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Schön Abstand halten: Tennistrainer Thomas Frank vom TC Wolfsberg lobt die Disziplin seiner Schützlinge. Hier (von links) Kristian (11 Jahre), Johannes (10) und Maximilian (9).  Foto: Meyer 

Der Freiluft-Sport kehrt in die Region zurück – jedoch nicht ohne Hindernisse

Pforzheim. Seit etwas mehr als einer Woche dürfen die Freiluft-Sportler wieder auf dem Platz trainieren. Dabei müssen sie wegen des Coronavirus aber strenge Vorschriften einhalten. Die PZ hat sich bei einigen Vereinen umgehört, wie sie mit den Hygiene- und Sicherheitsvorgaben zurechtkommen.

Fußball

Beispiel SV Kickers Pforzheim: Die Sportanlage auf der Wilferdinger Höhe gleicht einem Verkehrsgarten. Überall auf dem Boden sind gelbe Pfeile eingezeichnet. Sie sollen den Kickern den Weg weisen. Hier darf man parken, hier geht’s zum Sportplatz und hier wieder runter vom Gelände. Wer zu den Kickers kommt, begeht quasi eine Einbahnstraße.

„Die Spieler müssen ja den Abstand einhalten. Sie sollen sich nicht begegnen“, sagt Kickers-Vizepräsident Nikolai Ziegler und nennt die Organisation und Umsetzung der Abstandsregel als „das Komplizierteste an der ganzen Sache“.

Die Vorbereitung auf den Wiedereinstieg ins Training hat viel Zeit gekostet. Die Übungseinheiten starten somit erst kommende Woche. Vor allem die Jugendlichen werden wieder aufs Feld gelassen. „Die freuen sich riesig. Sie möchten endlich wieder raus und kicken“, weiß Ziegler. Ab der F-Jugend aufwärts dürfen die Talente wieder tricksen, dribbeln, Tore schießen. Allerdings nur in Kleingruppen mit maximal fünf Spielern. Das Spielfeld ist unterteilt. Eine Gruppe darf sich auf mindestens 1000 Quadratmetern austoben. Der Kickers-Platz misst insgesamt 6000 Quadratmeter.

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Wie im Verkehrsgarten sieht es auf der Sportanlage des SV Kickers Pforzheim aus. Die Wege der Fußballer sind genau vorgegeben, damit sich niemand zu nahe kommt. Foto: Ziegler

Die Trainer sind nun besonders gefordert. Sie müssen den Überblick behalten und darauf achten, dass sich die Jugendlichen nicht zu nahe kommen. Die Hygiene-Vorschriften sind enorm. So darf es keine Fahrgemeinschaften geben. Die Spieler müssen ihren eigenen Ball mitbringen, jede Trinkflasche muss mit dem Namen des Spielers versehen sein. Am Eingang des Sportgeländes stehen Desinfektionsmittel.

Nikolai Ziegler ist gespannt, wie es kommende Woche ablaufen wird. Und irgendwie fragt er sich auch: „Lohnt sich der ganze Aufwand, wenn in anderthalb Wochen vielleicht sowieso die Kontaktsperre aufgehoben wird?“ Die jungen Kicker werden ihm und seinem Kickers-Team auf alle Fälle kommende Woche erstmal dankbar sein.

Tennis:

Beispiel TC Wolfsberg: Thomas Frank hat weniger organisatorische Probleme: Der Trainer darf mit Vierer-Gruppen trainieren.

„Die Kinder halten Abstand, das bekommen die super hin“, freut sich Frank über die Disziplin seiner Schützlinge.

Bei Bedarf werden aber auch schon mal Hütchen als Abstandshalter aufgestellt.

Jedes Kind hat seinen eigenen Sitzplatz. Übungsmaterialien werden nach dem Gebrauch desinfiziert. Gemeinsam dürfen die Kinder nicht die Tennisbälle einsammeln. Jeder hat seinen eigenen Eimer und bringt diesen dann zum Coach.

„Wir sind alle froh, dass wir wieder auf den Platz dürfen. Vor allem die Kinder“, sagt Frank.

Aber auch die Erwachsenen sind erleichtert, nach der langen Corona-Zwangspause wieder das Racket schwingen zu dürfen. Ob die Saison im Badischen Tennisverband doch noch gespielt wird, entscheidet sich wohl kommende Woche. Der Württembergische wie auch der Bayerische Tennisverband sollen derweil Gerüchten zufolge schon die Saisonabsage beschlossen haben.

Leichtathletik

Beispiel TSG Niefern: Überschaubar ist das Geschehen auf der Sportlange der TSG. Nur die Leichtathleten befinden sich im Training. Und auch nur die Athleten, die über 16 Jahre alt sind. Die beiden Fünfer-Gruppen kommen sich dabei nicht ins Gehege. Trainiert wird jeweils auf einer Stadiongeraden. TSG-Ass Moritz Isola trainiert morgens alleine. Kommende Woche will auch Carolina Krafzik vom VfL Sindelfingen bei ihrem Heimatverein ein paar Runden drehen.

„Das Trainingsgefühl ist zurück“, sagt TSG-Geschäftsführer Stefan Ermentraut.

Wenn auch mit Hindernissen.  Trainer und Athleten haben die Sprühflasche ständig griffbereit. Die Sportgeräte müssen desinfiziert werden. Alle Trainingsprotokolle (Auflistung aller Teilnehmer) landen dann täglich auf dem Schreibtisch von Stefan Ermentraut. „Vier Wochen müssen die aufbewahrt werden, für den Fall der Fälle, dass sich jemand mit Corona infiziert hat, dann darf man sie wegwerfen“, erklärt der TSG-Boss. Er hofft, dass nach Pfingsten der nächste Schritt zurück zur Normalität gemacht werden kann.

Dominique Jahn

Dominique Jahn

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