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In ihrem Element:  Silke Lippok fühlt sich im Wasser pudelwohl und läuft zur Hochform auf.
In ihrem Element: Silke Lippok fühlt sich im Wasser pudelwohl und läuft zur Hochform auf. © Breloer, dpa
21.04.2008

„Das ist Wahnsinn“

BERLIN. Mit einem Wimpernschlag von zwei Hundertsteln Vorsprung gewann Silke Lippok von der SSG Pforzheim gestern in Berlin ihren ersten nationalen Schwimm-Titel bei den Frauen. Und das gerade einmal im Alter von 14 Jahren.

„Das ist Wahnsinn, damit habe ich nicht gerechnet“, jubelte Lippok nach ihrem Sieg über 50 Meter Schmetterling ins Handy. Vor dem Rennen sei sie „super aufgeregt“ gewesen. Dabei hatte die Schülerin am Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasium schon im Vorlauf ein Ausrufezeichen gesetzt. In einer Zeit von 27,60 Sekunden verbesserte sie nicht nur ihren eigenen deutschen Altersklassenrekord um 38 Hundertstel, sondern zog auch als Zweitschnellste ins Finale ein. Vor dem entscheidenden Startschuss schraubte Lippok ihre Erwartungshaltung nach unten: „Ich wollte mir keine Hoffnungen machen, damit ich später nicht enttäuscht bin.“

Gegen 17 Uhr war es gestern in der Schwimmhalle des Berliner Europasportparks dann soweit. Die acht Teilnehmerinnen des Endlaufs stürzten sich ins Wasser. An die Anfangsphase des Rennens kann sich Lippok nicht mehr erinnern. „Ich wollte nur mein Ding schwimmen“, sagte sie später abgeklärt. Nach der Wende auf der 25-Meter-Bahn lag Lippok vorne, doch die Konkurrenz schob sich Zentimeter um Zentimeter an sie heran. „Ich bin volle Pulle geschwommen“, fasst die Achtklässlerin die letzten Meter zusammen.

Nur zwei Hundertstel vor der Zweitplatzierten, der fast neun Jahre älteren Münchnerin Iris Rosenberger, schlug Silke Lippok im Ziel an. Mit der Siegerzeit von 27,08 Sekunden verbesserte die SSG-Schwimmerin ihren Altersklassenrekord nochmals um 52 Hundertstel. Ein echter Husarenstreich. Wie ihr der gelungen war? „Die Konkurrentinnen sind besser als bei Jugendwettkämpfen, da ist der Leistungsdruck größer und man will schneller schwimmen“, erklärte Lippok die Leistungsexplosion. Ein weiterer Pluspunkt war die punktgenaue Vorbereitung mit ihrem Trainer Rudi Schulz. Letztlich gehörte zum Titelgewinn auch etwas Glück dazu, wie Lippok einräumte. Da die 50 Meter Delphin keine olympischen Strecke sind, gingen Stars wie Daniela Samulski oder Annika Mehlhorn nicht an den Start.

Sei’s drum: Wenn eine Sportlerin deutsche Meisterin wird, steht eine Feier auf dem Programm, so will man meinen. Nicht so gestern bei Silke Lippok. „Ich will auf dem Boden bleiben“, sagte die Gymnasiastin. Ein erstaunlicher Satz für eine 14-Jährige. Zudem will Lippok bei der DM noch drei Rennen schwimmen. Heute geht sie über 100 Meter Freistil und mit der Staffel der SSG Pforzheimer ins Rennen. Morgen stehen die 50 Meter Freistil auf dem Programm.

Viel Hoffnung auf weitere gute Platzierungen darf sich die Gewinnerin der PZ-Sportlerwahl 2007 nicht machen. Ist auch nicht weiter tragisch für eine, die vor der Reise nach Berlin „nur“ davon träumte, „in einem Finale mitzuschwimmen.“