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Eigentlich stand einem Stadionneubau im Wildpark nichts im Wege, bis die Grünen nun mit der Idee eines Bürgerentscheids kamen.
Eigentlich stand einem Stadionneubau im Wildpark nichts im Wege, bis die Grünen nun mit der Idee eines Bürgerentscheids kamen.
11.12.2013

Der Umbau des KSC-Stadions als unendliche Geschichte

Was lange währt“, sagt der Volksmund, „wird endlich gut.“ Dass dieses Sprichwort auch auf die Zukunft des Karlsruher Wildparkstadions zutrifft, darf bezweifelt werden. Zu oft schon platzten Überlegungen, Versprechen, Pläne, Modelle und Finanzierungen wie Luftballons.

Schon in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die neue Haupttribüne war erst im Juni 1993 eingeweiht worden, bauten der damalige KSC-Präsident Roland Schmider (Februar 1974 bis Mai 2000) und sein Geschäftsführer Klaus Fuchs auf dem „Weg ins Jahr 2000“ ein WM-taugliches „Luftschloss“. Unter Clubchef Detlef Dietrich (Mai 2000 bis Februar 2002) durfte für ein „Zentrum für Sport, Kultur und Bildung“ sogar Stardesigner Luigi Colani zum Stift greifen. Und als Hubert H. Raase den blau-weißen Traditionsverein führte (November 2002 bis September 2009), scheiterte ein Neu- beziehungsweise Ausbau am jetzigen Standort unter anderem an den Mietpreisvorstellungen der Stadt.

Investiert wurde nur in Beine

Fakt ist: Der Karlsruher SC hat es zu seiner sportlichen und finanziellen Hochzeit in den vergangenen 90er-Jahren versäumt, mit Augenmaß den Bau eines eigenen Stadions in Angriff zu nehmen. Investiert wurde – langfristig erfolglos – nur in Beine, nicht in Steine. Nach seiner sportlichen Achterbahnfahrt in den letzten 20Jahren – 1993/94 nahmen die Wildparkprofis erstmals am Uefa-Cup teil, 2000 und 2012 tauchte der KSC jeweils in die Drittklassigkeit ab – ist der hoch verschuldete KSC in seiner jetzigen Form vom Gemeinderat abhängig. Denn Folgendes ist unbestritten: Ohne ein den modernen Anforderungen gerecht werdendes Stadion wird dem Profifußball in der badischen Residenz früher oder später die Luft ausgehen. Der KSC aber ist, so Wolfgang Grenke, der Präsident der Industrie- und Handelskammer, am 4. Dezember, „ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und ein wichtiger Imagefaktor“, und „ein neues Stadion wäre ein wichtiges Aushängeschild für die Region, das in ganz Deutschland wahrgenommen wird.“

Mit der Wahl von Dr. Frank Mentrup zum neuen Oberbürgermeister der Fächerstadt kam wieder Bewegung in das ewige Hin und Her. Die Standortdiskussion – im Laufe der „Geschichte“ waren sieben Örtlichkeiten im Gespräch – wurde endgültig zugunsten des in städtischem Besitz befindlichen Wildparks entschieden.

Das neue Stadtoberhaupt und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther gaben am 9. Oktober bekannt, dass für 110 bis 120 Millionen Euro – 60 bis 70 Millionen soll der Baukörper kosten, die Infrastrukturmaßnahmen schlagen mit 42 bis 47 Millionen zu Buche – am jetzigen Standort ein komplett neues, schwerpunktmäßig fußballerisch genutztes Stadion entstehen soll. Die grundsätzliche Zustimmung des Gemeinderats dazu sollte eigentlich am kommenden Dienstag eingeholt werden. Nun aber brachten die Grünen einen Bürgerentscheid ins Gespräch (die PZ berichtete): Neubau für 120 Millionen oder Umbau für 40Millionen. Das Votum der Karlsruher Bürger soll ihren Vorstellungen nach im Mai eingeholt werden und der Gemeinderat in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres endgültig über die Zukunft des Wildparkstadions entscheiden. Bis dahin wäre dann wieder ein dreiviertel Jahr vergangen. Aber Zeit spielt in dieser unendlichen Geschichte ja schon lange keine Rolle mehr.