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Rugby-Bundesliga: Erfolgsmodell TV Pforzheim

Suchte ständig die Lücke in den Reihen des SC Neuenheim und wenn er sie fand, war Tafadzwa Chitokwindo (grünes Trikot) nicht mehr aufzuhalten. Er legte nicht nur mehrere Versuche für den TV Pforzheim, er traf auch bei acht von zehn Erhöhungskicks zwischen die Stangen. © Jürgen Keller
11.06.2018

DRV-Pokal: Titelverteidiger TV Pforzheim nach Sieg gegen SC Neuenheim im Viertelfinale

Pforzheim. Es war zwar nicht das technisch beste Rugbyspiel der Saison im SüdwestEnergie-Stadion in Pforzheim-Eutingen, aber das DRV-Pokalmatch gegen den Bundesliga-Absteiger SC Neuenheim hatte einen ausgesprochen hohen Unterhaltungswert. Und an dem rasant herausgesprinteten 66:17-Sieg der „Rhinos“ hatten die schnellen Hakenschlager des TV Pforzheim einen enormen Anteil.

Die Situation vor dem Spiel hatte nicht unbedingt danach ausgesehen, als könnte der TVP sicher als Sieger des Pokalachtelfinales durchs Ziel laufen. Die kreativen Köpfe und damit auch die Stammkicker der Hintermannschaft des TVP waren allesamt zur Länderspielvorbereitung der deutschen Nationalmmannschaft abberufen worden, die kommenden Samstag gegen Portugal den großen Schritt in Richtung Rugby-WM machen will. Einige Spieler waren überdies verletzt. Und so musste TVP-Coach John Willis sein Team mit Spielern der zweiten Mannschaft und mit jungen Talenten auffüllen. Die erledigten ihre Aufgabe jedoch mit Leidenschaft. 

Die Neuenheimer konnten nur anfangs der ersten und zweiten Hälfte dagegen halten. Je länger die Spielhälften dauerten, desto deutlicher wurde: Der SCN war für die flinken Sprinter der „Rhinos“ ein, zwei Schritte zu langsam. Vor allem die schon fürs 7er-Nationalteam von Simbabwe aufgelaufenen Tafadzwa Chitokwindo und Manasah Sita waren nicht zu halten. Wenn der kraftvoll dagegenhaltende TVP-Sturm eine Lücke in der SCN-Abwehrreihe erarbeiten konnte, wenn ein intelligenter Pass auch nur ein klein wenig Freiraum eröffnete, dann schalteten die extrem wendigen, extrem lauffreudigen Sprinter sofort den Turbo ein. 

Und so ging es mit famosen Einzelaktionen und individueller Klasse mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Malfeld. Kraftvoll setzte sich Sita auch gegen zupackende Neuenheimer Hände durch, der bei jedem Spurt lächelnde Chitokwindo ließ die Gegner eher wie Slalomstangen anmuten. Zur Halbzeit stand es 33:12. Das war schon deutlich, aber noch nicht beruhigend. Vor allem drängten die Neuenheimer nach der Pause plötzlich heftig nach vorne, sorgten für mächtig Druck und auch etwas Gefahr. Doch der TVP kämpfte sich zurück ins Spiel.

Ganz frech vom aktuellen Nationalspieler von Simbabwe: In der zweiten Hälfte deutete Chitokwindo etwa auf Höhe der Mittellinie einen langen Straftriff an, das Leder-Ei trat er aber nur ein paar Zentimeter weit von sich weg, schnappte dann den Ball und flitzte durch die verblüfft zuschauende Neuenheimer-Abwehrreihe übers halbe Feld ins gegnerische Malfeld. Chitokwindo begeisterte übrigens auch als Kicker. Er verwandelte acht von zehn Erhöhungskicks sicher.

Willis konnte sich an diesem über die Einstellung seines Teams nicht beklagen. Der dezimierte Sturm machte seine Aufgabe sehr gut, warf sich immer wieder mutig dem SCN entgegen, der aber auch mangels Ersatzspieler nach drei Vierteln des Spiels Ermüdungserscheinungen zeigte.

Die Zukunft des TVP, so hatte es Teammanager Jens Poff vor dem Spiel gesagt, werde darin liegen, junge Spieler, junge Talente verstärkt in den Bundesliga-Kader einzubauen. Gut möglich, dass man in der nächsten Saison keinen so extrem dominanten TVP mehr erleben wird, aber langfristig dürfte die Rechnung aufgehen. „Der zweite Anzug“ hatte seine Aufgabe im DRV-Pokal gut gemacht.

Der nächste Gegner im DRV-Pokal jedoch wird ungleich stärker sein. Am Samstag, 23. Juni, kommt der SC Frankfurt 1880 ins SüdwestEnergie-Stadion nach Pforzheim-Eutingen. In der Rugby-Bundesliga Süd/West lag der SCF zwar am Ende der Saison hinter dem TVP auf Rang vier, doch das Hinspiel in Frankfurt ging verloren, und das Rückspiel in Pforzheim endete mit einem 19:19-Remis. Der TVP ist also gewarnt und wird einen Supertag erwischen müssen, um im Pokalviertelfinale gegen den SCF bestehen zu können. 

DRV-Pokal Achtelfinale: TV Pforzheim 66:17 SC Neuenheim

DRV-Pokal Viertelfinale: TV Pforzheim – SC Frankfurt 1880, Samstag, 23. Juni, im SüdwestEnergie-Stadion, Rattachweg 46 in Pforzheim-Eutingen