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Vorübergehender Rückzug: Sven Kaiser (am Ball) steht dem Handball-Drittligisten TGS Pforzheim bis zum Sommer nicht zur Verfügung. Hofmann/PZ-Archiv. 

Der Kaiser geht vorübergehend von Bord

Der Spielmacher der TGS Pforzheim gönnt sich eine „Handball-Elternzeit“. Die gute Entwicklung beim Drittligisten gibt Anlass zu Optimismus.

Finn ist schuld. Eindeutig. Finn, das ist der vier Wochen alte Sprössling von Sven Kaiser. Und der sorgt nun dafür, dass der 30 Jahre alte Papa bei der TGS Pforzheim eine Auszeit nimmt. „Ich möchte einfach Zeit für meinen Sohn haben“, sagt der Handballer, der in den vergangenen Jahren am Aufschwung des Pforzheimer Teams großen Anteil hatte. Jetzt wurde er beim letzten Vorrunden-Heimspiel der TGS am Samstagabend gegen Herrenberg in den „einstweiligen Ruhestand“ verabschiedet.

Handball-Elternzeit steht an

Ein halbes Jahr müssen die Ballwerfer vom Wartberg ohne ihren langjährigen Spielmacher auskommen. In dieser Zeit will Kaiser, der bei der Stadt Pforzheim im Schul- und Sportamt arbeitet, am Abend mit seinem kleinen Sohn spielen statt ins Training zu gehen. Doch die Trennung soll nicht auf Dauer sein. „Mein Herz hängt am Handball. Ich kenne nichts Anderes“, sagt er und bekräftigt: „Es soll nur eine Pause sein.“ Eine Handball-Elternzeit sozusagen.

2009 hatte es Sven Kaiser aus dem Schwäbischen nach Pforzheim verschlagen. Früher spielte er in seiner Heimat nahe Ulm für den Oberligisten HSG Langenau-Elchingen. Bei der TGS war er bis zur vergangenen Saison auf der Spielmacherposition unersetzlich, half mit, dem Team den Weg in die 3. Liga zu ebnen. Inzwischen aber haben sich die Zeiten geändert. Die TGS hat sich auf der Mittelposition mit Valentin Hörer verstärkt, einem gestandenen Drittliga-Spieler und erfolgreichen Torjäger. Seither hat Sven Kaiser bei weitem nicht mehr die Einsatzzeiten wie früher. Das aber, so versichert er, habe bei seiner Entscheidung keine Rolle gespielt. „Wir haben ein super Team, da sind Einsatzzeiten kein Thema. Ich spiele ja auch im Training eine wichtige Rolle“, sagt er – und stellt sich damit unbewusst ein gutes Zeugnis als Teamplayer aus.

Den Kontakt zur Mannschaft wird Kaiser nicht abreißen lassen. Er will sich die Heimspiele anschauen. „Und ich kann ja gelegentlich zum Biertrinken vorbeikommen“, scherzt er. Er wird die Daumen drücken, dass der angestrebte Klassenerhalt bald unter Dach und Fach ist.

Nach einem holprigen Saisonstart mit einigen Niederlagen haben die Pforzheimer Turngesellen in der neuen Liga inzwischen in die Spur gefunden. Zuletzt gab es vier Spiele ohne Niederlage in Folge. Dass es nicht vier Siege wurden, lag am Unentschieden am Samstag gegen die SG H2Ku Herrenberg, als die Gastgeber in den letzten 20 Minuten eine Sieben-Tore-Führung verspielten.

Sven Kaiser ist guter Dinge, dass die Mannschaft noch in der 3. Liga spielt, wenn er im Sommer wieder ins Training einsteigen will. „Wir haben definitiv Zeit gebraucht, um uns an die neue Liga zu gewöhnen. Vor allem in der Abwehr.“ Jetzt steht die 6-0-Reihe in der Defensive mit den Neuzugängen Hörer und Michal Wysokinski im Zentrum. Das Team von Trainer Andrej Klimovets hat die Herausforderung in den vergangenen Wochen angenommen. Sven Kaiser sieht bereits „einen Riesenunterschied“ zum Saisonbeginn. Sein Teamkollege Nils Brandt pflichtet ihm bei: „Es ist doch recht ordentlich, was wir aus der Hinrunde gemacht haben.“ Und Trainer Andrej Klimovets sagt: „Ich sehe eine Entwicklung und bin zufrieden. Aber nicht so zufrieden um zu glauben, dass wir keine Arbeit mehr hätten.“ Komplimente gibt es inzwischen auch vom Gegner. Herrenbergs Trainer Nico Kiener wagte am Samstag eine Prognose: „Pforzheim wird im Mittelfeld ankommen, eher nach oben.“

Und so wäre auch Sven Kaiser bereit, Geld darauf zu wetten, dass seine TGS die Klasse erhält: „Ich kann ja das Kindergeld drauf setzen“, sagt er – und lacht.