Frage, ich bin mal mit Wolfsburg gegen Cottbus ausgeschieden. Die waren damals 3. Liga und sind dann auch ins Endspiel gekommen. Aber eine wirklich extreme Sensation habe ich nicht erlebt.

PZ: An welches Pokal-Erlebnis erinnern Sie sich am liebsten?

Jens Keller: Das ist ja alles schon ein bisschen her, aber ich habe mit dem VfB Stuttgart mal im Halbfinale gestanden. Pokalsieger war ich leider noch nicht.

PZ: Kennen Sie Nöttingens Trainer Michael Wittwer, haben Sie mal gegen ihn gespielt?

Jens Keller: Ja, ich kenne ihn. Wir haben in Auswahlmannschaften im Nachwuchsbereich viel gegeneinander gespielt. Sicher auch später im Profibereich. Aber persönlichen Kontakt haben wir nicht.

PZ: Der FC Schalke ist ein besonderer Verein. Zum Schalke-Tag am Samstag kamen 100 000 Fans. Wie fühlt es sich an, Trainer eines solchen Clubs zu sein?

Jens Keller: Das ist ein Traum. Schalke ist der zweitgrößte Verein in Deutschland mit dem Anspruch, national und international immer vorne dabei zu sein. Es ist schon etwas ganz Besonderes, hier Trainer zu sein. Die Fans sind unglaublich.

PZ: Der Druck ist aber auch entsprechend hoch, gerade für einen noch recht jungen Trainer. Ihnen wurde, als Sie im Januar Huub Stevens ablösten, auch die nötige Reife abgesprochen. Wie gehen Sie damit um?

Jens Keller: Ich denke, dass ich gezeigt habe, wie ich damit umgehe. Obwohl die Kritik an meiner Person nicht immer sachlich war, konnte ich ganz gut damit umgehen. Ich bin reifer geworden, auch wenn ich immer noch ein sehr junger Trainer bin. Nicht umsonst hat der Verein dann auch mit mir verlängert.

PZ: Schalke hat sich hochkarätig verstärkt. Sie haben reichhaltige personelle Alternativen. Was ist Ihr Ziel? Muss mehr als Platz vier drin sein in der kommenden Saison?

Jens Keller: Unser Ziel ist es, besser zu sein als im vergangenen Jahr. Das wäre dann Platz drei. Aber wir sind ja nicht die einzige Mannschaft, die sich verstärkt hat. Deshalb wird es wieder eine sehr schwierige Saison. Aber wir gehen zuversichtlich daran.

PZ: Ihr Spieler Jermaine Jones hat gesagt, er wolle mit Schalke Meister werden. Haben Sie ihn wegen dieser Aussage zur Rede gestellt?

Jens Keller: Ich brauche keinen Spieler, der erfolgreich sein will, zur Rede stellen. Er hat das auch so nicht gesagt. Er sagte, wenn man mit Schalke 04 in die Bundesliga startet, will man sicherlich oben mitspielen. Wir sind aber auch nicht blauäugig und wissen, dass es Mannschaften gibt, die aktuell ein deutlich besseres Potenzial haben.

PZ: Wer wird deutscher Meister 2014?

Jens Keller: Man braucht sicher kein Hellseher zu sein um vorherzusagen, dass Bayern München eine ganz dominierende Rolle spielen könnte und wahrscheinlich auch wird.

PZ: Schalke war zuletzt 1958 deutscher Meister. Wann ist es mal wieder soweit?

Jens Keller: Wir müssen endlich einmal aufhören, immer dem Meistertitel hinterherzulaufen. Wir wollen uns kontinuierlich weiterentwickeln. Wir sind im Vergleich zu anderen Vereinen, die vorne mitspielen, finanziell auch nicht auf Rosen gebettet, aber wir versuchen den Spagat zwischen sportlicher Weiterentwicklung und dem Abbau unserer Schulden.