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Die Entscheidung im Wildparkstadion: KSC-Kapitän Kai Bülow köpft den Ball zum 2:1 ins Netz (linkes Bild), dann dreht er jubelnd ab.  Ripberger
Die Entscheidung im Wildparkstadion: KSC-Kapitän Kai Bülow köpft den Ball zum 2:1 ins Netz (linkes Bild), dann dreht er jubelnd ab. Ripberger
06.08.2017

Der KSC kriegt die Kurve: Endlich der erste Saisonsieg!

Das Warten hat ein Ende. Ausgerechnet gegen das bis dahin ungeschlagene Spitzenteam des SV Wehen Wiesbaden ist dem Karlsruher SC mit einem verdienten 2:1 (0:1) der erste Sieg in der 3. Liga geglückt. „Endlich konnten wir den Fans wieder einen Heimsieg schenken“, freute sich ein strahlender KSC-Chefcoach Marc-Patrick Meister.

Auch er weiß: Der letzte Heimdreier datierte vom 4. März gegen Hannover in der 2. Liga. Damals war Meister noch Assistenztrainer.

Dass der Knoten geplatzt ist, dafür sorgten Toni Fink mit einem Traumtor per Volleyschuss und Kapitän Kai Bülow mit einem Kopfballtreffer. Sie ließen Meister, der nach nur einem Punkt aus drei Spielen schon enorm unter Druck stand, durchatmen. Im Wildpark hoffen nun alle, dass dieses Erfolgserlebnis zu einer Initialzündung wird, „dass wir jetzt die nächsten Spiele mit großem Selbstbewusstsein angehen können“, so Mittelfeldmann Marc Lorenz, der beide Treffer vorbereitete.

Kreuzers Mahnung

Dabei sah es nach 45 Minuten wieder einmal düster aus. Die Blau-Weißen lagen trotz überlegen geführtem Spiel 0:1 zurück, der nächste Nackenschlag drohte. Sportdirektor Oliver Kreuzer fauchte zur Halbzeit zurecht: „Es fehlt die Struktur, zudem verlieren wir immer wieder Bälle in der Vorwärtsbewegung.“ Dass er so etwas nicht ewig mittragen könne und würde, machte er auch deutlich. „Fußball ist Ergebnissport. Wir dürfen unser Ziel nicht in allzu weite Ferne rücken lassen. Wir müssen anfangen zu punkten. Wir haben Geduld, aber irgendwann müssen Punke her.“

Es scheint, als hätte die Mannschaft verstanden. Marc-Patrick Meister war sich sicher, dass seine Elf die Partie drehen würde: „Wir haben uns in der Halbzeit geschworen: Wir ziehen das Ding wieder glatt!“

Die Badener haben aber weiterhin viele Baustellen. Im Angriff fehlt die Effektivität. Und: die Innenverteidigung ist nicht stabil. Der Spielaufbau von dort behilft sich meist mit langen Bällen.

Mut machen aber Wille und Moral im Team. Mut machen auch die Steigerung von Keeper Benjamin Uphoff und der bärenstarke Auftritt des 19 Jahre alten Florent Muslija bei seinem Startelf-Debüt. Das Eigengewächs sorgte mit viel Selbstvertrauen, Frechheit und toller Technik für viel Wirbel über rechts. Schade, dass seine Vorlagen und Schüsse keinen Treffer brachten. „Ich habe Respekt vor allem, aber auch enormes Selbstbewusstsein. Ich versuche einfach, mein Spiel zu machen. Dass es so gut klappte, macht mich froh“, sagte der Youngster. Weniger froh war Daniel Gordon. Dessen Blackout führte kurz vor Halbzeit zum 0:1 durch Alf Mintzel. Der 32 Jahre alte Nationalspieler Jamaikas sollte den Job des Abwehrchefs übernehmen – hatte aber total verwachst. Er flachste zwar über seinen furchtbaren Fehler („Ich wollte das Spiel ein bisschen spannend machen“) bekannte dann aber ehrlich: „Das war ganz klar mein Bock. Zum Glück haben wir noch gewonnen. Heute als Sieger vom Platz zu gehen, das war ein sehr schönes Gefühl.“

„Moral bewiesen“

Nach dem Nackenschlag in Minute 45 kämpften sich die Badener zurück in die Partie, Kapitän Kai Bülow wurde durch seinen Kopfballtreffer zum Matchwinner. „Wir haben wieder viele Chancen liegengelassen. Aber wir haben wieder Moral bewiesen, nachdem wir es uns selbst schwergemacht haben“, so der Spielführer, der auch mahnt: „Wir müssen arbeiten. Von selbst geht nichts. Aber: Der erste Sieg in einer Saison ist wichtig, sehr wichtig.“

Toni Fink dachte schon weiter. Der Top-Torjäger der 3. Liga hatte bereits das Pokalspiel am kommenden Freitag gegen den Erstligisten Bayer Leverkusen auf dem Schirm: „Da haben wir eine kleine Chance, die wollen wir nutzen.“