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Mitchell Langerak nimmt die Schuld für die Niederlage gegen Hannover 96 auf sich.
Mitchell Langerak nimmt die Schuld für die Niederlage gegen Hannover 96 auf sich. © dpa
13.12.2016

Der Schuldbewusste: VfB-Torhüter nimmt das 1:2 gegen Hannover auf seine Kappe

Mitchell Langerak ist eigentlich ein ganz Großer. Und das nicht ausschließlich wegen seiner 191 Zentimeter Länge. Schon oft hat der Stuttgarter Torhüter in der aktuellen Zweitbundesliga-Saison seine Fußballkollegen vor Punktverlusten bewahrt.

Doch nach der zweiten Saison-Heimniederlage gegen den Mitabsteiger und Aufstiegskonkurrenten Hannover 96 steht er ziemlich allein da. Nicht nur, weil er in der 87. Minute nach missglückter Abwehr aufgeregt fuchtelnd sein elfmeterreifes Foul bestritt, während Felix Klaus sich den Ball schnappte Hannovers Siegtor vorbereitete. Allein und einsam ist Langerak auch deshalb, weil niemand seine Auffassung teilt, „dass wir unverdient verloren haben“.

Den australischen Nationalkeeper ehrt, dass er den Treffer auf seine Kappe nimmt, aber Sportvorstand Jan Schindelmeiser widerspricht ihm heftig: „Wir hatten nicht die Intensität, um eine Spitzenmannschaft in Schwierigkeiten zu bringen.“ Schindelmeiser, Trainer Hannes Wolf und der in der Nachspielzeit wegen eines Handspiels vom Platz gestellte Timo Baumgartl sind sich einig: „In der ersten Halbzeit sind wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen.“ Erst in der letzten Viertelstunde entwickeln die Stuttgarter, die nach Hannover angriffsstärkste Mannschaft, verstärkten Offensivdrang. Zuvor hat sich vor allem das VfB-Mittelfeld in einen verfrühten Winterschlaf begeben.

Neururer: „Hannover sicherer“

Als Kronzeuge für die deutlich überzeugendere Vorstellung der Niedersachsen stellt sich Ex-Bundesligatrainer Peter Neururer der PZ zur Verfügung: „Es war ein tolles Spiel, Hannover war ballsicherer und hatte das Spiel stets unter Kontrolle.“ Alle Daten belegen die Richtigkeit der Aussagen des Fernseh-Experten: Mehr Torschüsse, Ecken, Flanken, Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe und gelungene Pässe verzeichnen die 96er. „Das tut weh und wird uns die nächsten zwei Tage beschäftigen“. gibt Schindelmeiser zu Protokoll. Und er macht deutlich, dass die Anfälligkeit der Hintermannschaft und die Konfusion im Mittelfeld – auch gegen Teams aus dem hinteren Drittel – Konsequenzen erfordern. Auf die Frage, ob der VfB in der Winterpause auf dem Transfermarkt nachlegen muss, verrät der Sportvorstand immerhin so viel: „Ich schließe das nicht aus.“

Sorgen vor dem Würzburg-Spiel

Doch vorerst müssen sich die Stuttgarter mit anderen Sorgen herumschlagen. Dazu gehört die Sperre von Abwehrrecke Timo Baumgartl am nächsten Sonntag bei den Würzburger Kickers. „Ich habe mit Schiedsrichter Felix Brych gesprochen. Ich bin ihm für den Platzverweis nicht böse, auch wenn ich aus 50 bis 60 Zentimetern an der Hand angeschossen wurde“, gibt sich der Rot-Sünder fair und verständnisvoll. Auch Daniel Ginczeks Rückkehr in den letzten zwölf Minuten, nach langer Verletzungspause, zeigt noch nicht die erhoffte Wirkung. Und auf das in der ersten Halbzeit praktizierte und misslungene Experiment mit einer Fünferkette wird Trainer Wolf in Würzburg wohl verzichten. Neue Konzepte und mehr Sicherheit sind gefragt.