760_0900_107593_Holger_Fuchs_r_Jona_Boneberger_l_3.jpg
Den Gegner bearbeiten sollen die Nöttinger Spieler um Holger Fuchs (rechts, hier gegen Ravensburgs Jona Boneberger) im heutigen Heimspiel. Zu Gast ist der Tabellenzweite FC Villingen. Becker/PZ-Archiv, 

Der FC Nöttingen will gegen den FC Villingen auch ohne eine Nacht im Hotel den Heimfluch bezwingen

Remchingen-Nöttingen. Der Gasthof „Zur Traube“ in Nöttingen ist eine richtig schnuckelige Unterkunft. Unten betreibt Ralf Schneider eine eigene Metzgerei, oben vermietet er Fremdenzimmer (20 Betten) für Gäste, die sich die Region rund um Remchingen mal etwas genauer anschauen wollen.

Platz genug hat er also, um auch eine Fußball-Mannschaft unterzubringen. Da böte es sich doch an, die Kicker des FC Nöttingen für eine Nacht einzuquartieren. Schließlich meinte FCN-Trainer Michael Wittwer, kürzlich angesprochen auf die eklatante Heimschwäche seiner Mannschaft, die dagegen auswärts in dieser Oberliga-Saison voll auftrumpft: „Vielleicht sollten wir vor dem nächsten Heimspiel mal in einem Hotel übernachten und dann mit dem Bus anreisen.“

„Genug Platz hab’ ich ja“

Das nächste Heimspiel findet am Freitag um 19 Uhr in der Kleiner Arena gegen den FC Villingen statt. Eingecheckt haben die Nöttinger Fußballer gestern aber trotzdem nicht „Zur Traube“. „Das hätten sie ruhig machen können“, sagt Ralf Schneider und lacht. „Platz genug hab’ ich ja.“

Zum Lachen zumute ist Michael Wittwer beim Blick auf die Tabelle dagegen nicht. Rang elf nach 14 Spieltagen ist so gar nicht das, was sich der Nöttinger Trainer in dieser Runde vorgestellt hat. Oben wollte man mitmischen – durch die verheerende Heimschwäche steckt der FCN aber im unteren Tabellendrittel fest. Auswärts top, daheim ein Flop! Mit fünf Siegen und zwei Niederlagen führt Nöttingen das Auswärtsranking vor Göppingen (4/2/1) an. Doch daheim ist irgendwie der Wurm drin. Von den sieben Partien konnte man noch kein einziges gewinnen. Bisher gab es nur drei Remis und vier Niederlagen. „Das habe ich als Trainer wie auch als Spieler noch nie erlebt“, sagt Wittwer, Ex-Profi des Karlsruher SC. Eine Erklärung für die Misere hat er nicht wirklich. „So ist es eben manchmal im Fußball. Solche Phasen gibt es. Vielleicht wollen wir daheim auch einfach zu viel und vernachlässigen dadurch unsere Abwehrarbeit.“

Dass ausgerechnet gegen den Tabellenzweiten Villingen der Knoten platzen wird, scheint nach der Sieglosserie in der Kleiner Arena nur schwer vorstellbar, zumal die Gäste seit elf Spielen ungeschlagen sind und punktgleich (26) mit Spitzenreiter Göppingen derzeit an die Tür zur Regionalliga klopfen.

„Es wird schwer, ganz klar“, weiß Wittwer, doch er ist überzeugt, dass der Heimfluch heute besiegt werden kann. „Wir müssen nur die Tugenden wie im Spiel gegen Ilshofen abrufen. Wille zeigen und den Gegner von der ersten Minute bearbeiten, dann ist was drin.“ Die spielstarken Villinger peilen in dieser Runde den Aufstieg an. Die Mannschaft ist über Jahre eingespielt und hat ebenso wie Nöttingen schon einige DFB-Pokalschlachten hinter sich. „Wir ähneln uns sehr“, so Wittwer. „Nur haben die gerade einen Lauf.“

Noch ist offen, ob Mario Bilger (Bluterguss im Sprunggelenk) von Beginn an auflaufen kann. Sonst vertraut Wittwer der Startelf wie gegen Ilshofen.

Bei einem Sieg sind die Kicker auf jeden Fall herzlich eingeladen, diesen bei Ralf Schneider in der „Traube“ zu feiern. „Es wird endlich Zeit“, so der Gastwirt.

Dominique Jahn

Dominique Jahn

Zur Autorenseite