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Im Blickpunkt: Gelingt dem VfB unter dem neuen Sportvorstand Thomas Hitzlsperger (rechts) nicht die Trendwende, wird es auch für Präsident Wolfgang Dietrich noch ungemütlicher.
Im Blickpunkt: Gelingt dem VfB unter dem neuen Sportvorstand Thomas Hitzlsperger (rechts) nicht die Trendwende, wird es auch für Präsident Wolfgang Dietrich noch ungemütlicher.
Wo bin ich hingeraten, scheint sich Ozan Kabak zu fragen. Der Türke kam als bisher letzter Spieler zum gebeutelten VfB und wird bis Saisonende auch der letzte Neuzugang bleiben. Foto: dpa/Gollnow (2), Kjer
Wo bin ich hingeraten, scheint sich Ozan Kabak zu fragen. Der Türke kam als bisher letzter Spieler zum gebeutelten VfB und wird bis Saisonende auch der letzte Neuzugang bleiben. Foto: dpa/Gollnow (2), Kjer
13.02.2019

Dem VfB Stuttgart droht der Abstieg: Wo führt ein Weg aus der Misere?

Stuttgart. Ruhe müsse nun einkehren. Endlich wieder Ruhe. Als beim VfB Stuttgart der Unternehmer Wolfgang Dietrich im Oktober 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, war es ihm ein besonderes Anliegen, die ständigen Wechsel in der Vereinsführung, im Management und auf der Trainerbank zu beenden.

Mit Ruhe und Kontinuität sollte der damalige Fußball-Zweitligist wieder erfolgreich werden. Doch es kam alles anders: Thomas Hitzlsperger, den Dietrich nun als neuen Sportvorstand vorstellte, ist schon der dritte Manager unter seiner Führung. Nun soll der 36-Jährige den Traditionsclub vor dem erneuten Abstieg retten.

Dabei schien im Mai 2017, als der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelungen war, wieder alles gut. Gefeiert wurden damals Sportvorstand Jan Schindelmeiser und Trainer Hannes Wolf. Schindelmeiser musste dann schon vor Beginn der nächsten Saison gehen, Wolf im Januar 2018.

Ein weiteres Jahr später gleicht der VfB endgültig wieder einem Personalkarussell voller Schleudersitze. Wolf Nachfolger Tayfun Korkut wurde im vergangenen Herbst durch Markus Weinzierl ersetzt. Ähnlich lief es im Management: Auf Schindelmeiser folgte bald Reschke und auf den am Dienstag Sportvorstands-Neuling Hitzlsperger.

Er sehe diesen Vorgang „nicht als persönliche Niederlage“, sagte Dietrich und kann nur darauf hoffen, dass Hitzlsperger den chaotischen Laden in den Griff bekommt. Scheitert auch der WM-Dritte von 2006, dürfte es nicht bei den „Dietrich raus“-Transparenten im VfB-Fanblock bleiben. Dann könnte die Ära von Dietrich, dem dritten VfB-Chef seit 2011, vorbei sein.

Die Trennung von Reschke war etwas überraschend, auch wenn der 61-Jährige etliche Millionen Euro in eine Mannschaft investiert hatte, die wie ein Absteiger spielt. Das alles erinnert an die Entwicklung des Hamburger SV in der vergangenen Saison. Dort flog vor rund einem Jahr zunächst der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, dann der Sportdirektor Jens Todt und schließlich Trainer Bernd Hollerbach, der Mitte Januar Markus Gisdol abgelöst hatte und dem in der Schlussphase der Saison wiederum Christian Titz folgte. Das Ende ist bekannt: Der HSV stieg ab. Unter dem neuen Sportdirektor Ralf Becker und dem früheren VfB-Coach Wolf hat der Traditionsverein inzwischen aber den Wiederaufstieg im Visier.

Die VfB-Fans fragen sich derweil, wie Hitzlsperger in Stuttgart den Karren wieder flott kriegen will. Neue Spieler kann er erst einmal nicht holen, bis Saisonende wird der im Januar von Galatasaray Istanbul geholte Türke Ozan Kabak der letzte Neuzugang bleiben.

In der aktuellen Situation bleibt Hitzlsperger nur die Möglichkeit, mit den Spielern zu sprechen und Trainer Weinzierl zu stärken. „Das Wichtigste für mich ist, in den nächsten Tagen, aber auch darüber hinaus ganz eng beim Trainer zu sein“, erklärte Hitzlsperger.

Was wird aus Weinzierl?

Spielt der VfB am Samstag gegen RB Leipzig (15.30 Uhr/Sky) ähnlich desolat wie zuletzt beim 0:3 bei Fortuna Düsseldorf, könnte auch Weinzierl schnell seinen Job verlieren – so wie der Kollege Michael Köllner bei Schlusslicht 1. FC Nürnberg. Der wurde ebenfalls am Dienstag beurlaubt – wenige Stunden nachdem Sportvorstand Andreas Bornemann gehen musste. Eine Jobgarantie übers Leipzig-Spiel hinaus erhielt Weinzierl von Hitzlsperger jedenfalls nicht.

Aus dem Nürnberger und Hamburger „Modell“, zunächst den Manager und dann den Trainer zu feuern, muss man noch keinen Trend ablesen. Sollte es letztlich auch beim VfB so kommen, dann wäre der Meister von 2007 weiter ein Hort der Unruhe – das Gegenteil von dem, was Dietrich einst wollte.