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Karlsruhes Enrico Valentini erzielt den Treffer zum 1:2. Der Jubel beim KSC über den Sieg gegen den FC St. Pauli war groß. Foto: dpa
Karlsruhes Enrico Valentini erzielt den Treffer zum 1:2. Der Jubel beim KSC über den Sieg gegen den FC St. Pauli war groß. Foto: dpa
20.12.2015

Der Blick nach oben ist wieder frei beim Karlsruher SC

In der Nacht auf Samstag machten es einige KSC-Spieler so, wie ein Großteil der 2500 mitgereisten Fans. Sie hängten noch eine Nacht in Hamburg dran, um „etwas zu essen und vielleicht auch was zu trinken“, wie Verteidiger Enrico Valentini schelmisch verriet. Markus Kauczinski („Ich muss den Jungs da nicht auf den Füßen stehen“) zog hingegen die siebenstündige Busfahrt nach Karlsruhe vor, von wo aus er zum Skifahren nach Österreich aufbrach. Der KSC-Trainer dürfte sich mit einem guten Gefühl in den Weihnachtsurlaub verabschiedet haben.

Denn zum einen hat sein Zweitliga-Team nach dem 2:1-Sieg am Millerntor wieder Anschluss nach oben hergestellt – auch wenn der Abstand auf den Relegationsplatz noch acht Punkte beträgt. Und zum anderen hatte sein Kollege Ewald Lienen ein paar Sätze gesagt, die ihm gut gefallen haben könnten – ob das auch für Präsident Ingo Wellenreuther gilt, ist hingegen fraglich.

„Für uns ist es skurril, dieses Spiel nicht gewonnen zu haben, aber wenn ich es jemandem gönne, dann Markus“, sagte der St.-Pauli-Trainer. Und brach dann eine Lanze für den Kauczinski, der Anfang Oktober seinen Abschied zum Saisonende verkündet hatte. Auch weil er womöglich nicht den Eindruck hatte, dass das Präsidium seine Arbeit wertschätzt. „Er hat eine Topsaison hingelegt und den Aufstieg verpasst, der verdient gewesen wäre. Dann hat er drei wichtige Spieler verloren. Ich glaube, der Präsident vom KSC hat als Einziger noch nicht mitgekriegt, was er an Markus hat. Das sind dann die Fachleute, scheinbar . . .“

Kauczinski hat dazu nichts gesagt, er beschäftigte sich lieber mit dem Sieg, der glücklich zustande gekommen war – bei seinem Siegtreffer per Hacke befand sich Dimitris Diamantakos in einer Abseitsposition (71.) „Am Ende hatten wir das Spielglück, das in den letzten Wochen ein paarmal gefehlt hat“, so Kauczinski.

Hundertprozentig

Tatsächlich hatte der KSC diesmal eine hundertprozentige Chancenverwertung: Manuel Torres (37.) und Diamantakos nutzten die einzigen guten Möglichkeiten zu zwei Treffern. René Vollath, der erneut Dirk Orlishausen im Karlsruher Tor ersetzte, hatte bei der Hamburger Führung durch Bernd Nehrig (24.) keine glückliche Figur gemacht. „Zwei Füße in der Mitte zucken nach oben, ich muss warten, ob der Ball abgefälscht wird und dann fällt er genau hinten rein“, erklärte Vollath, der sich aber nicht zu grämen brauchte. Er zeigte eine starke Leistung, strahlte in der Strafraumbeherrschung Sicherheit aus. Glaubt man Kauczinski, ist allerdings „völlig offen“, wer in der Rückrunde im Karlsruher Tor steht: „Wir haben zwei starke Torhüter.“

Die Qual der Wahl im Tor, eine für Karlsruher Verhältnisse erstaunliche Chancenverwertung und eine Ausgangslage, die plötzlich wieder den Blick nach oben zulässt – in Karlsruhe haben sie die Saison noch nicht abgehakt. „In dieser Liga ist alles möglich“, sagte Vollath, der auch die beiden Topteams der Liga für schlagbar hält: „Auch gegen Leipzig und Freiburg waren wir die bessere Mannschaft.“