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Für große Zeiten des VfB stehen Peter Reichert (links) und Guido Buchwald. Gemeinsam wurden sie 1984 deutscher Meister, Buchwald zudem 1992. Foto: Kohler
Für große Zeiten des VfB stehen Peter Reichert (links) und Guido Buchwald. Gemeinsam wurden sie 1984 deutscher Meister, Buchwald zudem 1992. Foto: Kohler
10.05.2016

Das gequälte Lächeln der Altstars: VfB-Misere lässt Guido Buchwald und Peter Reichert

Vereinslegende Guido Buchwald hat die Hoffnung, dass dem VfB der Abstieg erspart bleibt, noch nicht aufgegeben. Das ließ der frühere zweifache deutsche Meister und Fußball-Weltmeister von 1990 bei einem Benefiztermin im Kinderzentrum Maulbronn durchblicken.

Doch was sich beim Stuttgarter Traditionsverein abspielt – den Platzsturm nach dem 1:3 des VfB gegen Mainz – betrachtet der 55-Jährige teils mit Galgenhumor: „Ich hab´das zum letzten Mal 1992 erlebt, nachdem ich den VfB zur Meisterschaft geköpft hatte. Mein Trikot habe ich damals verloren, und bin droh, dass ich meine Unterhose behalten habe.“ Doch Spaß beiseite – die jüngste Aktion der Anhänger in der Arena, habe ihnen immerhin einen Frustabbau ermöglicht, meint Buchwald. Während er das Szenario von der Tribüne aus verfolgte, stand Peter Reichert, ebenfalls Mitglied der Stuttgarter Meistermannschaft von 1984, mit den Fans auf dem Platz. Als Fan-Betreuer ist der 54-jährige nah dran am Anhang. Dennoch zeigt sich Reichert überrascht darüber, dass Hunderte in den Innenraum strömten. Es sei aber nur zu verbalen Attacken gekommen, nicht zu körperlichen Übergriffen, stellt der Oberderdinger heraus. Als Angestellter des Vereins ist Reichert sichtlich bemüht, im VfB-Schlamassel Manches positiv zu deuten. Bei vielen Fragestellungen bevorzugt er – ganz entgegen seiner früheren Ausrichtung auf dem Feld – die Defensive. Bei seinem Besuch in Maulbronn prescht er aber einmal nach vorne. Als ein Journalist feststellt, es sei gar nicht so einfach einen Kader zusammenzustellen, abzuschätzen, welche Charaktere zu einander passen, sagte Reichert: „Genau das ist die Kunst des Scoutings. Und es ist die Frage, wie beobachtet man jemanden.“ Diesem Einwurf folgte wie zu erwarten keine Kritik an handelnden Personen. Egal wie die Saison endet, in Stuttgart werden manche gehen, Reichert aber will bleiben.

Als VfB-Repräsentant und Scout in Asien gibt sich auch Buchwald diplomatisch. Ob er sich vorstellen könnte, VfB-Sportvorstand zu werden oder gar Trainer? Für solche Spekulationen sei nun nicht die Zeit, sagt der frühere Verteidiger. Klar positioniert er sich im Hinblick auf die angestrebte Ausgliederung der VfB-Profis aus dem Hauptverein: Im Fall des Abstiegs wäre es noch schwieriger, die Zustimmung der Fans dafür zu gewinnen, sagt er. Aus seiner Sicht sollte die Ausgliederung aber in jedem Fall kommen.