760_0900_102150_urn_newsml_dpa_com_20090101_190716_99_81.jpg
Andreas Beck hing lange in der Luft, bevor klar war, dass ihn der VfB nicht halten will. Von Stuttgart ging es für den 32-jährigen Defensivspieler inzwischen weiter zu KAS Eupen nach Belgien. Foto: dpa

Das belgische Abenteuer des Ex-Stuttgarters Andreas Beck

Stuttgart. Nach dem Aus beim VfB Stuttgart wechselte der 32-jährige Andreas Beck bewusst ins Ausland. In Stuttgart hätte sich der Defensivspieler früher Klarheit gewünscht.

Im Rückblick beklagt Ex-Nationalspieler Andreas Beck einen Schlingerkurs in den Planungen des VfB. So wie die vergangene Saison gelaufen sei, habe es zwar keine Garantie geben können, räumte der 32-Jährige immerhin ein, dessen Vertrag nach dem Bundesliga-Abstieg nicht verlängert wurde. „Trotzdem gab es immer wieder Signale, so nach dem Motto: ‚Wir wollen gerne weitermachen mit dir.’“ Das sei dann aber im Sande verlaufen: „Es wurde nie Klartext geredet.“ Dennoch versicherte Beck: „Da bleibt nichts hängen.“ Er habe ein gutes Gespräch mit Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat und Sportchef Thomas Hitzlsperger gehabt.

Beck ist mittlerweile zum belgischen Erstligisten KAS Eupen gewechselt. Außer ihm hat der VfB mit dem bisherigen Kapitän Christian Gentner sowie Dennis Aogo weitere erfahrene Spieler, deren Verträge ausliefen, ziehen lassen. Gentner wechselte inzwischen ausgerechnet zum Neuling Union Berlin, der nun den Platz der Stuttgarter in der obersten Spielklasse einnimmt.

Beim VfB hatte Gentner zuletzt öfter die Bank gedrückt. So kam es, dass Ende April beim ersten Spiel unter Trainer Nico Willig Beck Kapitän war. Beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach, das dem VfB Mut machte, spielte Beck auf der halbrechten Position im Mittelfeld. Ein positives Zeichen war eigentlich auch, dass Willig ihn als „Signalspieler“ für den Abstiegskampf bezeichnete. Doch dann verhinderte ein Meniskuseinriss weitere Einsätze. Ehe Willig Markus Weinzierl ablöste, hatte Beck als Rechtsverteidiger gespielt. In dieser Rolle geriet der Routinier freilich regelmäßig in den Fokus kritischer Fans.

Eine Rückkehr zum VfB, seinem Heimatverein, schließt Beck für die Zeit nach seiner Karriere nicht aus. „Die Frage ist natürlich, in welcher Funktion oder Position? Nur um irgendwelchen Gefälligkeiten gerecht zu werden, möchte ich nicht zurückkehren, so bin ich nicht“, sagte er.

Beck war mit 13 zum VfB gekommen und blieb acht Jahre. 2008 zog es ihn dann zu 1899 Hoffenheim. Später spielte er zwei Jahre bei Beşiktaş Istanbul, ehe er vor zwei Jahren kurzfristig zum damaligen Aufsteiger Stuttgart zurückkehrte.

Nun spielt er wieder im Ausland. In Belgien ist Eupen das Zentrum der sogenannten Deutschen Gemeinschaft. Dennoch will Beck diese Station nutzen, um sein Schulfranzösisch aufzubessern. An manchen Tagen hält er sich sogar in drei Ländern auf. Im 16 Kilometer entfernten Aachen schläft Beck noch im Hotel – und wenn er Lust hat, fährt er zum Mittagessen in die Niederlande. Rund eine Dreiviertelstunde braucht man mit dem Auto bis Maastricht. Ansonsten schreibt der am 13. März 1987 im russischen Kemerowo geborene Beck in den Sozialen Medien noch heute regelmäßig auf Türkisch.

Bewusst nach Belgien

Dass es ihn nach Eupen zog, mag überraschen, doch Beck machte diesen Schritt bewusst. „Es gab einige Anfragen, speziell aus der Bundesliga und aus der Türkei“, erzählt der Defensivspieler. Belgien habe sich aber einfach richtig angefühlt. „Als das auf dem Tisch lag, war klar: Im Vergleich zur Bundesliga bevorzuge ich auf jeden Fall die Auslandserfahrung.“ In Eupen hat er für drei Jahre unterschrieben.

Bei seinem neuen Club soll der erfahrene Mann ein junges Team führen. Die KAS, in der Vorsaison Tabellen-Zwölfter, gehört einer katarischen Organisation, die vornehmlich afrikanische Talente an den Spitzenfußball heranführen will. Eine multikulturelle Truppe sei das, sagte Beck, neunfacher deutscher Nationalspieler, kurz nach seinem Wechsel. Beck sei nicht nur wegen seiner knapp 300 Bundesliga-Spiele „ein Vollprofi, der immer vorangeht“, erklärte Eupens Vorstand Andreas Bleicher. Beck sei ein „offener und kritischer Geist, etwas, was heutzutage selten geworden ist“, meint Bleicher.

Ralf Kohler

Ralf Kohler

Zur Autorenseite