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Marcel Mehlem. 

Darum feierte KSC-Spieler Marcel "Cello" Mehlem sein Traumtor nicht vor dem Fanblock

Nur wenige Quadratzentimeter des Karlsruher Trikots mit der Nummer Acht waren noch weiß, als am Samstag im Wildparkstadion die 86. Minute anbrach. Doch als jene Minute vorbei war, hatte auch dieser Teil von Marcel Mehlems Arbeitskleidung seine Farbe gewandelt: in ein matschiges Grau.

„Ich weiß nicht, ob das noch mal rausgeht“, sagte Mehlem später schmunzelnd. „Da wird die Wäschefrau sauer auf mich sein.“ Wenn deren Herz aber für ihren Arbeitgeber schlägt, wird sie dem 22-Jährigen wohl verzeihen. Schließlich hatte er vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit das so wichtige 2:1 gegen die Spvgg Unterhaching erzielt.

Ein wichtiges Tor, im heimischen Stadion, kurz vor Schluss: Ein Kindheitstraum wurde damit wahr, verriet Mehlem. Nur der Jubel sei schiefgelaufen: Er habe zu den hartgesottenen Fans auf der Gegengerade rutschen wollen, drehte aber versehentlich zur Haupttribüne ab. „Ich wollte noch umkehren, aber da lagen schon alle auf mir, ich konnte mich nicht mehr losreißen“, so das Eigengewächs. Selbst Rechtsverteidiger Marco Thiede machte den Weg nach links vorne: „Die Meter musste ich noch machen. ,Cello‘ lag ganz unten, da musste ich einfach auch noch draufspringen“, erklärte der Herbst-Neuzugang, der den gelbgesperrten Matthias Bader vertrat und bei seinem Startelfdebüt nach Startschwierigkeiten mit seinem Durchsetzungsvermögen zu überzeugen wusste.

Diese Probleme, ins Spiel zu finden, hatten auch seine Mitspieler: Zu große Lücken im Mittelfeld, kaum Tempo, kaum Kreativität und anfällig bei gegnerischen Standards – das war die Hälfte eins aus Karlsruher Sicht.

So fiel das 1:0 auch mit der ersten KSC-Chance: Marvin Wanitzeks Schuss ließ Anton Fink klug durch die Beine sausen. Das Spielgerät landete am linken Pfosten, den Abpraller netzte Fabian Schleusener ein (21.). Unterhaching jedoch glich zehn Minuten später aus: Sascha Bigalkes Ecke verlängerte Ulrich Taffertshofer auf den langen Pfosten, wo Wanitzek seinen Posten verlassen hatte. Orestis Kiomourtzoglou konnte das Leder so unbedrängt in die Maschen hämmern. Erstmals nach 654 Minuten musste Benjamin Uphoff somit im Wildpark hinter sich greifen.

Dass Ende dieser Serie sei ihm „im Moment komplett egal“, betonte der Schlussmann kurz nach Schlusspfiff. Wichtiger sei, dass man „sehr gut aus der Pause“ gekommen sei. Und tatsächlich stand nun ein personell unveränderter, spielerisch aber wie ausgewechselt aufspielender KSC auf dem Platz. „Wir haben mit Leidenschaft, mit Feuer, mit Freude, mit Mut nach vorne gespielt“, schwärmte Coach Alois Schwartz.

Alleine in der 51. Minute strahlten seine Schützlinge mehr Torgefahr aus als in den gesamten ersten 45 Minuten: Fink setzte einen genialen Lupfer aus 18 Metern an die Unterkante der Latte, Sekunden später klärte Hachings Keeper Korbinian Müller Wanitzeks Knaller zur Ecke. Karlsruhe rückte nun mehr auf, ging ins Risiko. Zweimal musste Uphoff daher noch eingreifen (56., 70.). Aber im Wesentlichen war das Spiel nun ein Scheibenschießen aufs Gehäuse seines Gegenübers: Mehlems Schuss ging drüber (63.), Föhrenbachs Versuch wurde zur Ecke geblockt (65.), Finks Schüsschen aus zwölf Metern gehalten (66.).

So erlösten die an diesem Tag mehr Weiß-Grauen als Blau-Weißen ihre knapp 9000 Fans erst kurz vor dem Ende: Der eingewechselte Dominik Stroh-Engel köpfte da zu Schleusener, von dem der Ball nicht ganz freiwillig zu Mehlem sprang. „Ich wusste, dass ich den Ball nehmen muss, auch wenn er fünf Meter drüber geht“, sagte er. „Dass er dann so in den Winkel scheppert, ist natürlich überragend.“ Beabsichtigt war schließlich die Kombination, die zum 3:1 führte. Erneut kam der Ball von Stroh-Engel zu Schleusener, der zum mitgelaufenen Muslija passte – Tor. Schlusspfiff. Sieg!